Aachen: Alemannia nur 1:1: Schubert hält Brandrede

Aachen: Alemannia nur 1:1: Schubert hält Brandrede

Peter Schubert unternahm erst gar nicht den Versuch, diesem Spiel auch nur einen Hauch Positives abzugewinnen. 1:1 hatte sich Alemannia Aachen gerade vom Regionalliga-Aufsteiger FC Kray getrennt, die Pfiffe nicht weniger der 6700 Zuschauer waren soeben verklungen, da hob der Cheftrainer zu einer Brandrede an.

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„Ich habe die letzte Bereitschaft vermisst. So funktioniert das nicht. Wir befinden uns an einem Scheideweg. Wohin soll die Reise gehen? Ist jeder bereit, den einen Schritt mehr zu machen als einen Schritt weniger? Den anderen vorzuschieben, das können wir nicht akzeptieren.“ Nach dem Rückstand durch ein Traumtor von Jörn Zimmermann aus 16 Metern in den Winkel (31.) rettete Michael Lejan mit einem Flachschuss seines schwächeren rechten Fußes ebenfalls aus der Distanz (43.) wenigstens einen Punkt. „Wir hatten zwar 90 Prozent Ballbesitz, aber spätestens am Sechzehner keine Lösung mehr“, sagte der Torschütze.

Es schien zunächst so, als würde Alemannia den Gegner niederwalzen. Drei Ecken nach nicht einmal zwei Minuten, zwei Abschlüsse durch Rafael Garcia nach knapp drei Minuten — Kray bekam gleich ordentlich Druck in den Kessel. Doch genauso schnell begann Aachen damit, eine stattliche Mängelliste anzulegen. Die Gäste, zuvor vier Mal sieglos und ohne drei gesperrte Stammspieler, zogen eine Fünfer-Abwehrkette auf, nur wenige Meter weiter errichteten sie den nächsten Sperrriegel mit vier Mann. Statt mit ordentlich Tempo, Lauf- und Flügelspiel hinter die beiden Wälle vorzustoßen, ließ Alemannia das Spiel dahinplätschern wie einen Bach. Selten gab es Anspielstationen, hinzu kamen viele unsaubere Pässe und technische Fehler. Und plötzlich lag der Außenseiter vorne. Fabian Graudenz vergab per Kopf (32.) den schnellen Ausgleich, bevor Lejan sein erstes Saisontor erzielte.

Zur Pause räumte Kapitän Aimen Demai (Probleme mit der Innenseite des Oberschenkels) das Feld, Bastian Müller kam, seit Samstagmorgen verschnupft und deshalb zunächst nur auf der Bank. In Richtung leere Nordtribüne spielte Alemannia zwar durchweg auf ein Tor, wies aber nach, dass Statistiken über Ballbesitz das Papier nicht wert sind — wenn Chancen dabei ausbleiben. Nach 65 Minuten hatte sich Garcia rausgespielt, Tim Lünenbach musste gehen, weil Schubert offensiv tauschte. Sahin Dagistan hatte auch keine Vorschläge aus dem Ideen-Katalog unter den Stutzen, für mehr Belebung sorgte der ebenfalls eingewechselte Dennis Dowidat. In der Nachspielzeit zirkelte die Nummer 10 einen Freistoß in den Winkel, Krays Schlussmann Philipp Kunz verhinderte, dass dieser Nachmittag wenigstens vom Ergebnis her noch ein glückliches Ende für den Favoriten nahm. Darüber hinaus konnte Michael Lejan froh sein, nach einem herzhaften Vortrag aus der Kategorie Frustfoul nicht die angebrachte Schärfe von Schiedsrichter Benjamin Bläser erfahren zu haben.

„Niemand hätte damit gerechnet, dass wir am Tivoli einen Punkt holen“, sagte FC-Coach Michael Lorenz. Peter Schubert musste eingestehen: „Zu Recht.“ Dann entlud sich sein Zorn.

Freude über den Ausgleich: Lejan traf in der 44. Minute. Foto: Ratajczak
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