Verl: Verl ein schlechter Verlierer bei Alemannias 2:0

Verl: Verl ein schlechter Verlierer bei Alemannias 2:0

Niko Opper zählt nicht zur Spezies der Torjäger. Seinen letzten Treffer hatte er in der vergangenen Saison noch für den Drittligisten Babelsberg gegen Erfurt erzielt, als er aus 30 Metern einfach mal draufgehalten hatte. Am Samstagnachmittag, nun im Trikot von Alemannia Aachen, nutzte Opper eine „Murmel-Variante“.

Der eher defensiv orientierte Mann mit der Nummer 29 stocherte den Ball nach einer Ecke über die Linie (70. Minute) und leitete damit den 2:0-Erfolg des Regionalligisten beim SC Verl ein. Der eingewechselte Sasa Strujic schloss nach einem Konter und Querpass des ebenfalls eingewechselten Mazan Moslehe zum Endstand ab (90.+1). „Ein eminent wichtiger Dreier“, sagte Chefcoach Peter Schubert, dessen Mannschaft Gefallen an Auswärtsspielen findet: zehn Punkte aus den letzten fünf Spielen. Nach der Enttäuschung gegen Fortuna Köln vergrößerte Alemannia die Distanz zum ersten Abstiegsplatz auf sechs Punkte.

Torschütze Niko Opper stellt sich nach dem Spiel in Verl den Fragen der Journalisten. Foto: Jerome Gras

Am verdienten Erfolg vor 865 Zuschauern im Stadion an der Poststraße gab es nichts zu rütteln. „Wir haben das schon in der ersten Halbzeit ganz gut von hinten rausgespielt, hätten aber mehr Chancen produzieren müssen“, sagte Niko Opper, der wegen des schnellen Debüts von Zugang Marcus Hoffmann in der Innenverteidigung auf die Doppelsechs neben Marco Neppe vorgezogen wurde. Florian Abel als „Zehner“ und Nazim Sangaré bildeten das neue Angriffsduo, entwickelten aber zunächst kaum Gefahr. Schuberts Ansage nach torloser erster Halbzeit: „Bleibt ruhig und geduldig, die Chancen werden kommen.“ So sollte es sein.

Marvin Ajani bei einem Einwurf am Samstag beim Spiel in Verl. Foto: Jerome Gras

Zum großen Thema wurden allerdings die Platzverweise für Verls Torjäger Simon Engelmann (67./Rot), der sich zu einem Revanchefoul gegen Rafael Garcia hinreißen ließ, und Jannik Schröder (76./Gelb-Rot) wegen wiederholten Foulspiels. Nachdem SC-Trainer Andreas Golombek schon mit der Einschätzung überrascht hatte, sein Team wäre in der ersten Halbzeit „die bessere Mannschaft gewesen“ und habe „das Spiel bestimmt“, zog der Ex-Profi gegen Schiedsrichter Benjamin Schäfer (Herten) und seine Assistenten vom Leder. „Das hat nichts mit Alemannia Aachen zu tun, ich will deren Erfolg nicht schmälern. Aber das Schiedsrichter-Gespann hat das Spiel gewonnen. Es ist einfach so: Wenn du ein Traditionsverein bist, hast du einen Bonus.“ Verl müsse wohl „erst international spielen“, um bei den Unparteiischen einen besseren Stand zu haben.

Da stieg selbst der zur Zurückhaltung neigende Peter Schubert aus dem Sattel, nahm sich den Kollegen nach dem offiziellen Teil der Pressekonferenz zur Brust und verwahrte sich speziell gegen den Vorwurf, Garcia habe die Rote Karte für Engelmann ja auch geschickt provoziert. Neben der Niederlage brachte der Nachmittag den Gastgebern noch ein paar Zusatzeinträge in den Spielbericht ein: Gelb-Rot-Sünder Schröder soll Schiedsrichter-Assistent Stefan Tendyck zugerufen haben, man sei schön verpfiffen worden, das Wort Dreckskopp soll gefallen sein. Tendyck wurde zudem von den Rängen mit Bechern beworfen, auch Münzen flogen.

Peter Schubert mochte all das kaum fassen. Und hatte schnell wieder den Blick fürs Wesentliche: „Nächsten Samstag, gegen Lippstadt. Da wollen wir versuchen, weitere Punkte draufzupacken.“ Endlich mal wieder auch zu Hause.

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