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Aachen: Der Check: So steht´s beim neuen Tivoli

Aachen : Der Check: So steht´s beim neuen Tivoli

Die Angelegenheit ist ebenso komplex wie kompliziert. Der geplante Bau des neuen Tivoli neben dem Reitstadion beschäftigt nicht nur den Verein, sondern immer wieder die Politik und seit Monaten etliche Mitarbeiter der Verwaltung. Die AZ hat die wichtigsten Planungsstände, Fortschritte und Knackpunkte zusammengetragen. So steht´s im Moment.

Das Stadion: Wie der neue Tivoli aussehen wird, ist immer noch nicht entschieden. Fest steht nach AZ-Informationen aber: Er soll 32.000 Zuschauern Platz bieten. Aber es geht dem Vernehmen nach vorwärts. Im Rennen um den Zuschlag sind noch drei Generalunternehmer - allesamt namhafte Baufirmen, die eigene Modelle des Stadions vorlegen. Im Einzelnen: Hochtief im Konsortium mit Neßeler Grünzig und Derichs und Konertz mit dem Architektenbüro Wagner, Jones und Höhler (Aachen), die Hellmich-Gruppe sowie Max Bögl mit dem Architektenbüro gmp (Aachen).

Präsentation

In wenigen Wochen will sich die Alemannia entscheiden, wer was wie realisiert. Zuvor, direkt nach den Sommerferien, soll die Politik Details präsentiert bekommen. Und sie brennt schon darauf. Denn manche politische Entscheidung ist von der Stadiongestaltung abhängig. Etwa beim ominösen „innenstadtrelevanten Einzelhandel”. Sollten Geschäfte - etwa ein Sportfachhandel - im Neubau Einzug halten, müsste die Politik Ausnahmegenehmigungen erteilen. Bei Einzelhandel, der den Geschäften der City Konkurrenz macht, hat die Stadt nämlich schon vor Jahren strikte Regelungen getroffen, die eben so etwas verhindern sollen

Die Finanzen: Gestern tagte der Bürgschaftsausschuss des Landtags über den Wunsch der Alemannia nach einer Landesbürgschaft für das Projekt - so wie es schon bei anderen Vereinen wie dem MSV Duisburg oder Schalke der Fall war. Die Signale für eine Zustimmung waren durchaus positiv. Der Ausschuss fordert allerdings noch einige Nachbesserungen ein. „Diese Hausaufgaben werden wir machen, das sind keine unlösbaren Probleme”, so Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer.

Eine Landesbürgschaft ist der wichtigste Finanzierungsbaustein des Projekts, das bislang auf Gesamtkosten von 50 Millionen Euro taxiert wurde. Nur damit könnte der Verein Kredite zu jenen günstigen Konditionen aufnehmen, wie sie Kommunen gewährt werden. Außerdem geht die Alemannia von einem Eigenkapitalanteil von etwa 15 Millionen Euro aus. Außenanlagen und Infrastruktur, so liest man in den Präsentationsunterlagen, würden weitgehend durch die Stadt realisiert.

Die Flächen: Über diesen Punkt hat sich die Politik am Dienstag in nicht-öffentlicher Sitzung im Liegenschaftsausschuss unterhalten. Die Grundstücke an der Krefelder Straße sind in Erbpacht vergeben, nun musste neu geordnet werden. Das deswegen, weil der benachbarte ALRV einige Teile seines Areals an die Alemannia - die auch Trainingsplätze und -zentrum und ein Jugendleistungszentrum sowie ein Parkhaus bauen will - abgibt, im Gegenzug aber auch Flächen dem ALRV zugeschlagen werden.

Die Parkplätze: Wegen der bisherigen Misere bei Stellplätzen ein heikler Punkt, über den angestrengt nachgedacht wird. Ursprünglich sahen die Pläne einen Parkhauskomplex mit insgesamt rund 2000 Stellplätzen vor, der auch als Schallschutz dienen sollten. Zumindest von der Größe her soll der Baukörper nach AZ-Informationen nun aber deutlich kleiner werden, weil er die Sicht nach hinten aus den Logen heraus verbaut. Das würde die Kapazität auf 1200 oder 1000 Stellplätze verringern. Unklar ist, ob ein Parkhaus an anderer Stelle realisiert werden kann.

Wiesen-Protest

Weitere über 3000 Stellplätze sollen auf zwei Wiesen - eine nahe der JVA am Rande der Soers, eine gegenüber auf Haarener Gebiet - entstehen. Bebauungspläne dafür sind in der Mache. Doch in beiden Fällen gibt es massiven Protest unter anderem der Anwohner. Dabei geht es zum Beispiel um Umweltschutz und Verkehrsanbindung. Nicht zur Sprache gekommen ist bisher auch, ob die Stadt den Vereinen die Flächen quasi „schenkt”. Im Haarener Fall handelt es sich um nicht gerade preiswerte Gewerbefläche.

Die Kleingärten: Auch das ist ein noch offener Punkt. Letzter Stand war, dass die Anlagen „Roland” und „Groß-Tivoli”, die dem Stadion weichen, an den Nordrand der Soers zur Berensberger Straße verlagert werden. Dagegen gibt es aber aus dem benachbarten Kohlscheid Widerstand. Nach AZ-Informationen wird jetzt wieder über einen Alternativstandort nachgedacht - mehr am „Rand” der Berensberger Straße nahe dem Soerser Weg.

Keine PTSV-„Arena”

Der Post-Telekom-Sportverein: Es droht Unmut: Der PTSV verlässt nach langen Diskussionen zähneknirschend seine angestammten Flächen an der Krefelder Straße (31000 Quadratmeter) und zieht um zum Eulersweg/Ecke Soerser Weg (17000 Quadratmeter). Und nun das: Die Pläne für ein Tenniszentrum sind am Mittwoch in einer Sondersitzung des Planungsausschusses politisch verhandelt worden, die Veröffentlichung eines entsprechenden Bebauungsplans wurde beschlossen.

Aber: Das Herzstück der neuen Anlage, eine überdachte Arena für mehrere Sportarten, wurde von der Politik gestrichen - zumindest, was das Dach angeht. Dem Verein bleiben damit nur mehrere Tennisplätze und eine Tennishalle. Die CDU machte - wie auch SPD und Grüne - deutlich, dass es auf diesem Grundstück wegen der sensiblen Lage in der Soers nie eine Bebauung geben würde, gäbe es nicht die Pläne für den neuen Tivoli. Das Arenadach sei allzu störend und unnötig.

Der Anpfiff: Den ersten Anpfiff im neuen Stadion plant die Alemannia nach wie vor für die Spielzeit 2009/10. Das bezeichnen Planungspolitiker wegen der offenen Fragen und langwierigen Bebauungsplanverfahren als „sportlich”. Im August allerdings könnte es einen Schub geben, wenn mit der Wahl des Stadionmodells ein entscheidender Steilpass gespielt wird.