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Wieder kein Sieg: Geduld ist das Gebot der Stunde am Tivoli

Wieder kein Sieg : Geduld ist das Gebot der Stunde am Tivoli

Verdiente 1:3-Heimniederlage gegen Rot-Weiß Oberhausen: Fußball-Regionalligist Alemannia Aachen bleibt auch im vierten Spiel der neuen Saison sieglos.

Unterstützung gab es nach Schlusspfiff sogar vom Gegner. Oberhausens Trainer Mike Terranova wollte gar nicht viel zum völlig verdienten 3:1 seiner Rot-Weißen am Tivoli sagen, ihm lag etwas ganz anderes auf dem Herzen: „Ich bin gar nicht glücklich mit der Situation von meinem Trainerkollegen Patrick Helmes, der hier aus vier Spielen nur einen Punkt geholt hat“, sagte Terranova und fügte hinzu: „Ich will Euch eins mitgeben: Wenn Ihr Geduld bewahrt, dann bin ich sicher, dass Patrick das hier ans Rollen bekommt.“

Geduld ist offenbar das Gebot der Stunde bei Alemannia Aachen. Die hatte zuvor auch Dino Bajric eingefordert. „Es ist sicher nicht unser Anspruch, die Heimspiele zu verlieren“, sagte der Neuzugang von den Sportfreunden Lotte, „aber auch wenn die Fans das vielleicht nicht hören wollen, brauchen wir noch Zeit zusammenzufinden, dann werden wir die Punkte holen.“ Die Voraussetzungen dazu stimmten. „Das Team versteht sich gut. Wir verbringen viel Zeit miteinander und haben viel Spaß. Deshalb hilft es jetzt nicht rumzuheulen, wir müssen nur ans uns glauben. Und das tun wir.“

Doch natürlich hatte auch Baijric nach Toren von Sven Kreyer (45.), Shaibou Ouweyapwa (70.), Tim Stappmann (79.) für Oberhausen und dem späten Ehrentreffer per Foulelfmeter von Jannik Mause (83.) einen „völlig verdienten Sieg“ der Gäste gesehen, „weil wir die erste Halbzeit komplett verschlafen haben.“

Mit drei Veränderungen im Vergleich zum 0:2 gegen Lippstadt hatte Helmes seine Startelf aufs Feld geschickt. Für Hamdi Dahmani, Marco Müller und Oluwabori Falaye rückten Tim Buchheister, Jannis Held und Christian Gartner ins Team. Genutzt hat es nichts. Die Rot-Weißen gaben von Anfang an den Ton an. 5:1 Chancen und 9:0 Ecken lautete die Statistik zur Pause. Das Beste aus Aachener Sicht war, dass es nach Kreyers sehenswerten 18-Meter-Schlenzer in den linken Torwinkel „nur“ 0:1 stand, wobei der Torschütze von einem Ausrutscher von Bajric profitierte.

„Das 0:1 unmittelbar vor der Pause war natürlich schlecht für den Kopf“, sagte Pechvogel Bajric, „wenn’s ohnehin gerade nicht läuft, ist das nicht leicht zu verarbeiten.“ Sein Trainer versuchte es mit einer Umstellung auf zwei Stürmer. Zuvor hatte Buchheister alleine vor einer offensiven Dreierkette mit Mergim Fejzullahu, Christian Gartner und Jannik Mause gestürmt. Buchheister war es auch, der die einzige Chance der Alemannen vergab, als er einen Kopfball aus drei Metern nicht über die Linie brachte (37.). Nach der Umstellung lief das Spiel tatsächlich etwas ausgeglichener, allerdings nur 25 Minuten lang. „Mit dem 2:0 war das Spiel dann gegessen“, stellte Aachens Coach völlig zurecht fest.

„Heute haben wir aufgezeigt bekommen, warum RWO, das schon seit einiger Zeit so zusammenspielt und sich punktuell verstärkt hat, seit Jahren im oberen Drittel mitspielt“, lobte Helmes den Gegner. Dabei kam die Leistung der Gäste nicht von ungefähr. „Unser Trainer hat genau vorhergesagt, wie der Gegner spielen wird“, hatte Aachens Kapitän Peter Hackenberg nach Schlusspfiff verraten, „und trotzdem sind wir auf die Angriffsmuster hereingefallen.“ Den Trainer treffe keine Schuld, „er ist fantastisch“, sagte Hackenberg. „Was uns gefehlt hat, waren Selbstverständlichkeiten in den Abläufen. Seblbstverständlichkeiten, die wir in der Vorbereitung schon hatten.“ Das sei reine Kopfsache. „Wir haben eine unglaubliche Power im Team“, ist der dienstälteste Alemanne überzeugt, „wir müssen sie nur in die richtige Richtung bringen.“

Am besten schon am kommenden Samstag beim punktlosen Tabellenschlusslicht in Uerdingen, den es beim 2:8 gegen den 1.FC Köln II noch ärger erwischt hat als die Alemannia.

Dort stehe seine Mannschaft angesichts des Fehlstarts durchaus unter Druck, sagte Helmes, „aber zuallererst stehe ich in der Verantwortung. Den Druck mache ich mir auch selbst, weil ich dort natürlich gewinnen will. Aber bis dahin haben wir noch viel Arbeit.“

Sein Team trage immer noch „ein Päckchen“ aus der vergangenen Saison mit sich rum. „Fußball ist ein Fehlersport. Entscheidend ist, wie man mit den Fehlern umgeht. Und das gelingt uns noch nicht.“ Stattdessen verfalle seine Mannschaft in die Muster der vergangenen Rückrunde, die die Alemannia bekanntlich als Letzter abschloss. „Man merkt noch, dass viele meiner Jungs fast ein Jahr keine Profispiele mehr gemacht haben“, sagte Patrick Helmes und nannte etwa Christian Gartner oder die „Jungs aus Lautern“, deren Saison coronabedingt abgebrochen worden war. „Aber ich wusste, was mich hier erwartet mit einer neu formierten Mannschaft.“ Da brauche man eben – na klar – Geduld.