Alemannia sichert sich den Sieg gegen Verl: Für jeden Punkt ein freier Tag

Alemannia sichert sich den Sieg gegen Verl : Für jeden Punkt ein freier Tag

Der letzte Sprint hatte es in sich. Manuel Glowacz war bereit, den wartenden Journalisten in der Mixed Zone Rede und Antwort zu stehen. Da Alemannia Aachens Trainer Fuat Kilic aber noch ein paar abschließende Worte vor dem Osterfest an seine Mannschaft richten wollte, musste der Matchwinner im Eiltempo zurück in die Kabine.

Im zweiten Versuch ging das Interview dann über die Bühne, und der Torschütze war nach dem 2:1-Sieg über den SC Verl sichtlich erleichtert. „Es freut mich sehr, dass ich mal einen Freistoß versenken konnte und der Mannschaft damit helfen konnte“, sagte Glowacz. „Wir haben uns für unseren Aufwand belohnt.“ Nicht nur mit drei Punkten, sondern auch mit drei freien Tagen. Denn das war der Deal, den Kilic seinen Spielern im Vorfeld in Aussicht gestellt hatte: für jeden Punkt einen freien Tag.

Es war der verdiente Lohn nach dreieinhalb kräftezehrenden Wochen, in denen die Aachener sechs Spiele absolvieren und vier weite Auswärtsfahrten zurücklegen mussten. „Was die Spieler in dieser Phase geleistet haben, da kann ich nur Respekt sagen“, lobte Kilic sein Team.
Alemannias Coach hatte nicht nur zwei Wechsel in der Startformation im Vergleich zum schwachen Spiel in Lippstadt vorgenommen – Glowacz und Kai Bösing ersetzten Vincent Boesen und Stipe Batarilo –, er hatte auch den Matchplan angepasst. Die Devise gegen die Ostwestfalen lautete: dem Gegner den Aufbau überlassen und auf Konter lauern. Und die neue Spielidee sollte sich früh auszahlen: Nach einem schnell vorgetragenen Angriff wurde Bösing großzügig mit Freiraum ausgestattet, und der 25-Jährige zirkelte den Ball aus 18 Metern unbedrängt in die Maschen – 1:0 (6.).

Alemannia setzt sich mit 2:1 gegen den SC Verl durch

Der Rhythmus der Partie änderte sich nach dem sehenswerten Führungstreffer nicht. Verl blieb das dominantere Team, die Handschuhe musste Alemannias Keeper Niklas Jakusch aber nicht auspacken. Die 4500 Zuschauer sahen bei sommerlichen Temperaturen kein hochklassiges, aber ein intensives Spiel. Die Aachener verteidigten ihren Vorsprung leidenschaftlich und warteten auf ihre Chance, schnell umzuschalten. Er hätte sogar noch ein bisschen höher ausfallen können, wenn Angreifer Dimitry Imbongo nach einem Konter über David Pütz und Blendi Idrizi nicht an SC-Keeper Robin Brüseke gescheitert wäre (22.).

Stattdessen schlugen die Ostwestfalen zu: Matthias Haeder fand im Sechzehner Nico Hecker, der sich gegen Matti Fiedler durchsetzte und den Ausgleich erzielte – 1:1 (27.). Der Jubel im Gästeblock blieb aus, was nach Lage der Dinge nicht überraschend war: Anhänger des Sportclubs hatte sich dorthin nicht verirrt.

Mit zunehmender Spielzeit wurde die Partie zerfahrener, Imbongo kassierte die 5. Gelbe Karte und wird beim SV Straelen fehlen. „Wir machen dann zum richtigen Zeitpunkt das zweite Tor“, urteilte Glowacz. Der Mittelfeldspieler war vor der Saison als Standardspezialist an den Tivoli gelotst wurden, die Statistik wies bis zum 30. Spieltag aber lediglich einen verwandelten Strafstoß auf. Am Donnerstagabend kam ein Freistoßtreffer hinzu, ein „sehr schönes Tor“, wie auch Verls Trainer Guerino Capretti einräumen musste. Aus 24 Metern hatte Glowacz den Ball in den Winkel befördert – 2:1 (42.). „Ich hoffe, dass dieser Treffer eine Initialzündung für Manu ist. Er hat heute aber auch spielerisch und kämpferisch überzeugt“, verteilte Kilic ein Sonderlob.

Alemannias Trainer brachte nach dem Seitenwechsel Batarilo für den unsicher wirkenden Patrick Salata, Robin Garnier rückte dafür in die Viererkette. Die Aachener bekamen jetzt mehr Struktur in ihr Spiel, die Gäste verloren dagegen ihre Grundordnung fast vollständig und „verteidigten abenteuerlich“, wie Capretti mitansehen musste. Kapital schlugen die Hausherren daraus nicht, Alexander Heinze nach einem Glowacz-Freistoß (55.) und Pütz aus der Distanz (62.) verpassten die Vorentscheidung.

Gejubelt wurde dennoch, als der eingewechselte Boesen nach einer schönen Kombination den Ball im Tor versenkte. Die Linienrichterin hatte aber eine Abseitsstellung des Angreifers ausgemacht und verweigerte dem Treffer die Anerkennung (77.). Verl witterte die Chance, einen glücklichen Punkt vom Tivoli zu entführen. In höchster Not klärte Heinze vor dem heranstürmenden Haeder (87.).

Sekunden später verpasste es Idrizi nach einer Slapstick-Einlage der Aachener Offensive, die drei Punkte endgültig ins Nest zu legen (88.). Verls Schlussoffensive blieb jedoch zu harmlos, und die Gastgeber zitterten sich ins Ziel. Am Ende eines erfolgreichen Arbeitstages stand der vierte Sieg in den vergangenen fünf Spielen, der die Schwarz-Gelben vorübergehend auf Platz der Regionalliga West spülte.

„Wenn man so viel Leidenschaft auf den Platz bringt, dann kommt der Rest von ganz allein“, sagte Glowacz, der sich für die restlichen Spiele in Liga und Pokal noch ein persönliches Ziel gesetzt hat. „Vielleicht noch der ein oder andere Freistoßtreffer mehr - das wäre eine feine Sache.“

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