Vorbericht zum Spiel Alemannia Aachen - FC Schalke 04 II

Alemannias Schlussmann : Der Torwart, das Internet und die unterschiedlichen „Fakten“

Gerade hat Ricco Cymer sein bislang bestes Spiel für Alemannia hinter sich. Genutzt haben seine Torwart-Paraden am Ende nichts, seine Mannschaft verlor sang- und klanglos in Bonn. Der 24-Jährige wächst gerade in eine neue Rolle hinein, denn in den letzten Jahren war er immer der Herausforderer für die Nummer 1 im Tor.

Ein paar Basis-Informationen über Ricco Cymer lassen sich natürlich im Internet recherchieren. Laut Deutscher Fußball Bund, der ja der allwissende Dachverband für Fußballer ist, handelt es sich bei Cymer um einen etwa 24-jährigen Torwart, der 176 Zentimeter groß und exakt 62 Kilogramm schwer ist. Das Portal „Weltfußball.de“ hat andere Erkenntnisse nicht nur bezüglich des Alters. Danach ist Cymer ein Schlussmann, der seine schlanken 62 Kilogramm auf 186 Zentimetern verteilt. Über Ricco Cymer jedenfalls herrscht keine große Einigkeit im Netz, das lässt sich uneingeschränkt feststellen. Alemannias Keeper selbst hat in seinem Spielerpass die Größe von 186 Zentimetern und ein Gewicht von 86 Kilogramm stehen - eine angemessene Erscheinung für einen Torwart.

Cymer sagt, dass er sich mit solchen digitalen Feststellungen im Netz noch nicht beschäftigt habe. Und das gilt ausdrücklich auch für die einschlägigen Formen, wo sein Handeln und Schaffen zuweilen von einigen Fans gesehen wird. „Ich finde es jedenfalls sehr schade, dass ihm bei Toren die Schuld zugewiesen wird, an denen er unschuldig ist“, sagt Fuat Kilic. Aachens Trainer macht dann auch deutlich, wer für ihn die einzige Instanz für eine Leistungsbewertung ist. „Ich vertraue komplett unserem Torwarttrainer Hans Spillmann, der eine riesige Erfahrung besitzt.“

Vor der Saison haben Kilic und Spillmann jedenfalls unisono entschieden, dass Cymer den ersten Wettkampf in dieser Regionalliga-Saison gewonnen hat. Der 24-Jährige lieferte sich ein Duell mit Nikolai Rehnen. Für Rehnen sprach eine stabile Saison in der 3. Liga bei Fortuna Köln. Gegen Rehnen sprach aus Sicht der Trainer, dass ihm der Abstieg und die Pokalniederlage noch in den Kleidern - ergo im Torwarttrikot - steckte, als er am Tivoli anheuerte.

Der Mann mit der Startnummer 1 ist auch zur Nummer 1 gekürt worden. Für Cymer ist das eine neue Situation, in den Jahren zuvor beim 1. FC Saarbrücken war er immer der Herausforderer, der am Stammtorwart trotz aller Bemühungen nicht vorbeikam. „Das Vertrauen will ich nun zurückzahlen“, sagt er. Der Konkurrenzkampf mit Rehnen ist nach dessen Verletzung erst einmal vorbei, nun kratzt André Krul an seinem Stammplatz.

Das erste Zwischenzeugnis fällt zuversichtlich aus. Kilic mag die Ruhe, die Cymer ausstrahlt. Ein Kritikpunkt ist die Spielfortsetzung. Zu oft hält Cymer aus Trainersicht noch das Spiel an. Der Neuzugang, der bei 1899 Hoffenheim ausgebildet und Deutscher A-Jugenmeister wurde, muss am Tivoli umlernen. Jeder Torwarttrainer hat eine andere Philosophie. Aachens Trainer wollen sehen, dass ihr Torwart frei vor ihm auftauchende Schützen stresst, ihnen offensiv entgegeneilt, den Schusswinkel verschlechtert, möglichst lange stehen bleibt. Solche Dinge. Cymer drückt wieder die Schulbank. Am Sonntag war der erste Lernerfolg zu besichtigen. Es war Cymers bislang bestes Spiel im neuen Trikot, die 1:1-Situationen bestand er herausragend.

Cymer wird natürlich auch am Samstagmittag, 14 Uhr, gegen Schalke II wieder im Tor stehen. Wer seine Gegenspieler sein werden, lässt sich bei der Zweitbesetzung des Bundesligisten kaum vorhersagen. Zuletzt liefen die bundesligaerprobten Steven Skrzybski und Fabian Reese beim Nachwuchsteam auf.

Für Alemannia geht es darum, die gute Heimbilanz auszubauen, sagt Kilic. Die großen Ziele hat die Mannschaft vorerst bei seite gelegt. „Wir backen erst einmal kleine Brötchen“, sagt Kilic, „man hat gesehen, dass wir aktuell noch kein Spitzenteam in dieser Liga sind.“