Aachen: Vrzogic: Kein Blick zurück in Wehmut

Aachen: Vrzogic: Kein Blick zurück in Wehmut

Das Transferfenster wird dann schon ein paar Tage geschlossen sein, das ist aber kein Problem für den nächsten Zugang. David Vrzogic wird zum ersten Mal Vater, seine Frau Helen ist in freudiger Erwartung und für den 22. September ausgerechnet. Alemannia Aachens neuer Linksverteidiger hatte gleich nachgeschaut, „wir haben dann kein Spiel“.

Ob’s ein Junge oder Mädchen wird, verrät er noch nicht, und die leicht durchschaubare Nachfrage Links- oder Rechtsfuß kontert Vrzogic mit „beidfüßig“. Klar ist: Geburtsort wird Eschweiler sein.

Fiel ermuntert ihn

Mit 90 Minuten Verspätung meldet sich David Vrzogic in dieser Saison an diesem Samstag an. Ein grippaler Infekt verhinderte das Debüt im Spiel bei seinem Ex-Verein Rot Weiss Ahlen, nun greift er erstmals am Samstag (14 Uhr) ein, wenn zwei Tage vor Vollendung seines 26. Lebensjahres der Vizemeister Alemannia auf den Meister Borussia Mönchengladbach II trifft. „Die Regionalliga West sucht ihresgleichen“, sagt der gebürtige Wuppertaler mit serbischen Wurzeln. Er kam von Dynamo Dresden, hätte in der 3. Liga bleiben oder ins Ausland wechseln können.

„Aber das hat alles nicht so gestimmt. Ich wollte was Langfristiges, nicht hin und her reisen, Stabilität und Nähe zur Familie. Und ich wollte dorthin gehen, wo man mich auch unbedingt haben will.“ Auf der Suche nach einem Nachfolger für Michael Lejan nutzte Alemannia-Manager Alexander Klitzpera seine Drähte zu Vrzogics Berater, der Profi erkundigte sich bei Bastian Müller und Dennis Dowidat, sprach mit Trainer Christian Benbennek. „Und dann ging alles ganz schnell.“ Schließlich hatte ihn auch der Ex-Aachener und langjährige Dynamo-Kapitän Cristian Fiel ermuntert. „Ich solle das ohne Überlegung machen und die Chance wahrnehmen.“

David Vrzogic hat ein paar bemerkenswerte Einträge in seiner Vita. Er spielte schon als Knirps bei Grün-Weiß Wuppertal immer eine Altersklasse höher, mit neun Jahren stellte ihn sein Vater — glühender BVB-Fan — bei Borussia Dortmund vor. „Und dann habe ich in drei Einheiten gezeigt, was ich draufhabe“, schmunzelt David.

Lyubisa Vrzogic ist noch heute angestellt im Klub, arbeitet für die Poststelle, chauffiert Vereinsboss Hans-Joachim Watzke und Manager Michael Zorc, erledigt Dinge für die Spieler, „er ist die gute Seele“, sagt der Sohn. Der wurde vom Stürmer zum Verteidiger, weil gerade einer fehlte, durchlief sämtliche Jugendteams, wurde zum U-Nationalspieler des DFB.

Marcel Schmelzer ist sein „bester Kumpel“ seit der Zeit im Fußballinternat, auch zu Nuri Sahin und Neven Subotic gibt es bis heute engen Kontakt. Vrzogic gehörte zum erweiterten Profikader und stand als 17-Jähriger unter Bert van Marwijk vor seinem Bundesliga-Debüt gegen den Hamburger SV, nachdem sich ausgerechnet sein großes Vorbild Dede verletzt hatte. Doch dann wurde ein Kreuzbandriss diagnostiziert — aus der Traum.

„Bin mit mir zufrieden“

„Außenstehende sagen vielleicht: ‚Der Junge hat aber Pech gehabt.‘ Aber ich schaue nicht zurück. Ich hatte bislang eine gute Karriere und bin mit mir zufrieden.“ Sein ehemaliger Jugendcoach Heiko Herrlich habe ihm stets mit auf den Weg gegeben: „Du musst ein Mal mehr aufstehen, als Du hinfällst.“ 2010 wechselte Vrzogic zum Zweitliga-Absteiger Ahlen, er fühlte sich dort „pudelwohl“, doch dann kam die Insolvenz dazwischen.

Hermann Gerland holte ihn zu Bayern II, er trainierte „oben“, Jupp Heynckes nahm ihn und Bastian Müller mit in die Sommer-Vorbereitung. „Unglaubliche Eindrücke. Ich hatte die Ehre, mit späteren Weltmeistern zu trainieren, von denen man nur lernen kann. Aber man muss realistisch sein“, und da gab es kein Vorbeikommen an David Alaba.

Das länger angedachte Kapitel Dresden war schon nach einem Jahr beendet. Einem starken Beginn (u.a. Pokaltriumph gegen Schalke) mit regelmäßigen Einsätzen folgte die Ernüchterung. „Bei 25 Spielen mit mindestens 45 Minuten hätte sich mein Vertrag verlängert. Ich stand bei 23“, als Sportdirektor Ralf Minge eröffnete, dass der neue Trainer andere Pläne hätte. Uwe Neuhaus ließ die Botschaft einfach überbringen . . .

Nun also Alemannia, zum dritten Mal Schwarz-Gelb nach Dortmund und Dresden. „Das sind die schönsten Farben“, sagt David Vrzogic und spricht von dem „Reiz, mit Aachen was zu erreichen. Ich denke, dass wir gut aufgestellt sind. Intern passt alles, das wollen wir in den Alltag mitnehmen und hoffen, dass in einer langen Saison alle gesund bleiben.“ Und wenn der jüngste Zugang angekommen ist, will auch Gattin Helen wieder in den Beruf einsteigen. Als Immobilen-Maklerin, die in der Serie eines Privatsenders dann Wohnungen und Häuser aus Aachen und Umgebung vermittelt.

Mögliche Aufstellung: Löhe - Ernst, Hackenberg, Löhden, Vrzogic - Müller, Demai, Propheter, Rüter - Graudenz, Dowidat

Schiedsrichter: Dominik Jolk (Bergisch Gladbach)

Bilanz: 4 Spiele, 1 Sieg/1 Remis/2 Niederlagen/3:8 Tore