DFB-Pokal in Aachen : Ausgeschieden – und dennoch ein Sieger

DFB-Pokal in Aachen : Ausgeschieden – und dennoch ein Sieger

Am Ende dieses aufregenden Fußballnachmittags auf dem Tivoli musste Fuat Kilic noch eine allerletzte Frage beantworten. Es war die danach, ob er am Abend noch feiern gehen würde, zumindest ein bisschen.

Alemannia Aachens Trainer überlegte nicht lange, er sagte: „Nee, nur nach Hause.“ Und grinste. Kilic fuhr zufrieden in die Heimat. Alemannia hatte zwar in der ersten Runde des DFB-Pokals mit 1:4 gegen Bayer Leverkusen verloren, und ihr Trainer ist keiner, der Niederlagen feiert – aber übel genommen hätte ihm das am Samstag niemand. Seine Mannschaft hatte sich gegen den Bundesligisten und Champions-League-Teilnehmer gut verkauft, sehr gut sogar. Kilic sagte: „Ich bin stolz auf mein Team.“

Komplimente vom Gegner

Der Regionalligist hat zwar verloren, er war im ersten DFB-Pokalspiel nach sieben Jahren gleich zum Auftakt ausgeschieden; alles andere wäre auch eine Sensation gewesen. Als Gewinner durften sich die Aachener nach der Partie irgendwie dennoch fühlen – weil sie Werbung mit ihrer guten Leistung in eigener Sache gemacht hatten. Vor 30.861 Besuchern, die auf den Tivoli gekommen waren, so viele wie seit langem nicht, und vor den Zuschauern der Fernsehübertragungen. Die Alemannia hat ein Fußballfest gefeiert und Sympathien gesammelt – und ihre Spieler waren dabei alles andere als Statisten.

So sah es auch Peter Bosz. „Kompliment an Aachen“, sagte Bayers Trainer. „Das 4:1 hört sich so an, als sei es einfach gewesen, aber das war es nicht.“ Weil der Plan der Aachener aufging: Sie verteidigten in der Defensive mit einer Fünferkette kompakt, ohne sich zu verschanzen; sie griffen mutig an, ohne dabei regelmäßig ausgekontert zu werden. „Wir haben uns nicht hinten reingestellt, sondern nach vorne verteidigt“, sagte Kilic. Anders als in den ersten beiden Regionalligapartien der Saison spielte seine Mannschaft unbekümmert auf, sie traute sich etwas zu. Von der ersten bis zur letzten Minute.

David Bors, Alemannias einzige Spitze, hatte bereits in der Anfangsviertelstunde mit zwei frechen Distanzschüssen gezeigt, dass die Hausherren durchaus mitspielen wollten, während Bayers erste Angriffsversuche meist beim umsichtigen Innenverteidiger Alexander Heinze endeten. Der Regionalligist hatte das Geschehen auf dem Platz überraschend im Griff, und es passte ganz gut, dass ein Aachener in der 19. Minute den ersten Treffer erzielte; es war allerdings ein bitteres Eigentor.

Begeisterung auf den Rängen: 30.861 Zuschauer verfolgten Alemannias Pokalspiel auf dem Tivoli – so viele wie lange nicht mehr. Foto: Wolfgang Birkenstock

Oder wie Kilic sagte: „Das war brutal, nachdem wir so gut im Spiel waren.“ Wendell kam über links, passte flach in die Mitte; die Hereingabe des Leverkusener Linksverteidigers landete nur bei Peter Hackenberg – doch Aachens Kapitän schob den Ball ins eigene Tor. Was unbeholfen aussah, hatte einen einfachen Grund: „Der Rasen war trocken und etwas länger, damit Leverkusen es schwerer hat – und dann bleibe ich selbst mit den hinteren Stollen hängen und stolpere den Ball ins eigene Tor“, sagte Hackenberg geknickt.

Es folgte die schwächste Aachener Phase, der Schwung war weg – und Bayer zeigte bei Kevin Vollands Schuss ins kurze Ecke zum 2:0, welche Qualität im Kader schlummert (39.). „Ich dachte, der Ball käme tiefer“, sagte Aachens Torwart Ricco Cymer, der nicht glücklich aussah.

Es gibt Außenseiter, die nach dem zweiten Tor des Favoriten zusammenbrechen, vor allem, wenn es kurz vor der Pause fällt; die Alemannia war keiner dieser Außenseiter. „Wir wollten in der zweiten Halbzeit die Fans euphorisieren und auf den Anschlusstreffer drängen“, sagte Kilic. Das klappte ganz gut: Stipe Batarilo versuchte es mit einem Freistoß direkt, Leverkusen Keeper Ramazan Özcan konnte den Ball gerade noch entschärfen (52.). Kurz darauf war aber auch er machtlos: Ballverlust Leverkusen, langer Ball Heinze, Bors verlängerte per Kopf auf Florian Rüter, ein präziser Pass auf Batarilo, ein Schuss – und Aachen feierte den Anschlusstreffer zum 1:2 (56.). Und nur 63 Sekunden später lag der Ausgleich in der Luft, diesmal bediente Batarilo Bors, doch der Stürmer vergab die große Chance aus kurzer Distanz. „Ich bin sicher, dass das Spiel anders gelaufen wäre, wenn wir das Ding gemacht hätten“, sagte Kilic (> Text unten).

„Einen Tick zu hoch“

Es kam bekanntlich anders: Aachen mühte sich zwar, aber Bayers Klasse setzte sich durch. Leon Bailey stellte mit seinem ersten Ballkontakt nach seiner Einwechslung auf 3:1 für Leverkusen (73.), den Schlusspunkt setzte Kai Havertz (88.); der Alsdorfer hatte bei seinem „Heimspiel“ zuvor die eine oder andere Chance ausgelassen. „Einen Tick zu hoch“, fand Kilic die Niederlage. „Das soll nicht vermessen klingen – aber wir hatten ja unsere Chancen.“

Aber immerhin die größte Möglichkeit hatte sein Team ja genutzt: die Zuschauer mitzunehmen. Kilic sagte: „Ich hoffe, dass wir ein Fünkchen weitere Begeisterung für den Ligaalltag wecken – und dass der eine oder andere wiederkommt.“ Nächste Woche gastiert der TuS Haltern zum Regionalligaspiel in Aachen. Weniger aufregend – für Alemannia aber genauso wichtig.

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