Aachen: Tihange-Spiel: Marke von 20.000 im Visier

Aachen: Tihange-Spiel: Marke von 20.000 im Visier

Am Abend sprang der Ticketzähler auf 18.512 verkaufte Karten um. Die Nachfrage von Schulen, Firmen, Institutionen und Privatpersonen zieht an, die nächste Marke wird vermutlich in den nächsten Stunden übersprungen. Die Region meldet sich deutlich zu Wort: „Stop Tihange!“ lautet die kollektive Forderung, die an diesem Samstagnachmittag verbreitet wird.

Und weil so viele Menschen am Tivoli zusammenkommen, findet ab 14 Uhr dort auch noch die Regionalliga-Partie zwischen Alemannia und der Zweitvertretung des 1. FC Köln statt. Alemannia hat sich das Thema zu eigen gemacht, „es gibt hier nichts Wichtigeres“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Steinborn. „Wir möchten unserer sozialen Verantwortung als größter Verein in der Region gerecht werden“, sagt Aufsichtsrat Oliver Laven, der mit Steinborn die Idee für das Benefizspiel hatte. „Wir werden ein wichtiges Zeichen an diesem Tag setzen.“

Nicht zum ersten Mal meldet sich ein Team aus der Region mit einem politischen Statement zu Wort, was der Weltfußballverband eigentlich im Kern untersagt. Auch damals ging es um Atomkraft, der Tenor der Veranstaltung war allerdings ein völlig anderer. Der SV 09 Baesweiler trug eine ganze Saison lang die Botschaft eines Sponsors durch die Region. Schon damals war es ein Politikum.

Bei der Heimpremiere am 11. August 1979 gegen Rhenania Richterich machten sich die Gastgeber auf ihren Trikots für „Atomstrom, ja danke“ stark. Der Slogan war eine Anspielung auf die Ablehnung, die damals schon grassierte. Auch am Spieltag war die Begeisterung für den neuen Sponsor und sein Geschäftsmodell damals nicht flächendeckend.

Vor Beginn des Spiels in der Oberliga Nordrhein verteilten Kernkraft-Gegner ein paar Handzettel am Sportpark. „Die Baesweiler Atombolzer“ stand da drauf, auf einem Spruchband war zu lesen: „SV 09 ja, Kernenergie nein“. Die Gegner des nuklearen Stroms bekamen damals die Empfehlung: „Euch sollte man mal für ein paar Tage den Strom sperren“ — so steht es in alten Presseartikeln. WDR, ZDF und Tagesschau berichteten von dem Spiel, die Aufregung war groß.

Auch diesmal ist das überregionale Interesse durchaus ausgeprägt. Als Gegner wurde bewusst der 1. FC Köln gewählt, weil auch die benachbarte Metropole von einem drohenden Fallout betroffen wäre, so befürchten es die Studien. Karten zum Einheitspreis von fünf Euro gibt es im Fanshop, bei den Vorverkaufsstellen des Zeitungsverlags und bis Samstag, 8 Uhr, unter www.alemannia-tickets.de.

(pa)