Aachen: Verschobene Verhandlung: Kein Ende in Sicht im Fall Kraemer

Aachen: Verschobene Verhandlung: Kein Ende in Sicht im Fall Kraemer

Die Verhandlung wurde kurzfristig wieder verschoben. Der Arbeitsgerichts-Prozess, den Frithjof Kraemer vor der Kammer für Handelssachen schon vor anderthalb Jahren angestrengt hat, wurde letzten Freitag zum vierten Mal vertagt, diesmal auf Ende Januar.

Der ehemalige Alemannia-Geschäftsführer will am Aachener Landgericht Lohn- und Prämienzahlungen von 250.000 Euro erstreiten, im Gegenzug hat der Klub den Schaden, den Kraemer verursacht haben soll, auf satte 20 Millionen Euro taxiert. Hintergrund der permanenten Terminverschiebungen: Die beiden Parteien streben eine außergerichtliche Einigung an, vermutlich soll die obligatorische Haftpflichtversicherung des Kaufmanns einspringen, deren Deckungssumme allerdings ungleich niedriger ist. Zu Beginn des Prozesses klang das noch unerbittlicher. „Sie haben den Verein vor die Wand gefahren. Entweder waren Sie unfähig oder unredlich. Sie müssen sich schämen“, hatte Alemannias Anwalt Johannes Delheid Kraemer zu Beginn des Verfahrens öffentlich abgewatscht.

Ermittlungen in Köln

Parallel kümmert sich auch die Staatsanwaltschaft seit anderthalb Jahren um die Vorgänge rund um den Tivoli. Unter dem Aktenzeichen AZ 115 JS 191/12 wird ermittelt wegen des Verdachts der „Insolvenzverschleppung, des Betrugs und der Untreue“. Alemannias Insolvenzverwalter hat in seinem Gutachten ausgemacht, dass der Verein schon Anfang März 2012 zahlungsunfähig gewesen sein soll. Tatsächlich wurde die Insolvenz erst Ende jenen Jahres angemeldet. Die Stadt Aachen, die dem Verein noch im Sommer 2012 bei der Umfinanzierung der horrenden Stadionkredite half, hatte Anzeige gegen „den ehemaligen Geschäftsführer Frithjof Kraemer und andere“ gestellt. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Kraemer, und naturgemäß tauchen auch die ehemaligen Geschäftsführer Uwe Scherr und Erik Meijer als Beschuldigte auf. Anfang nächsten Jahres will der zuständige Staatsanwalt Dr. René Seppi entscheiden, ob und wie das Verfahren weitergeht.

Befragung in Aachen

Seit Wochen werden damalige Alemannia-Funktionäre von Kripo-Beamten in Aachen befragt. Und einige wenige Vorgeladene brachten einen eigenen Anwalt mit. Dabei machten nach Informationen unserer Zeitung einige Weggefährten aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Kraemer wird dort als „hochinkompetent“ beschrieben.

Bei den Vernehmungen wird teilweise der Aufsichtsrat als eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ beschrieben: hier die Räte Horst Rambau/Michael Nobis, dort die Räte Meyno Heyen/Christoph Terbrack/Helmut Kutsch.

Eine Kontrolle sei schon deswegen schwierig gewesen, weil die Informationen unvollständig und immer gefiltert von Heyen vorgetragen worden seien. Weggefährten haben bei den Befragungen von einem „Vater-Sohn-Verhältnis“ zwischen Heyen und Kramer gesprochen, ist aus Justizkreisen zu erfahren. Der ehemalige Präsident habe dabei eher die Interessen der Geschäftsführung und weniger die des Vereins vertreten, ist zu lesen. So sei der Tagesordnungspunkt „Abberufung des Geschäftsführers“ immer wieder von Heyen verschoben worden.

Die Räte hätten keinen Einblick in die Buchführung bekommen, ein funktionierendes Forderungs- und Kostenmanagement habe nicht existiert. Den eingeforderten Überblick über die Gläubiger- und Forderungsliste habe es nicht gegeben. So sei es nahezu unmöglich gewesen, über Jahresabschlüsse zu urteilen, die man nicht im Detail kannte, berichtete ein Ex-Funktionär.

Kraemer wird durch einige Aussagen intensiv belastet. Erst nach seinem Rauswurf sei bekanntgeworden, dass der Geschäftsführer Rechnungen in Millionenhöhe zurückgehalten habe. Insofern habe Kraemer alle getäuscht, stellt einer der Befragten fest.

Intern sei die Lage von Kraemer niemals dramatisch dargestellt worden. Eine drohende Zahlungsunfähigkeit wurde nie besprochen, wird übereinstimmend berichtet. Tenor: Es sei eng, aber machbar. Mit den Lieferanten/Gläubigern seien Zahlungspläne ausgehandelt worden. Auch die hätten die Kontrolleure nicht zu sehen bekommen. Mindestens an Teilen des Aufsichtsrats vorbei sei ein Darlehen über 350.000 Euro mit einem Geschäftsmann aus Übach-Palenberg ausgehandelt worden.

Die Planung nach dem Abstieg in die 3. Liga sei mehr Wunschdenken Kraemers statt harte Realität gewesen, steht in den Protokollen. 500.000 Euro für einen Hauptsponsor waren ein rein theoretischer Ansatz, der nie eingelöst wurde. Eines von vielen Luftschlössern rund um den Tivoli.