Lotte: Verdienter Punkt bei Lotter „Maulwürfen“

Lotte : Verdienter Punkt bei Lotter „Maulwürfen“

Noch vor 18 Monaten hätte es die Vorstellungskraft der Reisegruppe Alemannia überfordert, dass die längste Fahrt zu einem Auswärtsspiel mal nach Lotte führen würde. Das klingt beschaulich und unaufgeregt, ist es aber zumindest bei den ortsansässigen Sportfreunden nicht.

Der Fußballklub, der vergangenen Sommer in der Relegation gegen RB Leipzig den Aufstieg in die 3. Liga verpasst hatte, trennte sich Anfang des Jahres von seinem Trainer Ramazan Yildirim — weil das Saisonziel, erneut wenigstens Meister der Regionalliga West zu werden, gefährdet schien.

Bevor nun am Dienstag Alemannia den Nordzipfel von Nordrhein-Westfalen besuchte, hatte sich der Druck unter dem neuen, aus Siegen geholten Coach Michael Boris erhöht bei acht Punkten Rückstand auf Fortuna Köln. Boris vermutete zudem, dass Aachen (zehn Punkte aus vier Spielen ohne Niederlage) „mit breiter Brust“ aufkreuzen würde. So sollte es kommen: Alemannia holte beim 1:1 einen verdienten Punkt und blieb zum fünften Mal in Folge auswärts ungeschlagen.

Neppe für Opper in der Startelf

Gegen das Team mit der besten Defensive der Liga um Ex-Alemannia-Kapitän Sascha Herröder veränderte Peter Schubert die Startelf auf einer Position. Für Niko Opper rückte nach dem 3:0 gegen Rot-Weiß Essen Marco Neppe in die Doppelsechs neben Michael Lejan. Schnell wurde klar, dass Aachen sich nicht nur mit aggressiv forecheckenden Gastgebern auseinandersetzen musste. Es schien, als hätten sich sämtliche Maulwürfe des Tecklenburger Lands für diesen Abend unter dem Platz am Autobahnkreuz verabredet: Kontrolliertes Passspiel selbst über wenige Meter war auf dem holprigen Geläuf unmöglich. Als Torhüter Frederic Löhe der Ball nach sechs Minuten über den Spann sprang, galt das als ultimative Warnung, die ankam.

Alemannia machte das Beste aus den Umständen gegen aktionistische Sportfreunde, zog den kompromisslosen „langen Ball“ der spielerischen Lösung vor. Und verbuchte den ersten Schuss aufs Tor, Domagoj Duspara (9.) verzog. Sechs Minuten später legte sich Dennis Dowidat den Ball für seinen linken Fuß zum Freistoß zurecht, eine Disziplin, in der Aachen deutlich zugelegt hat. Resultat: Marcus Hoffmann rauschte wie im Training heran und bugsierte den Ball mit dem Kopf zur Führung ins Netz. Die Sportfreunde quittierten darüber hinaus die Auswechslung von Montabell, der nach gescheitertem Rettungsversuch mit vier Stichen genäht werden musste.

300 Alemannia-Fans

Aachen hielt die Ordnung und wartete geduldig auf seine Chance. Nach rund einer halben Stunde verpassten in Sekunden Sascha Marquet, Neppe und Jannik Stevens den zweiten Wirkungstreffer. Die meiste Gefahr bei Lotte ging noch von Linksverteidiger Hansmann aus, der zwei Mal scheiterte und dann auflegte. Der Ausgleich in der Nachspielzeit der ersten Hälfte — eine Kopie von Alemannias 1:0: Freistoß von der rechten Flanke, Kopfball Gerrit Nauber, drin das Ding.

Vor gerade mal 1004 Zuschauern, davon rund 300 Alemannia-Fans, mochten sich die Schwarz-Gelben nicht mit dem Unentschieden arrangieren. Sie packten weiter in den Zweikämpfen zu, standen etwas höher und vergaben eine kapitale Chance zur erneuten Führung, als Dowidat plötzlich frei vor Fernandez stand und vorbeischoss (59.).

Wenig später touchierte Rafael Garcia den Ball am Pfosten vorbei; Dowidat versuchte es mit einem 30-Meter-Schuss.

Löhe pariert glänzend

Es verfestigte sich das Gefühl, dass der nächste Platz-, Verteidigungsfehler oder Standard dieses Spiel entscheiden würde. Löhe parierte glänzend einen Freistoß von Shapourzadeh (71.), Lotte erhöhte in der Schlussphase den Druck — ohne Erfolg.