Aachen: Alemannia verliert gegen Wattenscheid: Nachspiel für Kilic

Aachen: Alemannia verliert gegen Wattenscheid: Nachspiel für Kilic

Die Nachspielzeit wird ein Nachspiel haben — zumindest für Fuat Kilic. Vier Minuten hatte der Unparteiische Jonas Seeland angezeigt, da tankte sich der eingewechselte Emre Yesilova durch und wurde im Strafraum vom Wattenscheider Keeper Edin Sancaktar zu Fall gebracht. Der erhoffte Pfiff blieb aus, und damit war die 1:2 (1:0)- Niederlage von Alemannia Aachen in der Fußball-Regionalliga gegen die 09er besiegelt.

Und Aachens Coach flippte aus: Nach einem Wortwechsel mit dem Assistenten hatte ihn der Schiedsrichter auf die Tribüne verbannt, danach wollte der sonst so freundliche Coach dem Unparteiischen an den Kragen, musste von zwei Mann aus seinem Team mit körperlichem Einsatz vom Platz gedrängt werden. Seeland pfiff erst gar nicht mehr an — und Kilic suchte wieder die körpernahe „Diskussion“ mit ihm, erneut nur mühsam gebändigt.

Äußerlich wieder ruhig kartete Kilic später verbal nach: „ Den nicht gegebenen Elfmeter muss der Schiri mit seinem Gewissen abmachen. Ich kann sehr schwer mit Ungerechtigkeiten fertig werden“, fühlte sich der 44-Jährige zuvor vom Linienrichter provoziert. „Ich kenne ihn von anderen Spielen und hatte das Gefühl, er hat schon lange darauf gewartet, dass er mich da hat, wo er mich jetzt hat. Dabei habe ich nur zu ihm gesagt, dass ich gespannt sei, was jetzt passieren würde.“

Dass man sich mit Sicherheit vor der Spruchkammer wiedersehen wird und Aachens Coach sicher einige Spiele Bedenkzeit auf der Tribüne erhalten wird, ficht ihn nicht an: „Die Konsequenzen sind mir sch…egal. Mich ärgert die Arroganz, wie mit uns Trainern umgegangen wird. Alle werden geschützt, die Schiedsrichter, die Spieler, nur Trainer ist ein ungeschützter Berufszweig.“

Die Szene war sicherlich umstritten: „Der SG-Keeper hat sich nur zwischen den Ball und Yesilova geworfen“, sah Kilic die Szene klar. Allerdings hatte Yesilova auch Kontakt zum gegnerischen Torwart gesucht — und bezeichnend erst gar nicht reklamiert, als der Pfiff ausblieb. Spielentscheidend war die Szene allerdings nicht, auch wenn ein erfolgreicher Strafstoß wohl noch einen Punkt eingebracht hätte. Die Aachener hatten in der zweiten Hälfte das Spiel, das sie bis dahin dominiert hatten, unerklärlicherweise selbst aus der Hand gegeben.

In der ersten Hälfte waren die Gastgeber feldüberlegen, hatten mehr Ballbesitz, machten das Spiel gegen kompakt und tief stehende Wattenscheider, die kaum Entlastungsangriffe fahren konnten. Nur bei zwei Distanzschüssen — von Steve Tunga Malanda (20.) und Demir Tumbul (33.) - musste Aachens Keeper Patrick Nettekoven sich in Hälfte eins mal strecken. Aachen erarbeitete sich auf der Gegenseite zahlreiche Möglichkeiten, aber „zu oft haben wir noch mal und noch mal quer gelegt statt einfach mal draufzuhalten“, bemängelte Kilic die Chancenverwertung.

Daniel Hammel (9.) reagierte nach einer Flanke von Mergim Fejzullahu zu langsam, sein Schuss wurde von der SG-Abwehr geblockt. Immer wieder rannten sich die schwarz-gelben Angreifer in dem kompakten Abwehrblock fest. So musste ein Standard her: Meik Kühnel schoss die Ecke platziert auf den Kopf des freistehenden Marcel Damaschek (16.), der mühelos verwandelte. Der quirlige Fejzullahu hatte die besten Chancen zu erhöhen, doch Sancaktar lenkte den Ball noch zur Ecke (36.) bzw. konnte parieren (44.).

„Aachen hat richtig Druck gemacht, wir konnten froh sein, dass es nur 0:1 stand“, wurde SG-Coach Farat Turku „in der Kabine deutlich“, stellte um und wechselte Felix Clever ein. Wattenscheid stand fortan höher, machte deutlich mehr Druck — und die Alemannen, denen mitspielende Teams eigentlich mehr liegen als Geduld vor einem Abwehrbollwerk aufzubringen, gaben die Hoheit im Spiel aus der Hand, ließen sich zurückdrängen. Nur noch selten fanden sie Lösungen.

Wie bei einer Balleroberung, als sich Hammel (56.) durchtankte und knapp vergab. „Wir haben uns in der ersten Hälfte super gefühlt, aber wir wussten natürlich, dass Wattenscheid reagieren musste“, analysierte Aachens Kapitän Nils Winter. „Warum das Spiel gekippt ist? Ich weiß es nicht, wir sind nicht mehr in die Zweikämpfe gegangen, vielleicht fehlte auch die Laufbereitschaft, der Gegner war uns auf einmal immer einen Schritt voraus.“

Das 1:1 war nahezu das Spiegelbild des 1:0: Nur diesmal bedankt sich der eingewechselte Clever (74.) für eine platziert geschossene Ecke bei Manuel Glowacz. Zwar war es wieder ein Standard, der den Umschwung brachte, im Spiel hatte sich das aber angedeutet. Und das 2:1 durch Joseph Boyama (77.) nur drei Minuten später unterstrich das: Jonas Erwig-Drüppel kam über rechts, war nicht zu stoppen und flankte unbedrängt auf seinen Kollegen.

Und dann kam die Nachspielzeit, die für Kilic ganz sicher noch ein Nachspiel haben wird.

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