Aachen: Spieler wollen Benbennek und Klitzpera nicht mehr

Aachen: Spieler wollen Benbennek und Klitzpera nicht mehr

Es war einer der letzten Sätze von Christian Benbennek, es war eine Art Rückzugserklärung. „Am Ende geht es um Alemannia, der Verein hat maximalen Erfolg verdient.“ Nach dem 0:0 gegen Lotte gab Alemannias Trainer bekannt, was die Mannschaft schon vor dem Spiel erfahren hatte.

Nach wenigen Monaten endet die Zusammenarbeit, Alemannia und sein Cheftrainer haben sich auf einen Aufhebungsvertrag verständigt. Sichtlich ergriffen bedankte sich der 43-Jährige bei seinen Mitarbeitern, bei allen Angestellten und den Fans. Die Mannschaft blieb bei der kleinen Dankesrede außen vor. Eine Verabschiedung fand nicht mehr statt.

Sie hatte sich nach Informationen unserer Zeitung im Laufe der Woche vehement gegen den Trainer ausgesprochen. „Spielt für den Verein. Ich will euch nicht im Wege stehen“, hatte der Trainer den Profis in der Kabine bei seiner letzten Ansprache mit auf den Weg gegeben. Das arg dezimierte Team reagierte, wehrte sich bis zur letzten Sekunde mit großer Vehemenz und Intensität. Nach der teilnahmslosen Darbietung vor einer Woche in Köln bekam dieser Energieschub durchaus einen faden Beigeschmack. „Wenn wir diese Leidenschaft in Köln gezeigt hätten, hätten wir nicht 0:6 verloren“, stellte auch Alexander Klitzpera am Ende des Nachmittags fest.

Entscheidung ein Tag zuvor

Noch am Anfang der Woche hatte der Sportdirektor vermutet, dass das Binnenklima zu reparieren sei. Er wurde durch die Spielergespräche belehrt. Die Entscheidung wurde am Tag vor dem Spiel getroffen. In der Loge des Vorstands stellte der Mannschaftsrat wie erbeten seine Sicht der Dinge dar. Die Delegation hatte klare Vorstellungen. Eine weitere Zusammenarbeit sei weder mit Benbennek, seinem Co-Trainer Uwe Fecht noch mit Sportdirektor Klitzpera möglich.

Ihrem Ex-Trainer hält die Gruppe zuweilen überzogene Reaktionen vor, einzelne Spieler seien unter Druck gesetzt oder bloßgestellt worden. Und weil unterwegs viele Hinweise an Klitzpera und auch an den Aufsichtsrat Thomas Deutz folgenlos verpufft seien, sei das Vertrauen zerstört. Alemannia zog die Notbremse. Aufsichtsratschef Christian Steinborn legte am Sonntag allerdings großen Wert auf die Feststellung, dass die Trennung vom Trainer das Ergebnis der internen Analyse und nicht der Team-Intervention gewesen sei.

Benbennek erklärte sich trotz des feststehenden Abschieds bereit, das Team noch einmal zu coachen. Während der Trainingswoche habe eine Eigendynamik eingesetzt, die „uns zu einem verantwortlichen Handeln gezwungen hat“, teilt er per vorbereiteter, zweiseitiger Presseerklärung mit. „Es war klar, dass wir die Reißleine ziehen müssen, um mögliche Blockaden bei den Spielern zu lösen und ihnen keine weiteren Alibis zu geben.“ Der Schritt sei „ebenso schmerzhaft wie alternativlos“. Der Trainer fuhr kommentarlos in die Heimat. Sein Co-Trainer Uwe Fecht ist vorerst bis Weihnachten freigestellt.

Schon am Sonntag übernahmen Aimen Demai und Sven Schaffrath, Leiter von Alemannias Fußballakademie, für ein paar Tage die Arbeit, um die Mannschaft auf den Kehraus gegen Ahlen vorzubereiten.

Demai war der einzige Spieler, der sich am Samstag stellte. Der verletzte Kapitän bestätigte, dass es in den letzten Tagen sehr viele interne Gespräche gegeben habe. Benbennek sei keineswegs alleine verantwortlich für die verfahrene Situation. „Es ist aber nicht zu übersehen, dass die Mannschaft ein mentales Problem hat.“