Christian Titz wir neuer Trainer von Rot-Weiss Essen

Hafenstraße statt Hafenstadt : Christian Titz übernimmt Rot-Weiss Essen

Ein Trainer im Wartestand wollte Christian Titz nie sein. „Man ist plötzlich im Stand-by-Modus, obwohl man eigentlich den Energieakku noch voll hat“, hatte der damals 47-Jährige nach seiner Beurlaubung beim Fußball-Zweitligisten Hamburger SV gesagt, Ende Oktober 2018 war das.

Der Akku ist zuletzt nicht leerer geworden, ein gutes halbes Jahr war der bei den HSV-Anhängern überaus beliebte Übungsleiter ohne Anstellung im Fußballgeschäft. Die Zeit im Wartestand ist nun vorbei: Titz hat einen neuen Vertrag unterschrieben – bei einem Viertligisten.

Zur neuen Saison übernimmt er den Fußball-Regionalligisten Rot-Weiss Essen. Am Dienstagabend unterschrieb der 48-Jährige einen Zweijahresvertrag, verbunden mit dem Auftrag, den Traditionsverein in dieser Zeit in die 3. Liga zu führen. Am selben Tag, ein wenig früher, hatten die Essener Verantwortlichen Karsten Neitzel mitgeteilt, dass er von seinem Amt als Cheftrainer freigestellt wird. „Wir haben Karsten in der letzten Saison als Mensch und Trainer zu schätzen gelernt. Die sportliche Entwicklung und die Analyse der Gesamtsituation hat uns trotz seiner fachlichen Qualitäten zu dem Entschluss gebracht, den derzeitigen Umbruch auch auf der Position des Cheftrainers zu vollziehen“, wird Vorstand Marcus Uhlig auf der Homepage des Vereins zitiert.

Den Umbruch soll Titz nun moderieren. Schon unmittelbar nach der Entlassung Neitzels wurde Titz als Nachfolger an der Hafenstraße gehandelt, am Mittwoch folgte die Vollzugsmeldung. „Christian hat nachgewiesen, dass er sowohl einzelne Spieler als auch Mannschaften weiterentwickeln kann. Zudem beherrscht er den Umgang mit etablierten Spielern ebenso wie mit Nachwuchsakteuren. Vor dem Hintergrund unserer Planungen, zukünftig noch intensiver am Übergang von Jugend- zum Seniorenbereich zu arbeiten, war uns dieser Aspekt sehr wichtig“, sagt Sportdirektor Jörn Nowak.

Titz` Trainerkarriere startete 2000 bei Alemannia Aachen, vier Jahre lang betreute er die A-Jugend. In der kommenden Saison wird Titz erneut an die Krefelder Straße reisen, wenn RWE sein Ligaspiel auf dem Tivoli bestreitet. Der Westschlager soll nach der Vorstellung der Verantwortlichen beider Vereine ein Treffen zweier Spitzenteams werden, über den Aufstieg wird in Essen und Aachen nicht nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen.

Beim HSV war Titz nach Engagements beim 1. FC Passau, SCB Viktoria Köln und FC 08 Homburg gelandet. Zuerst trainierte er die U17 des Klubs, später dann die Zweitvertretung der Hanseaten. Die U21 gab er auf dem ersten Tabellenplatz der Regionalliga Nord ab, als die Beförderung erfolgte. Titz übernahm zunächst bis zum Ende der Saison 2017/18 von Bernd Hollerbach die Bundesligamannschaft, mit dem Ziel, den drohenden erstmaligen Abstieg des taumelnden Riesen zu verhindern. Es gelang nicht, die Verantwortlichen hatten sich aber bereits vor dem letzten Spieltag auf eine ligaunabhängige Zusammenarbeit über das Saisonende hinaus verständigt. Im Oktober endete das Kapitel Hamburger SV jedoch für Titz, nach einer kleinen Negativserie, obwohl der Rückstand auf Platz eins nur zwei Punkte betrug.

Nun geht es für den 48-Jährigen bei einem anderen ehemaligen Bundesligisten weiter. In Liga vier. Die soll so schnell wie möglich verlassen werden, auch durch die finanzielle Unterstützung von Sascha Peljhan. Der Essener Mode-Unternehmer hat seine Zusage gegeben, als strategischer Partner seinen Herzensklub zu unterstützen. Einen niedrigen siebenstelligen Betrag soll der RWE-Dauerkarteninhaber und Naketano-Gründer in den nächsten beiden Spielzeiten zur Verfügung stellen. Ein Teil der Summe wurde bereits investiert, U21-Europameister Dennis Grote schließt sich RWE zur neuen Saison an. Gecoacht wird der Ex-Bundesligaprofi in Zukunft von einem ehemaligen Bundesliga-Trainer: Christian Titz.

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