Triumph im Pokal: Alemannias Saison endet mit riesigem Jubel

Triumph im Pokal : Alemannias Saison endet mit riesigem Jubel

Umjubelter Pokalsieg für die Kilic-Elf

Das letzte Bild dieser ausgedehnten Saison ist eines mit Pokal. Die Mannschaft posiert mit der Trophäe, tausende Fans feiern im Hintergrund. 15 Jahre ist es her, dass Alemannia im großen DFB-Pokalfinale stand. Und nun gewann das Team das „kleine” Finale im Fußballverband Mittelrhein in Bonn-Aachen.

Der 3:1-Sieg gegen Fortuna Köln im 100.000 Euro-Spiel war durchaus verdient. „Da ist endlich das Ding”, brüllte Trainer Fuat Kilic in den Bonner Abendhimmel. Auch für den Trainer war es eine Belohnung für 3,5 Jahre intensive Arbeit am Tivoli. „Das ist ein phantastischer Moment nach so vielen Rückschlägen.”

Schlechter hätte diese Partie für die Aachener allerdings nicht beginnen können. Der erste Versuch der Kölner war gleich erfolgreich. Bernard Kyere traf aus etwa 20 Metern ins Netz. Gespielt waren da erst vier Minuten, und sollten das Spiel einmal taktische Fesseln gehabt waren, so waren sie in diesem Moment bereits gesprengt. Vorhang auf zum Schlagabtausch. Schon froh flogen die Funken bei den Zweikämpfen, Schiedsrichter Nico Fuchs hatte Mühe, in die Partie zu finden.

Die Aachener schüttelten sich ein paar Minuten, um dann erste eigene Gelegenheiten zu kreieren. Dimitry Imbongo legte fein auf für Steven Rakk, der aus 16 Metern Fortunas Torwart Nikolai Rehnen zu einer ersten Parade zwang (12.).Rakk war der Überraschungsgast in der Aufstellung, Fuat Kilic setzte einen zusätzlichen defensivstarken Mittelfeldspieler. Die Aachener blieben ein bisschen nervös, die Abstände zwischen den Linien waren zu groß, und wieder schlüpfte Kyere durch das Netz. Kölns Angreifer tauchte unbehelligt vor Aachens Keeper auf, der ihm gekonnt denBall vom Fuß fischte. Niklas Jakusch verhinderten einen frühen K.o-Schlag. (18.). Für Kyere aber endete die Saison nur ein paar Minuten später. Der vorbestrafte Angreifer war seinem Trainer zu wild unterwegs, Oliver Zapel ersetzte ihn vorsichtshalber durch Serhat Güler (21.) - und war sauer: "Wir haben ein einziges kleines Trümpflein, und das müssen wir aus dem Spiel nehmen. Wir bringen uns selbst um die Früchte der Arbeit."

Alemannia übernahm das Kommando. Fortunas Keeper bekam ein paar Fernschüsse serviert. Mal wehrte er folgenlos einen Versuch von Batarilo nach vorne ab (33.), dann rettete er gegen Blendi Idrizi (34.). Die Aachener nisteten sich eine lange Weile in der gegnerischen Hälfte ein, die kleine Belohnung waren vier Eckbälle. Aachener Standards waren fast ungewohnt gefährlich. Die größte Gelegenheit bekam Manuel Glowacz nach einer Variante, seinen Schlenzer lenkte Rehnen am Ziel vorbei (37.). Nach dem nächsten ruhenden Ball reklamierte ganz Aachen einen Strafstoß, nachdem David Pütz kurz vor dem Tor von Bone Uaferro einen kräftigten Schubs erlitt (41.). Videobeweise gibt es auch in einem Endspiel nicht, und so änderten die Proteste: nichts. Die Nachspielzeit zog für unzufriedene Aachener auf. Und so nutzten eine Chance, die gar keine war. Dimitry Imbongo nahm den Ball am Strafraumeck an, er stand mit dem Rücken zum Tor, Fortuna war deutlich in Überzahl, der 29-Jährige schlängelte sich um einen Gegenspieler, um dann kernig zu vollenden zum 1:1 (45.).

