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Aachen: Erik Meijer: Rückkehr zum Tivoli nicht ausgeschlossen

Aachen : Erik Meijer: Rückkehr zum Tivoli nicht ausgeschlossen

28 Steinplatten mit den Namen der Aufstiegshelden von 2006 sind in den Boden zwischen Geschäftsstelle der Alemannia und dem Tivoli eingelassen. Nur noch neun Spieler, Co-Trainer Jörg Jakobs und Sportdirektor Jörg Schmadtke sind nach einer Saison Erste Bundesliga beim Verein.

Bevor auch Erik Meijer als 17. die Kabine räumte, sprach unser Redakteur Roman Sobierajski mit dem 37-Jährigen.

Sie haben gesagt, dass der Entschluss, die Alemannia zu verlassen, über Wochen gereift ist. Wann hat das Nachdenken konkret angefangen? Lässt sich das an einem bestimmten Spiel festmachen?

Meijer: Genau kann ich das nicht mehr sagen. Ich hatte nach einer Scouting-Sitzung ein Gespräch mit Jörg Schmadtke. Es ging darum, was die Rolle des Co-Trainers beinhaltet. Und ich hatte eine Idee im Kopf, was ich alles machen möchte im Leben und was ich davon alles noch nicht gemacht habe.

Speziell nach dem Hamburg-Spiel hatte man den Eindruck, dass sie richtig wütend sind und am liebsten irgendwo reintreten würden. Ist man als Co-Trainer einfach viel zu hilflos?

Meijer: Als ich auf dem Platz stand, war ich Spieler. Da konnte ich die Ärmel hochkrempeln und Gas geben. Aber das ist jetzt passé. Es gehört zum Job des Co-Trainers, dass man nicht mehr eingreifen kann. Ich fand es einfach schade, dass man sich so verabschiedet.

Hat Ihnen der Abschied der Mannschaft von den Fans gefallen?

Meijer: Das war nicht bundesligawürdig. Man soll sich ordentlich verabschieden, auch als Spieler von den Fans. Das war nur amateurhaft.

Sie persönlich wurden gefeiert, von den Anhängern der Alemannia, von den Hamburgern genauso.

Meijer: Um gefeiert zu werden, muss man etwas Großes geleistet haben. Mir wäre eine 4:4 in Hamburg als Rahmen allerdings lieber gewesen. Das Wolfsburg-Spiel spiegelte unsere gesamte Saison in 90 Minuten wider.

Wie bewerten Sie die abgelaufene Saison?

Meijer: Wir haben etwas Großartiges geleistet und sind aufgestiegen. Aber die letzten acht Spiele haben auch gezeigt, dass wir an unsere Grenzen gekommen sind. Es ist schwer zu überleben mit einem leeren Portemonnaie.

Da wären noch Kampfgeist und Leidenschaft...

Meijer: Wir haben ein kleines Stadion und wenig Einnahmen pro Spieltag. Nur mit Engagement kann man nicht in der Bundesliga bleiben.

Es wäre aber vor allem in den letzten Spielen schön gewesen, zumindest Engagement zu sehen. Wurde die Klasse verdaddelt?

Meijer: Nein, das wurde nicht leichtfertig vergeben. Aber nicht jeder kommt mit seiner Körpersprache so rüber wie Rösler oder Plaßhenrich. Ich kann den Spielern nicht den Vorwurf machen, sie hätten nicht gekämpft.

Haben Sie als Co-Trainer die Spieler erreicht, oder waren Sie vielleicht sogar noch zu nah dran? Schließlich haben sie vor einem Jahr noch selbst auf dem Platz gestanden.

Meijer: Mit einem Spieler ernst zu sprechen, war kein Problem. Aber ich schwimme zwischen den Jungs und dem Trainer und musste einen guten Filter entwickeln, was ich weitererzähle und was ich für mich behalte.

Wie geht es jetzt weiter für Erik Meijer?

Meijer: Ich habe damals die Aufgabe als Co-Trainer mit offenem Visier angenommen, obwohl ich eigentlich schon auf dem Weg nach Australien war. Die Reise war schon lange geplant, und ich liebe meine Frau.

Lässt sich abschätzen, wie lange die Auszeit dauern wird?

Meijer: Ich kann nicht sagen, ob ein halbes, ein Jahr, oder vielleicht auch zwei. Ich will erst meine innere Ruhe finden und dann sagen können, das und das habe ich alles gemacht. Zuletzt bin ich noch nicht einmal zum Geld ausgeben gekommen. Das sagt wohl alles.

Werden Sie denn, in welcher Funktion auch immer, irgendwann an den Tivoli zurückkehren?

Meijer: Ich habe mit Jörg Schmadtke gesprochen, mein Vertrag ruht. Aber wenn die Alemannia, von der ich viel bekommen habe, mein Hilfe braucht, dann wäre ich der Letzte, der sagen würde, das mache ich nicht. Meine Telefonnummer wird sich nicht ändern.