Aachen: Die nächste Blamage: Alemannia verliert gegen Velbert 2:3

Aachen: Die nächste Blamage: Alemannia verliert gegen Velbert 2:3

Velberts Spieler saßen bereits singend im Bus, feierten einen unerwarteten Auswärtssieg, während die Aachener Spieler noch im Stadion weilten. Die Fans hatten deutlichen Redebedarf. Angekündigt war die Rehabilitierung für verkorkste Wochen, heraus kam ein trostloses 2:3 gegen eine abstiegsgefährdete Mannschaft.

Der Chor der enttäuschten Anhänger hatte „die Schnauze voll“. Der Frust frisst sich in den Verein nach der vierten Heimniederlage in Serie.

„Ein Spiel, das man in die Tonne kloppen kann“, war auch Fuat Kilic frustiert. Aachens Trainer hat noch nicht die Instrumente gefunden, um den dramatischen Niedergang zu stoppen. Gegen Velbert beobachteten angeblich 6000 Zuschauer eine triste Melange aus Pech, Unvermögen und Naivität.

Mit dem Anpfiff sollte der Frustabbau beginnen. Aus der Statistikabteilung wurden bereits nach 25 Minuten rekordverdächtige 8:0-Ecken stolz vermeldet, die darunter litten, dass sie alle harmlos daher kommen. Die beste Chance ergab sich zunächst nicht aus einem ruhenden Ball, sondern war ein Zufallsprodukt. Jerome Propheter hatte aus der Ferne volley das Tor angepeilt, Daniel Engelbrecht verlängerte reaktionsschnell per Kopf den Ball an die Latte (13.).

Aachen hatte deutliche Ballvorteile, aber viele Schneisen schlugen sie nicht in den Beton der Gästeabwehr. Florian Rüter setzte sich auf den rechten Flügel durch, aber die Hereingabe zu Fabian Graudenz war zu unpräzise (22.), so dass der Aachener Angreifer noch geblockt werden konnte.

Weitgehend ohne große Mühe verteidigte der abstiegsgefährdete Aufsteiger das Remis — und entdeckte langsam, dass es noch eine andere Spielhälfte gibt. Gleich der zweite Konter schlug sich im Ergebnis nieder. Philipp Schulze entwischte Jannik Löhden und überwand Aachens Keeper aus elf Metern zum 0:1 (28.). Pierre Kleinheider behielt eine kleine Erinnerung an den Treffer (Prellung).

Auf dem Fußball der Alemannen klebt zuletzt regelmäßig das Etikett „Achtung, zerbrechlich“. Diesmal schüttelte sich das Team - und organisierte weitgehend unbeeindruckt den Angriff. Ein bisschen Pech mischte sich in die Bemühungen, auch Timo Staffeldt traf nach präziser Vorarbeit von Maciej Zieba nur den Pfosten (35.).

Traumtor von Florian Rüter

Der Ausgleich rückte näher, das Aachener Spiel hatte nicht mehr so viele Löcher. Nach 40 Minuten war das überfällige 1:1 aktenkundig. Daniel Engelbrecht verlängerte einen Querpass von Zieba etwas mühevoll aus zwei Metern ins Netz. Aachens Torjäger hätte sein Konto noch vor dem Wechsel ausbauen können, Velberts Torwart verhinderte aus kurzer Distanz den Rückstand (45.). Die Freude von Philipp Sprenger war nur kurz, denn er wurde bald darauf sehenswert überwunden. Florian Rüter gelang ein sehenswertes Volleytor aus 17 Metern (49). Das hätte der Auftakt zu einem schönen Freitagabend werden können, gegen einen angeschlagen Gegner, der sich am Vortag nach sechs punktlosen Spielen von Aufstiegstrainer Andre Pawlak getrennt hatte.

Die Aachener wurden ein Opfer ihrer Euphorie und ließen sich naiv auskontern. Schmidt schob den Ball mühelos zum Ausgleich wieder ins Netz (53.). „Tore gegen uns fallen zu einfach. Das ist seit Wochen ein Muster“, beobachtete Timo Staffeldt. Die Leidenschaft war da, die Mannschaft wehrte sich, belohnt wurde der Aufwand nicht. Zieba traf den Pfosten (58.), dann scheiterten Graudenz und Zieba innerhalb weniger Sekunden an Torwart Sprenger (78.).

Velbert setzte zu einem dritten Konter an: Tore schießen leicht gemacht. Diesmal vollendete David Müller zum 2:3 (86.). Die Chance zum Ausgleich bot sich Jerome Propheter, dessen Kopfball Velberts Keeper reaktionsschnell in der Nachspielzeit zum zwölften Eckball abwehrte. „Wir haben 12 Eckbälle, 14 Großchancen, hätten mindestens fünf Tore machen müssen“, ärgerte sich Kilic und kündigte erneut personelle Veränderungen in den nächsten Tagen an.

Alemannia muss nach enttäuschender Rückrunde sogar noch den Blick in den Rückspiegel werfen. „Wir haben heute gegen einen schwachen Gegner verloren“, fand Staffeldt. Das sagte alles. Alemannia ist aktuell nur ein Aufbauhelfer für andere Teams und müsste sich selbst einmal dringend helfen.