Bernhard Deil, Geschäftsführer der Stadion-Beteiligungsgesellschaft

Der Job des eigentlichen Manager des Tivoli : Ein Arbeitsplatz wie kein zweiter in der Stadt

Auch am Samstag wird Bernhard Deil wieder seine Bahnen durch den Tivoli ziehen, sich möglichst im Hintergrund aufhalten, stets beobachtend und immer mit dem Mobiltelefon in der Hand. Der Geschäftsführer der Aachener Stadion-Beteiligungsgesellschaft (ASB) muss von Berufs wegen Überblick und Durchblick behalten in dieser ganz besonderen Immobilie, die seit 2015 der Stadt Aachen gehört. Doch damals ahnte Bernhard Deil nichts von diesen Herausforderungen.

Seit August 1980 lebt der gebürtige Trierer mit seiner Frau in Aachen, wohin ihn eine interessante Aufgabe beim heutigen Gebäudemanagement lockte. Über viele Jahre war er zuständig für Energie und Technik in den städtischen Gebäuden. Doch nicht nur das. „In den Jahren 1999 bis 2003 war ich damit beauftragt, den alten Tivoli bundesligatauglich zu machen und anschließend die Ertüchtigung zu konzipieren“, erinnert sich der Ingenieur. Doch daraus wurde bekanntlich aus verschiedenen Gründen nichts, mit dem neuen Tivoli stadtauswärts des alten Stadions begann eine der größten „Rumpelstories“ in der deutschen Fußballgeschichte. Auf all dies hatte Bernhard Deil zunächst nur die Außensicht. Bis zum Mai 2016.

Eine Prüfung der technischen Anlagen und Einrichtungen führte beinahe zu einer Spielabsage. Imposante 365 Mängel wies eine Liste auf, die den beruflichen Alltag des Versorgungstechnikers Deil vorerst bestimmen sollten. Das Gebäudemanagement war gefordert, um die teils existenziellen Mängel auch in der Auseinandersetzung mit Stadionbauer Hellmich zu beseitigen – und Bernhard Deil fand eine jener Herausforderungen, die ihn beruflich stets gereizt haben.

Der Tivoli war sieben Jahre alt und hatte erheblichen Erneuerungsbedarf unter anderem in Elektronik, Brandschutz, Möblierung und Klimatisierung. Im Januar 2017 war die Liste nicht nur abgearbeitet, das Stadion ist bis heute auf dem aktuellen Stand der Technik. Und Bernhard Deil, inzwischen vom Prokuristen zum alleinigen Geschäftsführer der ASB aufgestiegen, begann mit dem Aufbau einer Geschäftsstelle samt Finanzbuchhaltung im Stadion.

Zwölf Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kümmern sich seither darum, dass der Tivoli wirtschaftlich vernünftig und technisch makellos genutzt werden kann. Das Heft des Handelns liegt also mitnichten in Händen der Alemannia. Die ist genauso Mieter bei der ASB wie die Fankneipe Klömpchensklub und vor allem das Eurogress und die „Westspiel“ mit dem Spielcasino, ohne die – so betont der Geschäftsführer – „der Laden dicht gemacht werden könnte“. Wegen dieser finanziellen Aspekte und der Tatsache, dass die ASB im Sinne der Stadt und des Stadtrates denken und handeln muss, hat auch der Fußballfan in ihm eine klare Sichtweise: „Wir brauchen Regeln – und die müssen beachtet werden.“

 Als Techniker ist Deil an den Tivoli gekommen, heute ist er Stadionmanager in der ganzen Breite der Aufgabe. Nicht immer macht man sich damit Freunde, denn das wachsame Auge im Sinne hoher Verantwortung gegenüber der Sicherheit der Menschen gehört zwingend dazu. Der 64-Jährige ist direkt verantwortlich und muss dementsprechend auch immer wieder die Pflichten einfordern. Und hier gebe es keinen Diskussionsspielraum, sagt er. Auch nicht bei der Kooperation mit der Alemannia. Gerade in diesem Binnenverhältnis sei gegenseitige rechtzeitige Information und Transparenz in den Abläufen von entscheidender Bedeutung für den Erfolg.

Und den will der Vater eines erwachsenen Sohnes ohne jeden Zweifel für den Traditionsklub. Als er 2016 erstmals das Stadion betreten habe, sei die Alemannia-Liebe sofort wieder entbrannt. Bei aller rationaler Herangehensweise sei klar, dass Alemannia wichtig für die Stadt sei, ein Identifikationsfaktor. Das zeige gerade das Pokalspiel gegen Leverkusen: „Aachen ist in dieser Hinsicht ausgehungert. Was würden einem hier für Möglichkeiten offen stehen, sowohl der Stadt Aachen als auch dem Verein.“

Ein Überzeugungstäter

Eine Perspektive, die sich dem Geschäftsführer gerade beim Blick ins Stadion aufdrängt. Eines der schönsten in der ganzen Republik, wie er findet. Auch deshalb schätzt er seine Aufgabe so. „Ich bin ein Überzeugungstäter. Eine Aufgabe zu verwalten, ist nicht sinnstiftend. Bei mir fängt der Spaß da an, wo andere mitunter an ihre Grenzen kommen.“ Arbeitslos wird er gewiss nicht. Der Platz zwischen Parkhaus und Freitreppe inklusive Treppe muss erneuert werden, weil der Untergrund marode ist.

Nach zehn Jahren muss auch die digitale Technik auf den neuesten Stand gebracht werden. Und auch zwischen Raumangebot und -nachfrage klafft eine Lücke. Hilfe könnte ein neuer Container neben der Regie- und Polizeileitstelle auf der vierten Etage bringen. Die Komplexität der Aufgabe wird auch in Zukunft nicht geringer. Für Deil kein Problem: „Wenn ich etwas übernehme, dann mache ich dies auch aus Überzeugung.“

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