Aachen: Alemannia oder Essen? Sven Demandt über die Konkurrenz

Aachen: Alemannia oder Essen? Sven Demandt über die Konkurrenz

Er ist bereits länger bei Borussia Mönchengladbach als Lucien Favre: Sven Demandt hat sich von der U 19 zur U 23 hochgearbeitet, die er bereits seit mehr als vier Jahren trainiert. Nachdem seine Mannschaft in den letzten Jahren in der Rückrunde regelmäßig nachließ, ist der noch 49-Jährige diese Saison optimistisch, ganz oben zu bleiben.

Auf mehr will sich der gebürtige Kölner nicht festlegen. Der ehemalige Torjäger (Düsseldorf, Leverkusen, Hertha, Mainz) erwartet auch im Spiel Alemannia gegen Essen keine Vorentscheidung.

Rund um die Alemannia sind die Fußballfans elektrisiert von der Partie Aachen gegen RWE. Was bedeutet dieses Match für Sie?

Demandt: Dieses Spiel tut der Liga sehr gut. Es ist auch ein perfekter Rahmen, um zu zeigen, wie spannend unsere Spielklasse ist. Auch wenn natürlich keine Entscheidung fällt, wer Meister wird. Dazu gibt es noch zu viele Spiele. Für alle Fußball-Romantiker, zu denen ich mich auch zähle, ist dieses Duell zweier Traditionsklubs obendrein ein Highlight.

Sie haben in Essen trainiert, bevor Sie zu Mönchengladbach gewechselt sind. Was gibt es ansonsten noch für Beziehungen?

Demandt: Bis auf diese zwei Jahre eigentlich keine. Zu Alemannia eigentlich nur, dass mein bester Freund, Daniel Scheinhardt, einmal dort gespielt hat. Ansonsten verfolge ich den Klub natürlich aus der Nachbarschaft.

Parallel spielt Ihre U 23 zuhause gegen Verl. Sind die Jungs nicht stark genug, auch alleine zu gewinnen, so dass Sie zum Tivoli rüberkommen können?

Demandt: Das sehe ich nicht ganz so. Ich habe das Gefühl und die Hoffnung, noch gebraucht zu werden.

Fasziniert Sie das Duell besonders auch deshalb, weil Sie bei Heimspielen überwiegend vor einer Kulisse von wenig mehr als 300 Zuschauern kicken?

Demandt: Vor 30.000 zu spielen, ist natürlich etwas ganz anderes. Wir wollen unseren Besuch ausweiten, aber die Konstellation als Zweite Mannschaft ist natürlich nicht einfach. Es ist sicherlich nicht hilfreich, wenn die Sicherheitskommission uns immer zeitgleich mit den Profis spielen lässt. Beide Teams zu beobachten, wird dadurch unmöglich gemacht. Insofern wird wenig dafür getan, dass sich die Zuschauersituation bei uns bessert. Aber wir selbst arbeiten daran, und wenn wir in der 3. Liga spielen, kämen sicherlich auch mehr Zuschauer.

Ihr Chef, Max Eberl, sagt, dass Sie nicht aufsteigen müssen, aber er es gerne sähe, wenn die U 23 auf möglichst hohem Niveau spielen würde also etwa in der 3. Liga. Eine angenehme Situation für einen Trainer, oder?

Demandt: Ich würde mich nicht gegen einen Aufstieg wehren... Aber im Ernst, wenn man einen Job wie bei Borussia annimmt, weiß man vorher, dass er anders ist als etwa in Aachen oder Essen. Falls wir nicht Erster werden, sondern nur Sechster oder Siebter, ist das kein Beinbruch. Es kommt darauf an, möglichst viele Spieler hoch zur Ersten Mannschaft zu bringen. Wenn ich aber Trainer in Aachen oder Essen bin, weiß ich ebenfalls, was mich erwartet. Essen muss eigentlich aufsteigen, bei Alemannia ist die Voraussetzung durch die jüngste Vergangenheit natürlich etwas anders.

Ist Ihre Mannschaft im Vorteil, weil Sie eben nicht den Druck hat, aufsteigen zu müssen?

Demandt: Druck kann auch positiv sein. Alemannia und RWE haben den Vorteil, dass für sie jedes Spiel ein Heimspiel ist. Zudem ist Aachen extrem heimstark, Essen schafft das noch nicht so. Aber beide eint die große Erwartungshaltung. Ich bin sicher, dass der Kampf bis zum Schluss dauern wird. Ich sehe keine Mannschaft, die mit sechs, sieben Punkten vorne wegmarschiert. Und selbst Viktoria Köln ist noch im Rennen. Sie hat auf jeden Fall den besten Kader und könnte vom Potenzial her schnell einmal zehn Spiele hintereinander gewinnen. Wir aber haben auch eine sehr gute Ausgangslage.

Sie trainieren die U 23 bereits seit mehr als vier Jahren. Auch für die Regionalliga eine ungewöhnlich lange Zeit. Ist das ein Pluspunkt?

Demandt: Es ist kein Vorteil, denn es sind ja immer andere Mannschaften. Diese Saison ist es ein wenig besser, weil wir viele Spieler behalten haben. Der große Umbruch war eine Spielzeit zuvor, als wir viele A-Jugendliche hochgezogen haben. Im letzten Sommer musste ich nicht wieder alles neu machen, diese U 23 konnte ich über anderthalb Jahre entwickeln. Entsprechend gut ist ihre Struktur. Deshalb fängt sie es auch auf, dass uns durch eine Verletzung einer der drei Älteren langfristig fehlt. Wenn wir anders als in anderen Jahren an die konstante Leistung der Hinrunde anknüpfen können, was man von einer so jungen Mannschaft nicht per se erwarten kann, haben wir gute Chancen, diesmal bis zum Schluss oben mitzumischen. Aber letztendlich kommen dann auch noch andere Faktoren wie etwa Glück dazu.

Was würde bei einem Aufstieg passieren?

Demandt: Wir sind in der glücklichen Lage, dass unsere Jungs so stark sind, dass sie auch in der 3. Liga mithalten könnten. Wir müssten dann keine Neuen holen. Ein Schnitt käme eher dann, wenn wir in der Regionalliga bleiben.

Wollen denn auch Ihre Jungs aufsteigen?

Demandt: Ich wäre hier falsch, wenn sie nicht so denken würden. Es wäre für sie eine große Chance, sich in der 3. Liga zu präsentieren.

Was prognostiziert Ihr Bauch für ein Ergebnis der Partie Alemannia gegen RWE?

Demandt: Keine Ahnung! Und wenn ich es wüsste, muss ich es nicht sagen. Am liebsten wäre mir ein Unentschieden.