DFB-Pokal: Alemannia Aachen unterliegt Bayer 04 Leverkusen 1:4

Pokalniederlage gegen Leverkusen : Aachen verliert und ist trotzdem ein Sieger

Verloren und doch gefeiert: Noch lange nach dem Spiel drehten die Spieler von Alemannia Aachen ihre Ehrenrunden auf dem Tivoli. Die Fans feierten, auch wenn das 1:4 (0:2) der Schwarz-Gelben gegen Bundesligist Bayer Leverkusen das Aus in Runde eins des DFB-Pokals bedeutete. Trotz Niederlage war der Aachener Fußball-Regionalligist ein Sieger – bei der Werbung in eigener Sache.

„Komplimente an Aachen. Das 4:1 hört sich einfach an, das war es aber nicht“, zog Leverkusens Coach Peter Bosz hinterher Bilanz. „Die Gastgeber haben sehr kompakt gestanden und versucht, guten Fußball zu spielen. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn Aachen dem 1:2 gleich das 2:2 hätte folgen lassen. Zum Glück hat Leon Bailey dann zum 3:1 getroffen. Die Komplimente gibt‘s für Aachen, die Punkte sind für uns.“

Zwar kann man sich von Komplimenten nichts kaufen, verdient waren sie aber allemal. „Wir wollen uns nicht verstecken, werden aber sicher einen Tick defensiver agieren“, hatte Aachens Coach Fuat Kilic angekündigt. Er stärkte die Abwehr, so dass sein Team in der Rückwärtsbewegung zwar in einem defensiven 5-4-1-System agierte, trotzdem aber versuchte, offensiv zu verteidigen.

„Wir wollen dem Gegner keinen Raum lassen und ihm die Lust am Spielen nehmen“, hatte Innenverteidiger Alexander Heinze gesagt. Und genau das setzten er und seine Kollegen vom Anpfiff an um. Aachen begann frech, ohne zu großen Respekt vor dem Gegner mit den deutlichen größeren Namen zu haben. Und so probierte gleich zu Beginn David Bors es einfach mal aus der Distanz.

Verstecken, das war ein Fremdwort, Aachen versuchte, durchaus selbstbewusst das Spiel selbst in die Hand zu nehmen. Und die Leverkusener fanden tatsächlich kaum Raum, sich in Szene zu setzen, so wie Kai Havertz (6.), der jedoch Aachens Nummer eins, Ricco Cymer, den Ball nur in die Arme schoss. Und bei einer Havertz-Hereingabe (12.) von rechts war Heinze per Kopf zur Stelle. An Aachens Innenverteidiger scheiterte kurz darauf auch Leverkusens Kapitän Kevin Volland, der den Zweikampf verlor. Ein Schuss von Havertz (16.) aus 18 Metern übers Gehäuse – Zwingendes brachte der Favorit bis dato nicht zustande.

Die Wende kam jäh: Wendell kam über links, er konnte flanken, im Strafraum standen mehrere Aachener – und unbedrängt schob Peter Hackenberg den Ball über die Linie: 1:0 für Leverkusen (19.). „Der Rasen ist trocken und etwas länger, damit sollte Leverkusen es schwerer haben. Ich bin mit den hinteren Stollen hängen geblieben“, erläuterte Aachens Kapitän geknickt die kuriose Szene. „Dabei hatten wir richtig gut ins Spiel gefunden, haben im Mittelfeld dem Gegner keinen Raum zu kreativen Steckpässen gelassen.“

Nach dem Eigentor hingen die Köpfe, Aachen ließ sich nun doch zurückdrängen, sorgte offensiv wenig für Entlastung, die Räume für Leverkusen öffneten sich zunehmend von selbst. Havertz (31.) versuchte es über links, doch Robin Garnier war aufmerksam und ließ den Jung-Nationalspieler aus Alsdorf-Mariadorf nicht durch. Die vereinten Bemühungen fruchteten in der 39. Minute nicht: 2:0 Leverkusen (39.), Volland traf aus der Drehung. „Ich dachte, der Ball käme tiefer, bin noch rausgekommen“, sagte Cymer.

„Das Eigentor war brutal, nachdem wir so gut ins Spiel gekommen sind“, bedauerte Kilic, der in der Pause keine Fehleranalyse betrieb, sondern auf Motivation setzte. „Wir wollten die Menge euphorisieren und auf den Anschlusstreffer drängen.“ Aachen meldete sich zurück: Batarilo versuchte es mit einem Freistoß direkt, Leverkusen Keeper Ramazan Özcan konnte den Ball gerade noch entschärfen. Und kurz darauf: Ballverlust Leverkusen, Bors verlängerte einen langen Ball auf Florian Rüter, und zentral zog Batarilo mit: eine präziser Pass, ein Schuss – und 30.631 Zuschauer feierten enthusiastisch den Anschlusstreffer zum 1:2 (57.) durch Batarilo. Auch der Ausgleich war möglich, doch Bors (59.) brachte nicht genug Druck auf den Ball.

Schluss mit Lustig – Leverkusen verschärfte die Gangart: Cymer konnte mit Mühe und den Fingerspitzen so gerade noch einen Schuss von Havertz (70.) vorbeilenken. Kilic wechselte positionsgetreu André Wallenborn gegen Patrick Salata. Und auch Peter Bosz rief Bellarabi und Charles Aránguiz vom Feld. Für sie kamen Julian Baumgartlinger und Leon Bailey.

Und keine 30 Sekunden später ließ Bailey die Alemannia-Gesänge verstummen: Die Aachener Abwehr hatte den eingewechselten Stürmer in ihrem Rücken nicht bemerkt – leichtes Spiel für Bailey 3:1 (73.). Aachen hatte durchaus Möglichkeiten, zu verkürzen, die beste vergab Robin Garnier (87.). Doch nur eine Minute später demonstrierte Leverkusen, wer der Bundesligist ist: Aachener Ballverlust, schnelles Umschalten, Havertz zog davon – 4:1 (88.), ein letztlich doch standesgemäßer Sieg des Favoriten.

„Ich bin stolz. Wichtig war, wie die Mannschaft hier aufgetreten ist. Wir haben uns nicht hinten reingestellt, sondern nach vorne verteidigt“, lobte Kilic. „Ich hoffe, dass wir mit diesem Pokalspiel auch ein Fünckchen weitere Begeisterung für den Ligaalltag wecken.“

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