Köln: Der linke Fuß von Dowidat und der Kopf von Marquet

Köln: Der linke Fuß von Dowidat und der Kopf von Marquet

Michael Boris hatte offensichtlich genug gesehen. Der Trainer der Sportfreunde Lotte war mit eigener Kamera im Franz-Kremer-Stadion aufmarschiert, doch schon vor dem Abpfiff klappte Boris das Stativ zusammen und machte sich auf den Rückweg. Die entscheidende Szene bekam der Coach von Alemannia Aachens nächstem Auswärtsgegner nicht mehr mit.

Es liefen die letzten Sekunden der regulären Spielzeit, Dennis Dowidat schlug noch eine Flanke in den Strafraum der U 21 des 1. FC Köln, der Ball kam präzise auf den Kopf von Sascha Marquet und landete im langen Eck. Das siebte Saisontor der Nummer 7 brachte den Schwarz-Gelben auf den letzten Drücker den 1:0-Sieg und „die Punkte zurück, die wir vergangene Woche hatten liegenlassen“: Reiner Plaßhenrich, der den zuhause gebliebenen kranken Chefcoach Peter Schubert erstmals komplett vertrat, kann also mehr als 2:2 wie in Uerdingen und zuletzt gegen Lippstadt.

Eine Stunde lang hatte Alemannia jedoch einige Disziplinen des Fußballs schön unter Verschluss gehalten. Dem „kleinen FC“ das „Feld zu überlassen“, gehörte durchaus zu Plaßhenrichs Plan, und er ging insofern auf, als dass die Null stand. Dennoch lud Aachen das Team des Ex-Kölner Profis Stephan Engels bevorzugt über dessen linke Angriffsseite zu Erfolg versprechenden Aktionen ein; Aachens Duo Ajani/Schumacher bekam seine Flanke viel zu oft nicht dicht.

„Wir sind auch insgesamt nicht gut ins Spiel reingekommen, haben zu tief gestanden wie schon gegen Lippstadt“, monierte Marquet. Tempo, Präzision, Handlungsschnelligkeit und Druck gingen den Gästen völlig ab, auffällig waren nur die Standards durch den entsperrten Michael Lejan. Im Niemandsland verschluderten Rafael Garcia und Mazan Moslehe ihre Anwesenheit. Plaßhenrich: „Wir haben keine großen Chancen zugelassen, aber vorne auch nichts ausgerichtet.“

Etwas Fahrt nahm Alemannias Spiel nach der Pause auf, es wurde höher verteidigt und Köln vor dem Tor von Frederic Löhe praktisch nicht mehr gesichtet. Nach einer Stunde hielt Plaßhenrich dann die Zeit für gekommen, Dennis Dowidat die ersten Einsatzminuten nach langer Verletzungspause (Syndesmoseband) zu geben. Es sollte die entscheidende Einwechslung werden.

Von einer Sekunde auf die andere entdeckte Alemannia den Vorwärtsgang, Garcia bediente Marquet, der noch per Kopfball scheiterte. Über Marquet und Garcia kam der Ball zu Dowidat, dessen Flachschuss knapp am Pfosten vorbeizischte. Wenig später war Aachen in Überzahl nach Gelb-Roter Karte für Golobart (74.), sieben Minuten später vergab Garcia eine kapitale Chance nach Ajani-Hereingabe. „Das war vielleicht der Hallo-wach-Effekt“, vermutete Reiner Plaßhenrich — und hofft, dass „wir noch viel Spaß haben werden an Dennis‘ linkem Fuß“, der den Ball letztlich siegbringend auflegte. Stephan Engels hatte so etwas im Gefühl, „nachdem unser kopfballstärkster Spieler nicht mehr auf dem Feld war“.

Dowidat — schon beim 2:1 in der Hinrunde als doppelter Torschütze ein FC-Schreck — will sich jetzt an längere Einsatzzeiten herantasten, „für 60, 70 Minuten sollte es schon reichen. Das war natürlich ein toller Einstand nach drei Monaten Verletzungspause — ich wusste: Sascha steht da, wo‘s gefährlich ist. Und der Spieltag ist insgesamt gut für uns gelaufen.“ Alemannia zog in der Tabelle am FC vorbei auf den elften Platz, der Vorsprung auf die Abstiegszone beträgt jetzt zehn Punkte (Wattenscheid hat allerdings ein Spiel weniger ausgetragen). Und inzwischen ist Aachen auswärts (16 Punkte) erfolgreicher als auf dem Tivoli (13).

Rund 1000 Aachener unter den 1400 Zuschauern hatten die Partie in Köln zum Heimspiel gemacht; am kommenden Samstag steht der Liga-Kracher ins Haus — Rot-Weiß Essen kommt. Das riecht nach Zuschauer-Rekord für diese Saison.