Alemannias Manuel Glowacz will den Durchbruch

Alemannia Aachen gegen Wattenscheid: Feinmechaniker trifft auf den Ex-Klub

Vielleicht war das denn endlich das ersehnte „Durchbruch“-Spiel, das lässt sich genauer erst in ein paar Monaten sagen. Der Gegner war nur ein Landesligist, und es war auch ein anderer Wettbewerb, „aber es hat trotzdem gut getan“, sagt Manuel Glowacz.

Zwei Treffer hat er im Pokal bei der SV Schlebusch erzielt, zwei Treffer, die Rückenwind verleihen sollen. Denn bislang hat Alemannias Neuzugang in den ersten Monaten am Tivoli seinen Rhythmus noch nicht gefunden. Das liegt auch daran, dass er einen komplizierten Armbruch während der Vorbereitungszeit erlitt. Die Spätfolgen der Operation - sechs Nägel und eine Platte - werden irgendwann im Sommer entfernt. Die mentalen Spätfolgen sollen früher verschwinden.

Sein neuer Trainer Fuat Kilic fordert nicht nur mehr „Tiefe“ in seinem Spiel und mehr Abschlüsse. „Es geht auch um mehr Entschlossenheit in seinen Zweikämpfen“, sagt der 45-Jährige. Für Glowacz ist das im zarten Alter von 31 Jahren noch einmal eine neue Herausforderung, denn ein finster entschlossener Zweikämpfer ist er nie gewesen. „Wenn ich diese Qualität noch gehabt hätte, wäre es vermutlich noch in höhere Ligen gegangen“, sagt der Techniker, dessen Vater Jürgen von 1971 bis 1982 in 253 Bundesligaspielen vor allem für den 1. FC Köln, Werder Bremen und Bayer Leverkusen am Ball war.

Fuat Kilic: „Wir wollen gegen Wattenscheidt ein anderes Gesicht zeigen.“

Der technisch hoch veranlagte Junior dagegen versucht eher das Spiel zu lesen, um Kollisionen möglichst aus dem Weg zu gehen. In dieser ziemlich robusten Aachener Gruppe ist er eher ein Feinmechaniker. „Ein bisschen muss ich mein Spiel umstellen“, sagt Alemannias Stubenältester. Gefragt sind nun auch robuste Balleroberungen. So steht es im Anforderungsprofil. „Es ist nie zu spät, sich zu verbessern“, sagt Glowacz, der auch schon in der ersten Jahreshälfte 2005, damals noch für die A-Jugend, für Alemannia aufgelaufen ist. In der aktuellen Hinrunde war er meistens unter Wert unterwegs. „Er muss mit seinem Können und seiner Biographie den Anspruch haben, ein Führungsspieler bei uns zu sein“, fordert sein Trainer ein.

Manuel Glowacz vor dem Auswärtsspiel gegen die SG Wattenscheid 09

Die Formkurve zeigt nicht nur wegen der beiden Pokaltreffer nach oben. Unter der Woche verwandelte er in einem Testspiel gegen die eigene A-Jugend auch einen Freistoß. Gerade wegen seiner herausragenden Fähigkeit bei ruhenden Bällen ist Glowacz verpflichtet worden. Fast im Akkord hat er bei seinen vorherigen Vereinen Freistöße versenkt und torbringende Eckbälle geschlagen. Bei Alemannia fehlt noch ein bisschen das Schlachtenglück, der Größenvorteil der Mannschaft kommt zu selten zum Tragen, wenn Glowacz seine Vorlagen liefert.

Das soll sich ändern in den nächsten Monaten sagt Glowacz. „Ich will noch mehr zeigen, was mich in den letzten drei Jahren ausgemacht hat.“ Besonders hat ihn ausgemacht, dass er Freistöße für Wattenscheid 09 verwandelt hat - bevorzugt auch gegen Alemannia. Am Samstag kehrt er nun ins Lohrheidestadion zurück, wo er drei Jahre durchaus erfolgreich gekickt hat. Die Gastgeber erleben gerade turbulente Zeiten, monatelang wurden keine Gehälter gezahlt. Am Donnerstag wurde das Geld nun überwiesen, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Oguzhan Can.

Wattenscheid ist nicht zwingend der Lieblingsgegner der Aachener. „Das Hinspiel (0:2) war das schlechteste Spiel in der ganzen Saison“, sagt Fuat Kilic. Der Coach muss seine Formation ändern, neben Sebastian Schmitt, Niklas Jakusch (Virus) und Marc Kleefisch (Grippe) fallen auch die beiden Achsspieler Kai Bösing (Knieschaden) und Peter Hackenberg (gesperrt) aus. Auf der anderen Trainerbank sitzt der Kollege Farat Toku, der am liebsten jede Woche gegen Alemannia antreten würde. Sieben Spiele, sieben Siege ist seine persönliche Bilanz. „Wir sollten das schleunigst ändern“, sagt der Ex-Wattenscheider Manuel Glowacz.

Mehr von Aachener Zeitung