Aachen: Daniel Hammel und die Suche nach dem Happy End

Aachen : Daniel Hammel und die Suche nach dem Happy End

Wer wollte, konnte in den 90 Minuten noch einmal einen komprimierten Überblick über die Zeit von Daniel Hammel am Tivoli sehen. Alemannias Angreifer hatte nicht nur die erste und die letzte Gelegenheit im Spiel beim FC Wegberg-Beeck. Dazwischen leistet er sich einfache Ballverluste, Pech kam dazu. Ein Spiel wie ein Wellental. Das beschreibt seine anderthalb Spielzeiten am Tivoli durchaus treffend.

In guten Momenten erahnt man, dass der 25-Jährige noch viele Tore im Köcher hat; in schlechten Momenten fragt man sich, ob er überhaupt einen Köcher dabei hat.

Der Stürmer gehört noch zu den Rätselspielern im Kader. Die Eingewöhnung des amtlich anerkannten Torjägers in Aachen war kompliziert, er kam nicht richtig in Fahrt, auch weil ihn Verletzungen hemmten. Drei Treffer bei 28 Einsätzen ist keine besonders überzeugende Bilanz für die erste Spielzeit. Im Sommer wurde über eine schnelle Trennung gesprochen. Das Thema erledigte sich nach der Vorbereitung, der Stürmer gab die Antwort auf dem Feld.

Hammel beendete die erste Saisonphase als einer der Gewinner. „Es wird Zeit, dass du zeigst, dass ich keinen Blinden verpflichtet habe“, war der Marschbefehl von Fuat Kilic. Ein Jahr lang hatte er schützend die Hand über ihn gehalten. „Ich kenne seine Qualitäten.“ Die ausgedehnte Schonfrist endete im Sommer, Trainer und Zögling erwarten mehr Konstanz. Das gemeinsame Projekt lief gut an, Hammel startete als Stammspieler, dann verletzte er sich, fand nicht in die Spur.

Der Stürmer drängte sich nicht mehr auf. Kilic reagierte „enttäuscht bis sauer“ und nahm andere Werkzeuge in die Hand. Hammel wurde aus dem Kader gestrichen. „Ein Spieler mit dem Anspruch auf die Startformation muss mehr anbieten“, sagt sein Trainer. Der vorübergehend Aussortierte konnte die Maßnahme nachvollziehen, sagt er. Der nächste Anlauf. „Man muss sich durch Leistung anbieten.“ Als Stürmer hat man einen routinierten Umgang mit Rückschlägen. „Man lernt, den Kopf wieder hochzunehmen und auf die neue Chance zu warten“, meint er.

Die Bewährungszeit ist angebrochen. „Er kann nicht ewig Rückendeckung erwarten, er muss jetzt liefern“, sagt Kilic. Hammel ist kein Talent mehr, er wurde in dieser Woche 25 Jahre alt. In dieser froschgrünen Mannschaft wird ein Spieler in diesem „biblischen“ Alter fast schon gesiezt.

Hammel weiß, dass gerade vielleicht seine wichtigste Saison läuft. Der nächste Gegner heißt Wattenscheid 09, in den nächsten Wochen warten wieder defensive Gegner, die Aachen nicht so liegen, sagt Kilic. Angestrebt wird die maximale Ausbeute gegen Wattenscheid und nächsten Samstag in Rhynern. Auch in dieser Woche stand ein verschärftes Abschlusstraining auf dem Programm. Hammel war gut unterwegs.

Vergangenen Samstag stand er nach Monaten wieder einmal in der Startformation. Aus dem gelernten Mittelstürmer wurde ein Flügelspieler. In der letzten Sekunde des Spiels in Beeck machte Hammel sein Tor. „Er hat die Chance genutzt“, sagt sein Förderer. Er feierte ein kleines Happy End, das große steht noch aus.

Mögliche Aufstellung: Nettekoven - Winter, Heinze, Pluntke, Damaschek - Kühnel - Nebi, Fejzullahu, Pütz, Hammel - Torunarigha

Schiedsrichter: Jonas Seeland (Ennepetal)

Bilanz: 50 Spiele/18 Siege/7 Remis/25 Niederlagen/71:87 Tore

Mehr von Aachener Zeitung