Aachen: Alemannias Kapitän: „Wir können den Anschluss noch schaffen“

Aachen: Alemannias Kapitän: „Wir können den Anschluss noch schaffen“

Samstagnachmittag startet für Alemannia die zweite Saisonhälfte, auch wenn noch zwei Spiele nachgeholt werden müssen. So richtig schlau wird man aus der Mannschaft, die in der Insolvenz geformte wurde, nicht. An guten Tagen ist sie auf Augenhöhe mit den besten Teams der Fußball-Regionalliga, an schlechten Tagen verliert sie mühelos gegen Teams aus dem Rotlichtmilieu der Tabelle.

Vor dem Rückrundenstart um 14 Uhr im Rheydter Grenzlandstadion bei Bussia Mönchengladbach II sprach unser Redakteur Christoph Pauli mit Aachens Kapitän Nils Winter.

Herr Winter, wie beschreiben Sie die Hinrunde?

Nils Winter: Wir haben zu wenige Punkte geholt. Erndtebrück schießt einmal auf unser Tor und gewinnt 2:0. Bei Spielen wie in Verl, gegen Düsseldorf II oder Wiedenbrück hätten wir konsequenter sein müssen. Das liegt immer noch schwer im Magen. Auf der anderen Seite haben wir in überzeugenden Spielen wie bei Dortmund II oder Uerdingen gut gepunktet. Unterm Strich sind wir zufrieden mit der Performance, aber nicht mit der Ausbeute.

Gibt es eine Entwicklung in diesem Team?

Winter: Nach dem Spiel gegen Düsseldorf II, als wie in der Schlussphase eine 3:0-Führung verschenkt haben, haben wir uns zusammengesetzt. Seitdem ist es kommunikativer auf dem Platz, und beim Training und in der Kabine geht es mehr zur Sache. Es ist mehr Schärfe reingekommen.

Der Abstand zur Spitzengruppe lässt sich in Punkten definieren, wie groß ist er vom Gefühl her?

Winter: Wir sind nicht weit entfernt. Wir haben schon die Überzeugung, dass wir den Anschluss noch schaffen können, wenn wir bis zur Winterpause energisch punkten.

Mit Ausnahme des Spiels bei Viktoria Köln hat Ihre Mannschaft gegen kein Spitzenteam verloren. Warum lässt die Alemannia so viele Punkte gegen schwächere Teams liegen?

Winter: Das hat leider Tradition am Tivoli. Einerseits ist das ein mentales Problem für unsere junge Mannschaft. Andererseits gehört für die meisten Teams ein Spiel am Tivoli zu den Saisonhöhepunkten, da wachsen sie dann gerne über sich hinaus. Sie wittern ihre Chance, wenn man nicht schnell deutlich in Führung liegt.

Welche Ziele hat das Team noch?

Winter: Wir haben viel Potenzial, das sage ich auch nicht zum ersten Mal. Wenn wir mental noch robuster werden, bringen wir Spiele mit klarer Führung besser durch. Wir können dann definitiv oben mitspielen.

Wieso verkrampft die Mannschaft regelmäßig, wenn sie ins obere Tabellendrittel springen könnte?

Winter: Das ist eine gute Frage, ich kenne die Antwort nicht. Für mich waren die Niederlagen gegen Essen und Wattenscheid zuletzt mental bedingt. Wir verkrampfen auf der Zielgeraden.

Das Wattenscheid-Spiel geht in die Verlängerung und hat ein Nachspiel vor der Spruchkammer, die Fuat Kilic anklagen wird. Ist eine drohende Sperre Ihres Trainers ein Thema in der Mannschaft?

Winter: Nein, das hat mit unserem Programm in den nächsten Wochen nichts zu tun.

Gibt es Mitspieler, die Sie positiv überrascht haben in den letzten Monaten?

Winter: Einige sogar. Meik Kühnel muss ich nennen, nicht nur, weil er mein bester Freund ist. Er war in der letzten Saison Gelegenheitsarbeiter, jetzt ist er ein wichtiger Stammspieler. David Pütz, Tobias Mohr, Maurice Pluntke oder Junior Torunarigha haben eine starke Vorrunde gespielt. Ich könnte viele nennen, die einen Sprung gemacht haben.

Gilt das pauschale Lob auch für den Kapitän?

Winter (lacht): Das könnte schon sein, auch wenn ich mir schon wünschen würde, dass noch die eine oder andere Vorlage mehr dazu kommen würde.

Ist es — rein theoretisch — denkbar, dass Sie in der Rückrunde Ihr allererstes Tor für den Verein schießen?

Winter: Der Plan bestand schon für die Hinrunde. Ich bin ein paar Mal böse geschnitten worden von Kollegen, wenn ich sehr aussichtsreich unterwegs war. Das geht so nicht weiter (grinst).

Mögliche Aufstellung: Nettekoven - Winter, Heinze, Pluntke, Fiedler - Kühnel - Azaouaghi, Pütz, Fejzullahu, Mohr - Hammel

Bilanz: 9 Spiele/1 Sieg/5 Remis/3 Niederlagen

Schiedsrichter: Robin Delfs (Oberhausen)