Aachen: Alemannia macht beim 2:0 über den 1. FC Köln II Boden gut

Aachen: Alemannia macht beim 2:0 über den 1. FC Köln II Boden gut

Nach dem Spiel kam es zum Tabubruch. Die Spieler wollten wissen, welchen Platz sie in der Regionalliga West belegen. Die Tabelle ist bei Alemannia Aachen zuletzt etwas in Verruf geraten. Immer, wenn sich das Team mit den Möglichkeiten beschäftigt hatte, verrechnete es sich. Und so hatte Trainer Fuat Kilic das Zahlenwerk aus der Kabine und möglichst aus den Köpfen der Fußballer verbannt.

Der verwegene Plan ging an diesem Nachmittag auf. Nach zuletzt zwei Heimniederlagen besiegte der Tabellenachte die Zweitbesetzung des 1. FC Köln mit 2:0.

„Wir hatten zuletzt Angst, ein gutes Ergebnis noch aus der Hand zu geben. Da waren wir heute sehr viel stabiler und haben 90 Minuten durchgezogen“, war Kilic durchaus angetan. Aachens Trainer hatte ein 4-1-4-1-System gewählt. Aber wichtiger war die Entschlossenheit seiner Belegschaft. Nach drei Sekunden versuchte Tobias Mohr direkt nach dem Anstoß, Kölns Torwart Sven Müller zu überlisten. Aachens dynamischer Verteidiger signalisierte früh seinen Tatendrang, der bis zur letzten Sekunde anhielt.

Kaum Offensivaktionen

Die erste Viertelstunde ging deutlich an die Gastgeber, die schnelle Führung verpasste Ilias Azaouaghi. Mergim Fejzullahu legte ihm auf, doch der Mittelfeldspieler vergab die luxuriöse Chance freistehend (3.). Die Gäste wurden zunächst ordentlich durchgeschüttelt. Beim Kopfball von Alexander Heinze nach einer Mohr-Ecke hatten sie noch Glück (20.), dann breitete sich ein bisschen Langeweile aus. Die 42 mitgereisten Kölner Fans sahen kaum Offensivaktionen ihrer Mannschaft. Die beste Gelegenheit verpasste Michael Klauß nach einem schnell ausgeführten Einwurf. Er traf nur den Außenpfosten (34.). „In der ersten Halbzeit waren wir zu mutlos“, urteilte Trainer André Pawlak.

Die Aachener hätten mit einer Führung in die Pause gehen müssen. Kai Bösing tankte sich auf dem rechten Flügel durch, seinen Rückpass verwertete Fejzullahu nicht entschlossen genug (39.). „Er nimmt einen Kontakt zu viel, weil er es dann besonders schön machen will“, sah Kilic aus der Ferne Schulungsbedarf.

Fast 50 Minuten war Patrick Nettekoven ein unterbeschäftigter Mann, aber als er dann gefordert wurde, zeigte Aachens Torwart eine Parade deluxe und wischte einen platzierten Kopfball von Filip Kusic um den Pfosten (50.). Die Partie nahm Fahrt auf, das taktische Korsett wurde gelockert. Die Aachener gingen in Führung, weil Mohr einen Freistoß präzise auf die Stirn von Maurice Pluntke lenkte (59.). Das 1:0 war der erste Treffer des Defensivspielers, der diesmal vor der Abwehr spielte.

Ein Spiel ohne Gegentor

Die nächste Vorlage von Mohr knallte Bösing volley übers Tor. „Das wäre noch das i-Tüpfelchen gewesen“, grinste er nach seinem Debüt in der Startelf. Der 23-Jährige brachte einige hübsche Ideen mit, bis er mit leerem Tank nach 75 Minuten verabschiedet wurde. „Ich bin zufrieden, weil ich der Mannschaft heute helfen konnte.“ Die Kölner setzten nach, fanden ein paar Lücken auf den Außenbahnen, aber ihre Flanken waren nicht präzise. Ein Spiel ohne Gegentor hatten die Aachener fünf Wochen lang nicht geschafft, diesmal kam die Null nicht mehr in Gefahr.

In der Nachspielzeit riskierte Kölns Keeper Müller einen Ausflug bei einem eigenen Eckball — und wurde bestraft. Wieder war Mohr der Vorlagengeber, er schickte Fejzullahu und diesmal schob der Torjäger den Ball aus 16 Metern ins leere Tor zum 2:0. Sekunden später wälzte er sich am Boden. „Da hat mir mein Gegenspieler ein schönes Autogramm mitgegeben“, verwies er auf etliche Schrammen am Schienbein.

Sein Team robbt sich wieder an die Tabellenspitze heran. Bietet die Rückrunde nicht noch ein bisschen Fantasie? Tobias Mohr war ein gelehriger Kilic-Schüler: „Ich habe zwar mal den Mathe-Leistungskurs belegt, aber damit will ich mich nicht beschäftigten. Wir denken lieber von Woche zu Woche.“

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