Aachen: Der Dauerbrenner und der Dribbelkönig: Was wurde aus Alemannias Aufstiegshelden?

Aachen: Der Dauerbrenner und der Dribbelkönig: Was wurde aus Alemannias Aufstiegshelden?

Auf den 16. April 2006 hatte der Verein Jahrzehnte gewartet. Die Alemannia stieg in die Bundesliga auf, ohne gespielt zu haben; weil Konkurrent Spielvereinigung Fürth in Saarbrücken 0:1 verlor und im Aufstiegsrennen aussichtslos zurückfiel. Die Party begann, und für kurze Zeit erhielt die Kaiserstadt einen schwarz-gelben Anstrich.

Von B wie Bruns bis S wie Šukalo: Wir haben Alemannias Aufstiegskader unter die Lupe genommen und in Erfahrung gebracht, was aus den Spielern geworden ist. Zum Abschluss unsere Serie haben wir uns die Angreifer vorgenommen.

Marius Ebbers:

Vom rheinischen Rivalen aus Köln wechselte Marius Ebbers zur Saison 2005/2006 an den Tivoli. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten gelang dem gebürtigen Essener in der Rückrunde der Durchbruch. Viele Alemannia-Fans verbinden mit dem Namen Ebbers den Viererpack des Stürmers, der innerhalb von 45 Minuten die Kickers aus Offenbach im Alleingang erledigte. Bis zum Ende der Spielzeit konnte „Ebbe“ sein Trefferkonto auf 13 Tore hochschrauben und trug so maßgeblich zum Aufstieg der Schwarz-Gelben bei. Nach dem direkten Wiederabstieg folgte der Angreifer der Alemannia noch ein Jahr mit in Liga 2, bevor er sich im Sommer 2008 dem FC St. Pauli anschloss.

In Hamburg erging es ihm ähnlich wie in Aachen: erst der Aufstieg, dann der direkte Wiederabstieg. Zwei Jahre später trennten sich die Wege von St.Pauli und Ebbers, nachdem der treffsichere Stoßstürmer in Deutschlands beiden höchsten Spielklassen insgesamt 108 Tore erzielt hatte. Nach einem Abstecher in die zweite amerikanische Liga lässt der Essener seine Karriere momentan beim Oberligisten SC Victoria Hamburg ausklingen. Und dennoch darf er in diesen Tagen noch das Nationaltrikot überstreifen: Er ist Spieler der deutschen Kleinfeld-Nationalmannschaft. Nebenbei betreibt er ein Bekleidungsgeschäft auf der Hamburger Schanz.

Erik Meijer:

Kaum ein Spieler war bei den Alemannia-Fans so beliebt wie der holländische Stürmer. 2003 wechselte Erik Meijer, der zuvor bei namhaften Vereinen wie Leverkusen, Liverpool und Hamburg auf dem Platz gestanden hatte, an den Tivoli. Bis zur Aufstiegssaison 2006 spielte der Niederländer für die Alemannia und erzielte in 92 Partien 19 Treffer, bevor er seine Karriere beendete. Meistens war er der Mann für die wichtigen Treffer. Nachdem Dieter Hecking die Alemannia am dritten Spieltag der Bundesligasaison überraschend verließ, wurde der Niederländer im September 2006 Assistent von Michael Frontzeck.

Zum Ende der Spielzeit gab Meijer seinen Posten auf, um eine Auszeit vom Fußball zu nehmen und mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Seine Abwesenheit in der Kaiserstadt währte aber nur für kurze Zeit. Im Mai 2008 kehrte Meijer als Vermarkter für den neuen Tivoli zu den Schwarz-Gelben zurück. Zum Ende des Jahres 2009 übernahm er den Sportdirektorposten an der Krefelder Straße, den er bis zum Abstieg in die 3.Liga 2012 ausführte — der Erfolg hielt sich allerdings in Grenzen. Danach wurde er am Tivoli nie mehr gesichtet. Beim Fernsehsender „Sky“ läuft es besser für Meijer, der als Experte für Bundesliga- und Champions-League-Spiele vor der Kamera steht.

Jan Schlaudraff:

2006, DFB-Pokal-Achtelfinale, ausverkaufter Tivoli, der große FC Bayern zu Gast, 90. Minute: Jan Schlaudraff kommt auf der linken Außenbahn mit dem Rücken zum gegnerischen Tor an den Ball. Er spielt mit einem frechen Solo die gesamte Hintermannschaft des Rekordmeisters aus und vollendet cool an Michael Rensing vorbei zum 4:2-Endstand. Die Alemannia war im Viertelfinale und die Bayern ausgeschieden.

Das hatte auch die Bayern-Bosse beeindruckt. So beeindruckt, dass sie ein halbes Jahr später den frechen Dribbelkönig an die Isar holten. Dort verpasste er — wie viele andere vor und nach ihm — den Durchbruch. 149 Bundesligaminuten und ein Jahr später verpflichtete Hannover 96 das „ewige Talent“. Acht Spielzeiten absolvierte Schlaudraff für die „Roten“, spielte dabei mal eine mehr, mal eine weniger wichtige Rolle. Im vergangenen Jahr beendete er schließlich seine Karriere und legte die Prüfung für die Trainer-B-Lizenz ab - mit Erfolg. Seit Juli 2016 hospitiert er beim 1. FC Köln.

Sascha Rösler:

Er polarisierte, er kämpfte, er war der Dauerbrenner der Alemannia in der Aufstiegssaison. Sascha Rösler ebnete mit seinen Leistungen den Weg in die Erste Liga. In 32 Bundesligaspielen erzielte der Süddeutsche acht Tore und neun Vorlagen. Mit seiner emotionalen Art eckte er immer wieder an, jedoch wollte Trainer Dieter Hecking den damals 27-Jährigen nicht missen. Nach dem Erstligaabstieg der Alemannia schloss sich der bullige Stürmer dem Lokalrivalen Borussia Mönchengladbach an. Und gleich in der ersten Saison feierte Rösler den direkten Wiederaufstieg mit den Fohlen. In 38 Spielen kam er auf elf Treffer und fünf Vorlagen.

Er setzte seine Karriere bei 1860 München fort (41 Spiele, 5 Treffer, 4 Vorlagen) und wechselte nach einer dreimonatigen Vereinslosigkeit im Oktober 2010 zu Fortuna Düsseldorf. Auch mit den Rheinländern gelang ihm der Aufstieg in die Erste Liga. Zur Saison 2012/13 wechselte Rösler zurück zur Alemannia an den Tivoli, bei der er noch ein Jahr blieb, verletzungsbedingt aber kaum spielte. Nach dem Abstieg hängte er seine Fußballschuhe an den Nagel. Im Oktober 2015 kehrte Rösler zu seinem alten Verein Fortuna Düsseldorf zurück. Jedoch nicht als Spieler, sondern als Teammanager. Nach zwei Jahren als Praktikant schenkten die Düsseldorfer ihm das Vertrauen, als Teammanager zu arbeiten.

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