Die letzten Restzweifel waren verflogen. "Wir haben nach schwächeren Wochen den Schalter im richtigen Moment umgelegt”, strahlte Kapitän Peter Hackenberg.

Der Führungstreffer lag nach dem Wechsel schnell in der Luft. Der quirlige Blendi Idrizi (47.) und auch Robin Garnier (52.) zielten noch knapp vorbei. Dann setzte sich Imbongo enorm robust an der Torlinie durch, seine Vorlage schob Stipe Batarilo mühelos zum 2:1 ein (67.). „Bei uns sind die Köpfe ein bisschen runtergegangen. Diese Saison war mental und psychisch enorm anstrengend”, berichtete Kölns Verteidiger Dominik Ernst am Ende. Die Aachener mussten nur noch einmal von ihrem Glückskonto abheben. Die Vorlage von Ernst lenkte Güler aufs Aachener Tor. Mit einem letzten Reflex in dieser Spielzeit verhinderte Torwart Niklas Jakusch den Ausgleich. Das war eine schöne Pointe in diesem Finale, dass der Torwart, der lange Monate fehlen musste, im entscheidenden Moment seine Mannschaft im Spiel hielt.

Die Aachener brachten die Beute mühelos ins Ziel. Wieder bereitete Imbongo vor, diesmal vollendete Glowacz zum 3:1 (85.). Fortunas Kurzzeit-Trainer Oliver Zapel war bedient, nicht nur, weil Steven Ruprecht noch eine Rote Karte kassierte (90.). „Für uns ist das ein katastrophales Ende dieser Saison.”

Auch Aachens betont schönes Saisonende war eines mit Missklängen. Tausende überschwängliche Fans strömten auf das Spielfeld, die Siegerehrung musste verschoben werden. „Solche Schwachmaten schaden dem Verein und dem Fußball”, urteilte FVM-Präsident Alfred Vianden. Und auch Stadionsprecher Robert Moonen wurde deutlich, als die Fans nicht zurückwichen. „Ihr habt diese Mannschaft nicht verdient.” Zum allen Überfluss verletzten sich auch noch Fans und Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes.

Es dauerte ein Weilchen, bis der lang ersehnte Erfolg in geordneten Bahnen verlief. Jahrelang hatte Alemannia auf diesen Pokal gewartet und jetzt kamen noch einige zusätzliche Minuten dazu.

Dann ging die Party richtig los. „Feuer frei”, ordnete Kilic nach einigen Bierduschen an.

Dimitry Imbongo war auch nach Spielende nicht zu bremsen. Der Brummkreisel führte die Sieger an. Der Angreifer wurde von einer Jury zum „Man of the match" ausgerufen. Sich selbst rief er zum Wettsieger aus. 15 Saisontore hatte er angekündigt. 14 waren es wettbewerbsübergreifend geworden. „Plus die beiden Vorlagen heute”, rechnete er vor, „das macht 15”. Kilic akzeptierte die neuen Bedingungen. „Ich werde zahlen”, grinst er. An seinem bisher besten Tag bei Alemannia wollte er ganz sicher kein Spielverderber sein.

Aachen: Jakusch - Fiedler, Heinze, Hackenberg, Garnier (90. Redjeb) – Pütz - Glowacz, Idrizo, Rakk (75. Müller), Batarilo - Imbongo

Weiter im Kader: Zeaiter, Tigges -Salata, Boesen, Temür, Rüter, Schmitt

F. Köln: Rehnen - Ernst, Brandenburger, Uaferro, Schiek (73. Andersen) - Fritz, Kurt, Eberwein -AbuHanna (46. Ruprecht), Kyere (21. Güler), Scheu

Schiedsrichter: Fuchs (Bergisch Gladbach) Zuschauer: 6645 Tore: 0:1 Kyere (4.), 1:1 Imbongo (45.), 2:1 Batarilo (54.) 3:1 Glowacz (85.) Gelbe Karten: Heinze, Müller/Kyere, Kurt, Schiek Rote Karte: -/Ruprecht (grobes Foulspiel)

Mehr von Aachener Zeitung