Aachen: Ehemaliger Alemannia-Spieler in Syrien getötet

Aachen: Ehemaliger Alemannia-Spieler in Syrien getötet

Zwei Minuten spielte er noch an der Seite von Lewis Holtby und Nico Herzig, dann war Schluss. Im März 2008 bestritt Burak Karan sein letztes Spiel gegen den SV Bergisch Gladbach, Alemannia Aachen II war die finale Station des hoch veranlagten Mittelfeldspielers, der in der Jugend an der Seite von Sami Khedira, Kevin-Prince Boateng und Dennis Aogo in der deutschen U17-Nationalmannschaft trainierte. Er wendete sich vom Fußball ab - und schlug einen anderen Weg ein. Einen Weg, der ihn das Leben kosten sollte.

Am Wochenende berichteten diverse Medien, dass er bereits am 11. Oktober nahe der syrischen Kleinstadt Asas an der Grenze zur Türkei ums Leben gekommen ist, als sich islamische Kämpfer mit kurdischen Milizen heftige Gefechte lieferten. Der gebürtige Wuppertaler hatte sich offenbar nach seinem Karriereende den Islamisten angeschlossen. An den Tivoli kam der Fußballer nur für ein paar Monate im Winter 2008. Der Mittelfeldspieler kam bei Hannover II nicht sonderlich klar, suchte die nächste Herausforderung. Die sportliche Vita ist durchaus eindrucksvoll. Fünf Spiele absolvierte er für Deutschlands U16, zwei weitere für die U17. Auch in Aachen fasste der Jugend-Nationalspieler kaum Fuß, war verletzt, spielte nur drei Mal für Alemannias Zweitvertretung, ehe er im Frühjahr 2008 seinen Vertrag schnell wieder auflöste und mit unbekanntem Ziel weiterzog. „Er war ein sehr angenehmer, vernünftiger Junge“, erinnert sich Obmann Manfred Werner an das kurze Gastspiel. „Er war ruhig, hat nie Theater gemacht, auch wenn er nicht aufgestellt wurde. Wir können überhaupt nichts Negatives sagen.“ Danach verlor sich die Spur des damals 20-Jährigen, von einem weiteren Verein ist nichts mehr bekannt. Es wurde still um Karan, erst in der vergangenen Woche tauchte ein Video im Internet auf, das den Tod des zweifachen Familienvaters verkündet. Gegenüber der „Bild“-Zeitung bestätigte der Bruder von Karan, Mustafa, den Tod des Ex-Alemannen. „Burak sagte mir, Geld und Karriere seien ihm nicht wichtig“, sagte Mustafa Karan der „Bild“-Zeitung. „Stattdessen durchsuchte er ständig das Internet nach Videos aus Kriegsgebieten. Er war verzweifelt, voller Mitleid für die Opfer.“ Als gewalttätigen Islamisten habe er seinen Bruder aber nie gesehen. Der Kommentar zum Youtube-Video beschreibt ihn dagegen als „Löwen“, der „in das Gebiet der Ungläubigen gestürmt ist und Freude daran hatte, sie zu bekämpfen.“ Nach Informationen des Focus ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen „Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung“. Deutsche Sicherheitskreise bestätigten am Montag, dass K. schon vor längerer Zeit ins Visier der deutschen Sicherheitsbehörden geraten sei. Er habe sich radikalisiert und sei etwa bei gewalttätigen Demonstrationen in Erscheinung getreten. Weitere Details wurden nicht genannt. Karans Bruder wehrt sich jedoch gegen die Darstellung, der junge Mann sei als radikaler Kämpfer in den Bürgerkrieg gezogen. Er sei mit seiner Familie an die türkische Grenze gereist, um die Verteilung von Hilfsgütern zu organisieren. „Wenn er sich bewaffnet hat, dann um die Transporte zu schützen.“ Ein Video, das Karan mit einer Maschinenpistole bewaffnet zeige, sei nach seinem Tod ins Netz gestellt worden. „Möglich, dass jemand ihn vor seinen Karren spannen will“, sagte der Bruder. Zurzeit prüft die Bundesanwaltschaft die Echtheit des Videos. In dem Clip verkünden die Islamisten den Tod des 26-Jährigen, der den Gefallenen in Kämpferpose zeigt. Auf dem Online-Portal „transfermarkt.de“ und bei der freien Enzyklopädie Wikipedia wurde die tragische Geschichte von Burak Karan bereits aktualisiert. Sie endet mit dem Tod des heute 26-Jährigen, der „sicherlich mal von seinem Job als Fußballer hätte leben können“, sagte Ex-Trainer Thomas Hengen dem Express. Boateng zeigte via Twitter seine Anteilnahme. „R.I.P mein Bruder Burak.K!! Ich werde unsere Zeit niemals vergessen, du warst ein wahrer Freund! Burak war in der jungend ein enger Freund von mir, was danach
passierte weiß ich nicht und kann ich nicht beeinflussen!“, schrieb der Schalker Bundesligaprofi.

Tragische Geschichte eines hoch veranlagten Mittelfeldspielers: Einst spielte Burak Karan (2. von links) bei Alemannia Aachen II gegen den MSV Duisburg II, Mitte Oktober wurde der Ex-Kicker in Syrien von einer Bombe getötet. Foto: Marcel Decoux
(bj/pa/dpa)
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