Aachen: Armand Drevina bleibt, Kristoffer Andersen wartet auf ein Angebot

Aachen: Armand Drevina bleibt, Kristoffer Andersen wartet auf ein Angebot

„Ja“, sagt Kristoffer Andersen, er sei ein glücklicher Mensch. Am Samstag hat er in Clermont seine Céline geheiratet, die er vor vier Jahren auf der Kirmes in Welkenraedt kennengelernt hatte. Nun schloss man den Bund fürs Leben, es war „eine schöne Zeremonie im Garten“, das Wetter spielte mit, Andersens Familie aus Dänemark war angereist und der engste Freundeskreis dabei.

„Keine Fußballer“, das wären sonst zu viele gewesen, „weil ich ja fast jedes Jahr den Verein wechsle“, selbst von den aktuellen Kollegen erschien keiner auf der Gästeliste. Andersen setzte klare Prioritäten — da muss man auch schon mal einen Champions-League-Final-Abend sausen lassen.

Bei der Frage, ob er denn auch ein glücklicher Fußballer sei, holt der 27-Jährige schon etwas weiter aus. „Für mich persönlich ist die Rückrunde gut gelaufen“, etwas Überzeugungsarbeit durch Ale-mannia Aachens Chefcoach René van Eck war nötig, der den Flügelspieler ins Zentrum zog. „Aber der Wechsel auf die Sechs hat mir gut getan. Ich habe noch nie so konstant und so oft über 90 Minuten gespielt wie in den letzten Monaten.“

Eigentlich alles prima: „Ich fühle mich mehr als wohl in Aachen.“ Kristoffer Andersen hätte vor der Saison, als er vom FC Ingolstadt endlich wieder nah an die belgische Heimat gewechselt war, „auch für zehn Jahre bei Aleman-nia unterschrieben. Und ich will ja auch jetzt nicht unbedingt weg“, in dieser traurigen Situation am Tivoli. „Aber ich werde nicht um jeden Preis bleiben. Ein bisschen Sicherheit brauche ich jetzt schon. Ich habe mein Limit.“

Andersen gehört zu den wenigen Spielern, die uneingeschränkt auch weiterhin als Profi-tauglich gelten, er war der heimliche Leader der Mannschaft. Von seinem Vater Henrik, dem Europameister 1992, und seinem Berater Kai Michalke, dem Ex-Alemannen, weiß Andersen, dass Uwe Scherr ihn gerne halten möchte. „Aber mit mir hat er noch nicht gesprochen. Ich habe noch kein Angebot bekommen.“

Mal davon abgesehen, dass die Regionalliga ohnehin eine schwierige Geschichte werde: In zwei Monaten ist Saisonstart, „man hat schon ein bisschen Angst, wie es weitergeht. Hier gibt es bis jetzt keinen Trainer, keinen Spieler.“ Gut, zwei bislang. Admir Terzic, und am Dienstag gab auch Armand Drevina seine Zusage für ein Jahr plus Option.

Klare Ansagen des Managers, auf die alle warten, soll es jetzt nach dem FVM-Pokalfinale (Mittwoch, 19.30 Uhr) in Bonn gegen Fortuna Köln geben. Scherr hatte die Entscheidung über die Nachfolge von René van Eck und damit zwangsläufig die Kaderplanung verschoben.

Fortunas Trainer Uwe Koschinat steht oben auf der Wunschliste, der Handlungsstrang möge sich nun so entwickeln: Köln verpasst nach dem Aufstieg auch den Einzug in den DFB-Pokal, der große Geldgeber verliert die Lust, Koschinat wird frei und bringt vielleicht noch ein paar Spieler mit. Eine Planung, die vom Verlauf von 90 oder 120 Spielminuten oder eines Elfmeterschießens abhängig ist. Geht’s schief, hätte Alemannia auch zwei Wochen ohne Entscheidungen verloren.

Kristoffer Andersen weiß von seinem Vater auch, dass er für die 4. Liga überqualifiziert ist. „Es ist schon wichtig für mich, was mein Vater sagt. Und wenn er sagt, dass ich das Niveau für die 2. Liga habe, dann glaube ich ihm das.“ Es gibt lockere Kontakte, auch ins Ausland, aber noch nichts Konkretes.

Dem Druck, mit dem letztlich viele junge Spieler seit der Winterpause nicht klargekommen sind, hat Andersen standgehalten. Sich jetzt nochmals unter Druck zu setzen, auch weil es um die Teilnahme am DFB-Pokal und für Alemannia um 100.000 Euro (für die Insolvenzmasse) geht, hält Andersen für keinen guten Ratgeber. „Konzentriert sein, nicht nervös, alles geben, um den Titel und den Pokal zu holen.“

Noch mal „ein gutes Spiel zu machen, das schadet keinem in dieser Situation“. Wann und wo man sich nach dem Abschlusstreffen am Donnerstag wiedersieht, das vermag niemand zu sagen.

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