Aachen: Alemannias Florian Rüter ist ein Gewinner der Vorbereitung

Aachen: Alemannias Florian Rüter ist ein Gewinner der Vorbereitung

Der frühkindliche Spracherwerb von Levi Rüter hat sehr verheißungsvoll angefangen. „Papa! Tor! Aachen!“, strahlt der Zweijährige. Solche Einwort-Sätze sind Musik in den Ohren der Alemannia-Fans. Der Papa war der Erste. Alemannias erster Neuzugang in dieser Saison.

Die Kollegen waren noch in Urlaub oder auf Wohnungssuche, da organisierte Florian Rüter mit seiner Familie und Boxerin Bella bereits den Umzug nach Aachen-Forst. Tempo zeichnet Florian Rüter nicht nur auf dem Spielfeld aus.

Er geht die Dinge durchaus energisch an. Der Neuzugang ist einer der Gewinner der Vorbereitung. Man stöpselt ihn ein, und es funktioniert bislang. Rüter, der am Ende der Saison häufiger auftauchte, wenn Medien die „Elf der Saison“ kürten, hat sich schnell eingelebt.

Zurück in die Landesliga

Seine Karriere verlief durchaus im Zickzackkurs. Ausgebildet wurde der Rechtsfuß im Nachwuchsleistungszentrum von Arminia Bielefeld. Dort kickte er in der Zweitvertretung, ehe er zu den Sportfreunden Lotte wechselte. Dann ging es ein paar Etagen tiefer. Rüter heuerte in der Landesliga beim ambitionierten SV Rödinghausen an, der ausgezogen war, ein paar Klassen gut zu machen. Rüter hat das Projekt im Sommer verlassen. „Wenn man die Möglichkeit bekommt, in einem solchen Stadion mit solchen Fans spielen zu dürfen, sollte man sie nutzen.“

Der 25-Jährige hat ein Urlaubssemester in seinem Sportmanagement-Studium eingelegt. Er will erst einmal Fuß fassen in Aachen. Ohnehin ist die berufliche Perspektive noch eher vage. Ein Jahr hat er im Wittekindshof in seiner Heimat Bay Oeynhausen „Schlafbereitschaft“ von 20 bis 8 Uhr gehabt. Die Einrichtung des Diakonischen Werks unterstützt Menschen mit Behinderung. Auch die Arbeit in diesem Bereich ist später mal denkbar, sagt er.

Der Einstand am Tivoli war unkompliziert, das Team steht weiterhin in dem Ruf, es Neulingen nicht besonders schwer zu machen. „Und wenn man 25 Jahre ist, hat man keinen Bammel, wenn man die Heimat verlässt“, sagt er. Zumal die Familie mitgezogen ist in den tiefen Westen. Die Karriere verlief ein bisschen zufällig, der private Lebensweg war früh geplant. „Familie ist mir sehr wichtig.“ Mit 23 Jahren war er verheiratet und Vater von Söhnchen Levi. Der junge Mann ist schon ein begeisterter Stadiongänger. „Papa! Tor! Aachen!“ Noch ist Levi mit der Beobachtung alleine, Treffer sind dem Vater nur in der Vorbereitung gelungen. Aber die Platzierung in der Torjägerliste wäre ohnehin eine verkürzte Darstellung für den Offensivspieler. Rüter ist ein laufstarker Spieler, der den Gegner schon beim Spielaufbau regelmäßig auf die Nerven geht.

„Ich weiß, was ich kann“, sagt er. Und das klingt — wenn man es so liest — kecker als es gemeint ist. Rüter ist kein Lautsprecher, kein Spieler, der auch nur eine kleine Gelbe Karte wegen Meckerns erhalten wird. Trotzdem ist der ruhige Mittelfeldspieler durchaus selbstbewusst. Er kommt in hohem Tempo auf beiden Flügeln daher und ist durchaus trickreich. „Ich kann 1:1-Situationen gut auflösen.“ Rüter gehört in die inzwischen weitverbreitete Kaste der polyvalenten Spieler, die sich auf mehreren Positionen wohl fühlen. „Unser System ist ohnehin nicht starr, wir rochieren viel.“ Die Intensität hat zugenommen mit dem Klubwechsel. „Schon das Training verläuft mit viel Tempo.“

Noch ist die Mannschaft in der Findungsphase, in den ersten beiden Spielen waren beträchtliche Schwankungen eingebaut. „Wir müssen uns noch die Saison einfuchsen“, sagt Rüter. Dem Team gehen noch ein paar Selbstverständlichkeiten ab. „Ich bin nicht unzufrieden mit meinen ersten Spielen,“ sagt er, „aber ich denke, dass mehr geht.“ Die nächste Herausforderung steht schon am Samstag in Oberhausen an. Bei einer Mannschaft mit ähnlichen Ansprüchen. Levi wird wohl auch dabei sein und singen: „Papa! Tor! Aachen!“

Voraussichtliche Aufstellung: Löhe - Winter, Hackenberg, Löhden, Vrzogic - Müller, Staffeldt, Propheter, Dowidat — Maier, Rüther

Schiedsrichter: Sven Waschitzki (Essen)

Bilanz: 88 Spiele/31 Siege/25 Remis/22 Niederlagen/109:99 Tore

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