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Aachen: Samstag, 17.15 Uhr: Nur „Wölfe” sollen heulen

Aachen : Samstag, 17.15 Uhr: Nur „Wölfe” sollen heulen

Der Fan steckt im Dilemma zwischen Fußballherz und Fußballverstand, zwischen Gefühl und Vernunft: Eigentlich spricht wenig für den Klassenerhalt der Alemannia - rational betrachtet.

Dabei ist doch klar, dass das Ding am Samstag gegen die „Wölfe” aus der VW-Stadt noch gedreht wird - sagt das schwarz-gelbe Ego. Rituale werden zelebriert, der Aberglaube feiert Hochkonjunktur. Alemannia-Trainer Michael Frontzeck ist felsenfest überzeugt: „Die Zuschauer werden wie eine Wand hinter uns stehen. Das weiß ich!”

Gerade so als sei die Zuschauerreaktion unabhängig vom Geschehen auf dem grünen Rasen. Aber wer wollte nicht, dass Frontzeck Recht behält. Und überhaupt: Stadionsprecher Robert Moonen hat sich am Freitag bereits festgelegt, welches Musikstück nach dem Abpfiff gespielt werden soll: „beautiful day”. Weil die Alemannia und ihre Fans eine tolle Saison erlebt hätten. Und die „Stimme des Westens” ist zuversichtlich, ja sogar sicher, dass heute alles gut wird. Auch wenn etwas Wehmut aufkommt, weil längst alles hätte entschieden sein können. „Aber Frust hat bei mir keine Chance.”

Genauso wenig wie bei Vize-Präsident Dr. Karl-Theo Strepp. Der lässt da keine Diskussion zu. Obwohl er von einem „leichten Frankfurt-Schock” spricht. In der Woche sei klar geworden, dass das Team wolle, die Karten seien neu gemischt. Und so ist Strepp optimistisch, dass heute ein „Befreiungsschlag” gelingt.

Bei aller Konzentration auf die Aufgabe ist der Mannschaft zu wünschen, dass die Ruhe aus dem Umfeld auf sie überspringt. Denn auch bei der Interessengemeinschaft der Alemannia-Fans und Fan-Clubs ist während der jüngsten Sitzung die Devise ausgegeben worden: „Et könt wie et könt”. IG-Sprecher Dirk Heinhuis bezeichnet sich selbst jedenfalls als „total relaxed”.

Die Fans nähmen die Situation wie sie komme, er erinnert aber gerne an jenes legendäre Saisonfinale 1998/99, als die Frankfurter Eintracht in letzter Minute den Kopf aus der Zweitligaschlinge zurückzog. Das Potenzial sei jedenfalls da. „Und wenn wir alle zusammen die Kräfte bündeln - auch die Fans -, dann kann Wolfsburg geschlagen werden.”

Genau, einmal noch ohne wenn und aber anfeuern - auch oder gerade wenn die Mannschaft in ein Loch fallen sollte. Auf die phonstarke Unterstützung von Ausnahme-Fan Ralf Gellings kann sie jedenfalls zählen. „Ausnahme”, weil er der Erbauer des originalgetreuen Tivoli-Modells „Mini-Tivoli” ist. „Die Bundesliga war von Anfang an ein Abenteuer. Aber der Verein hat inzwischen ein enorm großes Potenzial, von dem er selbst im Abstiegsfall nicht mehr runter kommt. Wir können das Saisonfinale gewiss erhobenen Hauptes bestreiten.”

Und es gibt noch einen personifizierten Grund für die Kicker, das Letzte aus sich herauszuholen. Der trägt den Namen Jupp Vanhouttem. Der Masseur wird am Samstag verabschiedet. Und eines hat das Urgestein mit den „Heilenden Händen” verdient: heulende „Wölfe”.