Aachen: Ein Abend zum Vergessen: Alemannia unterliegt dem amtierenden Meister

Aachen : Ein Abend zum Vergessen: Alemannia unterliegt dem amtierenden Meister

Einen Eintrag in die Saisonchronik sollte das Spitzenspiel zwischen Alemannia Aachen und Viktoria Köln finden, der 117. Geburtstag des Vereins sollte nachträglich im dritten Versuch gefeiert werden. Wunschgemäß mit 11.700 Zuschauern. Gekommen waren „nur“ 8300 Fans, und die sahen ein Spiel, das einen bitteren Geschmack beim Gastgeber hinterließ.

Am Ende eines frustrierenden Abends unterlag die Alemannia dem amtierenden Regionalliga-Meister 0:4. „Die Viktoria war vom ersten Moment auf unsere Taktik, Mann gegen Mann zu spielen, vorbereitet. Wir sind nicht ins Spiel gekommen“, urteilte ein enttäuschter David Pütz. Die Mannschaft hatte unter der Woche den Trainer von dieser Taktik überzeugt. Fuat Kilic war skeptisch, stimmte dann doch zu. „Wir müssen uns bei unserem Trainer entschuldigen, wir haben das Ding komplett in den Sand gesetzt“, bilanzierte Peter Hackenberg nach Spielende. „Er hatte recht mit seinen Bedenken.“

Personell hatte Kilic im Vergleich zum Spiel gegen Wegberg-Beeck zurückrotiert und seine stärkstmögliche Mannschaft aufgeboten, aber die war der Herausforderung nicht gewachsen. Die Kölner, die sich am Samstag beim 8:3 gegen Wattenscheid 09 warm geschossen hatten, traten auch am Tivoli schnell den Beweis an, warum sie die torhungrigste Mannschaft der Liga stellen.

Sieben Minuten waren gespielt, als Marcel Damaschek ein schwerwiegender Fehlpass unterlief, der vor den Füßen von Hamza Saghiri landete. Der 21-Jährige suchte Viktoria-Kapitän Mike Wunderlich, der im Strafraum nicht lange fackelte und aus spitzem Winkel brachial zum 1:0 für die Gäste vollendete.

Es war der Auftakt zu einer desaströsen ersten Halbzeit, in der die Aachener nie einen Zugriff bekamen. Die Kölner wurden immer wieder großzügig mit vielen Freiheiten ausgestattet, und die wussten sie auch konsequent zu nutzen: Patrick Koronkiewicz erhielt nur Begleitschutz und legte den Ball zu Tim Golley zurück, der aus 20 Metern unbedrängt abschließen durfte und Alemannias jungem Keeper Mark Depta keine Chance ließ (22.).

Ein erstes Aachener Lebenszeichen sendete Junior Torunarigha, der bullige Angreifer ließ aber nach einer schnellen Drehung um die eigene Achse den Anschlusstreffer liegen (24.). Der Rhythmus der Partie änderte sich nicht, die Gäste bestimmten das Spielgeschehen weiter nach Belieben.

Die Gastgeber hechelten ständig dem Ball hinterher, die Körpersprache ließ kein Aufbäumen erkennen. Simon Handle war es vorbehalten, das Ergebnis in die Höhe zu treiben: Aus dem Gewühl heraus legte er den dritten Treffer für die Gäste nach (37.). Das Debakel nahm seinen Lauf, weil die gierigen Kölner im Kampf um den Meistertitel ihre Torebilanz weiter ausbauen wollten und die Aachener ihre Verunsicherung nicht ablegten. Handle erhöhte noch vor der Pause auf 4:0 (42.).

Kilic schickte zur zweiten Hälfte dieselben elf Akteure aufs Feld, die vor dem Seitenwechsel unter die Räder gekommen waren. Wiedergutmachung konnten sie nicht betreiben, da der Aufstiegsaspirant das Tempo hochhielt. Nur die Effektivität der ersten 45 Minuten wollte sich nicht mehr einstellen. Golley (55.) traf nach einem erneuten Patzer von Damschek im Nachschuss den verwaisten Aachener Kasten nicht, Torunarigha konnte Felix Backszat erst im letzten Moment daran hindern, den fünften Treffer nachzulegen (61.).

Die Kölner verzichteten auf ein neuerliches Torfestival und schalteten einen Gang zurück, die Aachener wehrten sich erstmals und versuchten über Fernschüsse Ergebniskosmetik zu betreiben. Es passte zu diesem verkorksten Abend, dass sich am Spielstand nichts mehr änderte, was nach Lage der Dinge auch noch eine gute Nachricht war.

„Wir waren im bisherigen Saisonverlauf noch nie so chancenlos“, bilanzierte Kilic nach der höchsten Saisonniederlage. „Vielleicht ist es gut, dass wir in dieser Phase einen auf die Mütze bekommen haben.“

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