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Hamburg/Aachen: Neuanfang ohne Frontzeck: Schmadtke vor schwerer Aufgabe

Hamburg/Aachen : Neuanfang ohne Frontzeck: Schmadtke vor schwerer Aufgabe

Die „Ehe” zwischen Michael Frontzeck und Alemannia Aachen hielt nur 249 Tage. Die Mannschaft abgestiegen, der Trainer frustriert, traurig und im Aufsichtsrat ohne Lobby - zermürbt zog der 43-Jährige seine persönlichen Konsequenzen und erklärte nach dem 0:4 zum Saisonfinale beim Hamburger SV seinen Rücktritt.

„Das war heute mein letztes Spiel für Alemannia Aachen. Wir sind in den vergangenen Wochen an unsere Grenzen gekommen, und ich trage die Verantwortung dafür”, begründete der ehemalige Nationalspieler seinen Entschluss.

Aachens Vereinpräsident Horst Heinrichs hatte mit dieser Reaktion nicht gerechnet. „Ich hatte erwartet, dass er zumindest den Versuch unternimmt, weiter mit der Mannschaft zu arbeiten”, sagte Heinrichs der Deutschen Presse-Agentur dpa am Sonntag. „Traurig” sei er, räumte der Clubchef ein, „weil ich den Mensch Michael Frontzeck sehr schätze”. Auch Aachens Geschäftsführer Frithjof Kraemer entwickelte negative Empfindungen: „Menschlich bedauere ich seine Entscheidung.” Aus sportlicher Sicht sei es ein konsequenter Schritt Frontzecks, weil das Saisonziel Klassenverbleib nicht erreicht worden sei.

Jetzt ist Eile geboten. „Es muss schnell passieren”, übertrug Heinrichs Sportdirektor Jörg Schmadtke die Aufgabe, möglichst zügig einen Frontzeck-Nachfolger am Tivoli zu präsentieren. Dass Schmadtke ebenfalls vor dem Absprung stehe, bezeichnete Kraemer als „Phantom- Diskussion”. Geschäftsführer und Sportdirektor wollten analysieren und diskutieren, ehe sich der von Frontzeck in Hamburg harsch kritisierte Aufsichtsrat (Frontzeck: „ „Einige Leute haben der sportlichen Leitung Knüppel zwischen die Beine geworfen. Das macht mich krank.” ) an diesem Montag zu einer Sitzung trifft.

Laurentiu Reghecampf, einer der wenigen Leitspieler der auseinander gefallenen Mannschaft, forderte schon in der vergangenen Woche „sehr schnell” Klarheit über die Zukunft. Dass der 37 Jahre alte Co-Trainer Erik Meijer, einer der Aufstiegs- „Helden” 2006, Chefcoach werden könnte, ließ Heinrichs am Sonntag unkommentiert.

Klar ist, dass der unter Frontzeck in Ungnade gefallene Nationalspieler Jan Schlaudraff (zu Bayern München) und der ebenfalls im Unfrieden scheidende Sascha Dum (zurück zu Bayer Leverkusen) den Tivoli verlassen. Moses Sichone erhält keinen neuen Vertrag mehr. Neuzugänge sind bislang Patrick Milchraum (1860 München) und Benjamin Weigelt (FSV Mainz 05).

Die Struktur des Absteiger-Teams, das bei 70 Gegentreffern die mit Abstand schlechteste Defensiv-Abteilung der Bundesliga hatte, soll weitgehend erhalten bleiben. Der Zweitliga-Gesamtetat wird bei etwa 15 Millionen Euro liegen. Ziel ist der sofortige Wiederaufstieg, auf den Aachen beim letzten Mal 36 Jahre warten musste. Am geplanten Stadion-Neubau für rund 50 Millionen Euro hält die Alemannia trotz des Abstiegs fest.