Vorbericht zum Spiel Alemannia Aachen gegen SV Lippstadt

Alemannia Aachen empfängt Lippstadt : Die Umstellung beschert Steven Rakk einen Neustart

Alemannia Aachen empfängt am Samstag den SV Lippstadt. Gegen das Überraschungsteam der Vorsaison und den Fehlstarter dieser Spielzeit soll die positive Entwicklung der vergangenen Wochen fortgeführt werden. Steven Rakk, der zum effektiven Sechser umgeschult wurde, dürfte wieder in der Startelf stehen. Unser Vorbericht.

Als Experte für Last-Minute-Treffer galt Steven Rakk in seiner noch jungen Karriere bislang nicht. Im Gegenteil. „Für Tore war ich eigentlich nie zuständig“, sagt der 21-Jährige und lacht. Die Statistik belegt das ziemlich eindrucksvoll: Bis vor ein paar Wochen hatte der gebürtige Hesse in 66 Regionalliga-Spielen lediglich einen Torerfolg vorzuweisen, bei der 1:2-Niederlage des KSV Hessen Kassel beim 1. FC Saabrücken hatte Rakk im Mai 2017 den Anschlusstreffer markiert.

Mehr gaben die Zahlen nicht her – bis zur Partie von Alemannia Aachen gegen Aufsteiger TuS Haltern am 5. Spieltag der laufenden Saison: Rakk wurde nach 65 Minuten eingewechselt und traf kurz vor Schluss zum 3:0-Endstand. Sein nächstes Tor war sogar noch wertvoller, es war der 3:2-Siegtreffer gegen Tabellenführer SV Rödinghausen; er fiel in der Nachspielzeit. „Ich stand zwei Mal goldrichtig“, gibt sich Rakk bescheiden.

Fuat Kilic sieht das ein wenig differenzierter, Alemannias Trainer sagt: „Steven hat eine gute Effektivität. Er kann Tore vorbereiten und verfügt über einen ordentlichen Abschluss.“ Kilic bescheinigt seinem Schützling zudem eine hohe Spielintelligenz und eine gute Handlungsschnelligkeit, was auch am Samstag dazu führen dürfte, dass Rakk im Heimspiel gegen den SV Lippstadt das Mandat für die Startelf erhält (14 Uhr).

Dass es überhaupt so weit gekommen ist, hat viel mit einer Umstellung zu tun. Ursprünglich war Rakk im Sommer 2018 als Verteidiger an den Tivoli gelotst worden. Nach einem durchwachsenen ersten Halbjahr in Aachen entschied Kilic, den Balljäger auf der Sechs zu testen. Und der Dienst im Zentrum lag Rakk deutlich mehr, als der Job in der Viererkette. „Ich fühle mich auf dieser Position viel wohler“, sagt der 21-Jährige. „Und ich habe jetzt viel mehr Selbstvertrauen.“ So gesehen bescherte ihm die Metamorphose vom Abwehr- zum Mittelfeldspieler einen Neuanfang in Aachen.

Steven Rakk „Wir wollen uns nicht unter Druck setzen lassen.“

Vergangene Saison war Rakk noch der Herausforderer von „Platzhirsch“ David Pütz. In diesem Jahr haben sich die Kräfteverhältnisse ein wenig verschoben, ein offener Kampf um den Platz auf der Sechs ist entstanden, was sich auch an den Einsatzzeiten von Rakk und Pütz widerspiegelt. Der neu entfachte Konkurrenzkampf wirkt sich aber nicht negativ auf das Binnenklima aus, „David und ich – wir verstehen uns super“, sagt Rakk.

Gegen Lippstadt soll die positive Entwicklung der vergangenen Wochen fortgeführt werden – nicht nur die von Rakk, sondern des gesamten Teams, sagt der Trainer. „Wenn wir wieder so auftreten wie zuletzt, dann bin ich zuversichtlich, dass wir ein gutes Spiel abliefern“, erklärt Kilic. Der Gegner – das Überraschungsteam der Vorsaison – hat in diesem Jahr einen Fehlstart hingelegt, der Sportverein steht mit acht Punkten auf einem Abstiegsplatz und hat die zweitmeisten Gegentreffer kassiert.

„Gestern ist uninteressant“

„Im eigenen Ballbesitz tritt Lippstadt sehr selbstbewusst auf. Wir dürfen nicht die Geduld verlieren und müssen den Gegner beschäftigen“, fordert Kilic, der am Samstag einen ehemaligen Schützling wiedersieht: Sergio Gucciardo. Der 20-jährige Mittelfeldspieler, dessen Vertrag vor ein paar Wochen am Tivoli aufgelöst wurde, betrieb bei seinem neuen Arbeitgeber Werbung in eigener Sache und traf gleich in seinem zweiten Spiel.

Der Ärger über das späte Gegentor gegen RW Oberhausen (1:1) und den letzten abgepfiffenen Angriff ist mittlerweile verraucht – auch bei Rakk, dessen Arbeitstag da bereits beendet war. „Das war sehr ärgerlich – aber wir haben es abgehakt“, sagt der 21-Jährige, der am Samstag aufgrund seiner Auswechslung nicht die Chance zu einem Last-Minute-Treffer erhielt. Vielleicht aber ja am Samstag im Spiel gegen den SV Lippstadt.

Mehr von Aachener Zeitung