Spielbericht: Alemannia Aachen - SG Wattenscheid 09 2:1

„Endlich den Bann gebrochen” : Alemannia beendet eine Pleiten-Serie

Alemannia Aachen hat am Montagabend vor 300 mitgereisten Fans und zahlreichen Fernsehzuschauern mit 2:1 bei Wattenscheid 09 gewonnen – zum ersten Mal unter Trainer Kilic.

Frühe Treffer gaben der jungen Truppe jedoch keine Sicherheit, und so wurde es ein Zittersieg. Der Trainer hofft trotzdem darauf, dass die jüngsten Siege einen Aufschwung geben.Eigentlich könne er ja auch zu Hause bleiben, hatte Alemannia Trainer Fuat Kilic vor dem Anpfiff gewitzelt. Er hätte es sich auf dem heimischen Sofa gemütlich machen können, und die Partie seiner Mannschaft in Wattenscheid am Fernseher verfolgen können. Schließlich hat er gegen den Liga-Rivalen von der Seitenlinie aus noch nie etwas ausrichten können. Wann immer er in den vergangenen dreieinhalb Jahren auf Wattenscheid 09 und deren Trainer Farat Toku getroffen ist, setzte es Niederlagen: sieben Wettkämpfe, sieben Pleiten.

Kilic ist am Montagabend natürlich nicht zu Hause geblieben, sondern mit der Mannschaft ins Lohrheidestadion gefahren. Die trostlose Serie ging an diesem Abend zu Ende. Alemannia siegte 2:1 – und machte sich das Leben schwerer als nötig. Trotzdem zeigte sich der Trainer erleichtert: „Der Sieg war nicht unverdient. Wir haben sehr aufopferungsvoll gegen und mit dem Ball gespielt. Endlich haben wir den Bann gebrochen.”

Aachen gibt die Spielkontrolle ab

Erwartungsgemäß kramte der 46-jährige Kilic wieder die Aufstellung der Vorwoche heraus. Die Aachener ließen keine Zweifel daran  aufkommen, dass sie die grassierende Unruhe beim Insolvenzklub ausnutzen wollten. Der Erfolg stellte sich bei erstbester Gelegenheit nach nicht einmal 200 Sekunden ein: Stipe Batarilo legte auf für Vincent Boesen, und der Mittelstürmer vollendete flach aus 16 Metern zum 0:1 (4.). Mit drei Treffern liegt er in der internen Torschützenwertung nun vorne. Die Aachener bekamen Lust auf mehr, auch der zweite Torschuss landete an der Anzeigentafel. David Pütz schickte Batarilo auf die Reise, und der Angreifer krönte den feinen Konter mit dem 0:2 (10). Wattenscheids Torhüter Baboucarr Gaye leistete ein bisschen Komparsenhilfe.

In der Folge ließ es die Alemannia etwas ruhiger angehen, anstatt die Führung entschlossen auszubauen. Die Räume jedenfalls waren da. Pütz und Batarilo wiederholten den Konter aus der 10. Minute. Diesmal eilte Verteidiger Jeffrey Obst heran. Sein Torwart verhinderte per Fußabwehr, dass die Rettungstat mit einem Eigentor endete (35.).

Die Aachener gaben die Spielkontrolle ab, das rächte sich vorerst nicht. Die Gastgeber meldeten sich hier und da mit einem Fernschuss zu Wort, aber vorerst zischten die am Ziel vorbei. Alemannia ignorierte die Warnung, und so verkürzte Berkant Canbulut mit einem kernigen Schuss aus 24 Metern zum 1:2 (39.) vorbei am regungslosen Aachener Keeper Ricco Cymer. Die Aachener reklamierten ein Foulspiel bei der Entstehung des Treffers. Fruchtbar waren die Proteste bei Schiedsrichter Bastian Börner nicht.

Die Gastgeber waren plötzlich wieder im Spiel, dank der Lethargie der Gäste. Schon vor dem Wechsel verfehlten weitere Fernschüsse von Tolga Cokkosan (42.) und Emre Yesilova (43.) das Tor eher knapp.

Die Mannschaft reagierte trotzig auf die jüngsten Ereignisse. Der Klub ist der nächste Insolvenzklub in der 4. Liga. Auch wenn ein zu Recht unbekannter Barde vor dem Anpfiff ausdauernd verkündete: „Wattenscheid 09 wird niemals untergehen“, droht genau das. Dem ehemaligen Bundesligisten könnten am Saisonende neun Punkte abgezogen werden, inklusive Zwangsversetzung in die 5. Liga. Viele Fans reagierten auf die schlechten Nachrichten resignativ und blieben lieber zu Hause. Die Kulisse jedenfalls war auch für den ungeliebten Montagstermin trostlos.

887 Zuschauer beobachteten nun ein offenes Spiel. Die Mannschaften beäugten sich, der Ball hielt sich meistens im Mittelfeld auf. Als Emre Yesilova doch einmal im Strafraum auftauchte, fiel der Ex-Aachener mit einer peinlichen Schwalbe auf (57.). Chance waren eine Rarität in dieser Phase.

Kilic wechselte mit Steven Rakk und Kai Bösing neue Ordnungskräfte ein. Auf der Aachener Ersatzbank fand sich kein ausgebildeter Angreifer mehr, schon am 8. Spieltag pfeift es zugig durch den Kader. Im Ressort Attacke fehlen dem Trainer die Alternativen. Blieben noch die Standards: Rakk und Kapitän Heinze scheiterten nur knapp nach guten Vorlagen von Sebastian Schmitt (80.).

Die Mannschaft rettete den ersten Auswärtssieg der Saison dann doch ins Ziel. Und nebenbei beendete sie den Wattenscheid-Fluch. Torschütze Batarilo machte das auch an der Einstellung fest. „Heute haben wir wieder 110 Prozent gegeben. Wir haben mit viel Ehrgeiz bis zur 95. Minute dagegengehalten. Unser Selbstbewusstsein wächst gerade”, verbreitete der 25-Jährige Aufbruchsstimmung.

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