Aachen: Alemannias Fans feiern das 4:2 und René van Eck

Aachen : Alemannias Fans feiern das 4:2 und René van Eck

Es ist eher die Ausnahme, einen Trainer zu feiern, der den Verein unplanmäßig verlässt, schon gar nicht nach einem Abstieg. Die Fans von Alemannia Aachen boten nun am Samstag nach dem 4:2 gegen die „Zweite“ des VfB Stuttgart solch ein bemerkenswertes Schauspiel, „obwohl sie in dieser Saison nicht verwöhnt wurden“. René van Eck genoss die Bekundungen der Sympathie.

„Ich bin mit meiner Art wohl angekommen bei den Leuten“, stellte der Niederländer fest. Auch Uwe Scherr wollte den Chefcoach offiziell verabschieden. Das lehnte van Eck jedoch ab, „weil die Sache komisch gelaufen ist“, die Sache mit dem Angebot zur Vertragsverlängerung.

Alemannia feierte gegen Stuttgart den ersten Sieg nach elf Spielen - der Klassenerhalt ist aber auch vom Tisch, wenn anderen Menschen die Lizenz verweigert wird. Foto: Martin Ratajczak

In der Fan-IG war im Rahmen des gemeinsamen Grillens am Donnerstag sogar die Idee zu einer Sammelaktion geboren worden, um die Lücke zwischen den finanziellen Vorstellungen zu schließen. Scherr sprang darauf gar nicht erst an: „Wir sollten keine Zeit mehr verschwenden mit Sentimentalitäten.“ Die Huldigungen der Fans hätten ihn gleichwohl „sehr gefreut für René, das hat er verdient“.

Kapitän Sascha Herröder und Timmy Thiele mussten Nachhilfe-Unterricht geben. Als das vorläufig letzte Heimspiel im Profifußball abgepfiffen war, forderte die Stehtribüne: „René auf den Zaun.“ Van Eck wusste zunächst nicht, was er dort anstellen sollte; nach einer kurzen Einweisung durch seine zwei Spieler gab er dann die Kommandos zur „Humba“.

Vor dem Anpfiff hatten die 8892 Zuschauer des Trainers gedacht, den sie am Tivoli so verehren wie keinen zweiten — Werner Fuchs, der auf den Tag vor 14 Jahren beim Waldlauf mit der Mannschaft gestorben war. Nach dem Sieg gegen den „kleinen“ VfB bejubelte das Publikum René van Eck und das Team. „Man hätte denken können, dass wir aufgestiegen sind“, sagte der zweifache Torschütze Robert Leipertz.

Nach zehn Niederlagen in elf Spielen landete Alemannia den ersten „Dreier“ seit dem 23. Februar (3:0 gegen die Stuttgarter Kickers). Dabei hatte René van Eck über Nacht seine Idee von der Startelf umfangreich modifiziert. Im Tor stand doch wieder Kevin Rauhut, auf der Doppelsechs spielte Sascha Marquet neben Kristoffer Andersen, Leipertz wirkte zentral hinter der Spitze Norikazu Murakami, Thiele kam über den rechten Flügel. Und das ganze Team gut ins Spiel: Geyer klärte gegen Murakami auf der Linie (7.), zwei Minuten später setzte der Japaner einen Kopfball übers Tor. Der „kleine VfB“ machte sich nach einer Viertelstunde frei, Janzer scheiterte mit einem Schuss an die Latte und drosch den Ball im zweiten Versuch übers Tor.

Alemannias optische Überlegenheit brachte in der 28. Minute erstmals Zählbares. Eine Flanke von Oguzhan Kefkir lenkte Leipertz im Fünfmeterraum zum 1:0 ins Netz. Thiele stand zwei Mal in aussichtsreicher Position, um die Führung auszubauen; drei Minuten nach der Pause prüfte der Stürmer aus 18 Metern VfB-Keeper Vlachodimos. Murakami sowie Marquet nach einem Solo über das halbe Feld ließen weitere Chancen ungenutzt, dann feierte Murakami (seine Auswechslung war schon angezeigt) seine Tor-Premiere (57.).

Aachen entschied sich wieder für ein bisschen Drama. Innerhalb von sieben Minuten war das 2:0 verspielt. Rauhut kassierte den ersten Stuttgarter Treffer durch Maletic (65.), verließ den Platz wegen Leistenproblemen aus einem Zusammenprall mit Herröder schon in der ersten Halbzeit; dann musste Mark Flekken das 2:2 durch Breier (72.) quittieren.

Robert Leipertz‘ Doppelpack

Aber nur eine Minute nach dem Ausgleich eroberte Kefkir den Ball und traf mit einem Flachschuss ins lange Eck zu seinem sechsten Saisontor. Und Leipertz schnürte seinen Doppelpack, als er eine Minute vor Spielende eine Hereingabe von Strujic zum 4:2 über die Linie drückte. „Die Mannschaft weiß jetzt, dass sie noch gewinnen kann“, sagte Uwe Scherr, im Hinblick auf das große Ziel FVM-Pokalfinale gegen Fortuna Köln nicht ganz unwichtig.

„Die Mannschaft hat sich aber nicht aufgegeben und das gemacht, was wir uns vorgestellt hatten: uns sauber zu verabschieden“, sagte René van Eck. Nur eine Minute nach dem Ausgleich eroberte Kefkir den Ball und traf mit einem Flachschuss ins lange Eck zu seinem sechsten Saisontor. Und nachdem Leipertz eine prächtige Chance freistehend vergeben hatte (75.), schnürte er doch noch seinen Doppelpack, als er eine Minute vor Spielende eine Hereingabe von Sasa Strujic aus kurzer Distanz zum 4:2 über die Linie drückte; Saisontor Nummer fünf.

Eine Viertelstunde dauerte die schwarz-gelbe Abschiedsrunde vom Profifußball an der Krefelder Straße. „Gänsehaut pur“, sagte Sascha Herröder. Und nicht nur Robert Leipertz war „bewegt, wie die Fans den Trainer gefeiert haben“. René van Eck: „Für mich ein Zeichen der Anerkennung, dass ich immer alles gegeben habe für den Verein.“

Am Samstagabend führte der Manager die ersten Telefonate mit potenziellen Trainerkandidaten, Namen nennt Scherr nicht. „Optimal wäre ein junger, ambitionierter Trainer, der aber schon Erfahrung mitbringt.“ Der bereits angebotene Gert Engels ist da nicht die erste Wahl, dennoch will Scherr sich mit dem Dürener noch unterhalten. Die Nachfolge von René van Eck soll „so schnell wie möglich“ geklärt werden, um in Abstimmung mit dem neuen Mann den Regionalliga-Kader zusammenzustellen.

Erste Gespräche mit Spielern wie Robert Leipertz („Ich würde gerne bleiben“), Sascha Marquet und Dario Schumacher bzw. deren Beratern hat Scherr geführt. „Ich gebe da schon Gas“, sagt der Manager. „Aber jedem muss klar sein, dass die Regionalliga kein Spaziergang sein wird.“

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