Aachen: Alemannia: Lösung nur für ein Spiel am Tivoli?

Aachen: Alemannia: Lösung nur für ein Spiel am Tivoli?

Hätte man in dieser Woche am Tivoli einen Geigerzähler für positive Vibrationen auf dem Trainingsplatz aufgestellt, wäre das Gerät vermutlich in die Luft geflogen. Die Begeisterung war ansteckend, und selbst Sorgenfälle, die ihre schlechte Laune zuletzt ostentativ vor sich hertrugen, entdecken ihr Lächeln wieder.

Die gute Laune ist wieder am Start, nachdem Alemannias Trainer Christian Benbennek den Verein nach heftiger Intervention des Kaders verlassen hat. Die Mannschaft ist bundesweit ins Gerede gekommen, weil sie dem Vorstand mitgeteilt hat, dass sie mit keinem der Vorgesetzten mehr arbeiten wolle. Da passt es ins Bild, dass am Donnerstag auch Torwarttrainer Markus Pröll, erst zwei Monate im Amt, aus Solidarität mit dem ehemaligen Trainerteam zurückgetreten ist.

Nur wenig Einblicke

Das ist die Ausgangslage für die neuen Trainer. Aimen Demai ist der (verletzte) Kapitän dieser Mannschaft, Sven Schaffrath hatte dagegen als Leiter von Alemannias Fußball-Akademie wenig Einblick in das Tagesgeschäft. Das mag ein Vorteil sein, denn Schaffrath versichert, dass er sich wenig für die jüngste Vergangenheit interessiere. Die beiden teilen sich die Arbeit. Formal ist der A-Schein-Inhaber Schaffrath der Chef der Veranstaltung. Schaffrath hat am Tivoli bereits zwei Jahre lang erfolgreich die U 21 angeleitet.

Demai räumt ein, dass die Profis mitbekämen, was gerade gesagt und geschrieben werde. Das sei sicher keine normale Woche gewesen. „Aber wir sind extrem auf die Aufgabe am Wochenende fokussiert, wollen mit einem Sieg das Jahr beenden.“ Mehr will der Tunesier zu dem Thema nicht beisteuern, der erfolgreiche Vorstoß beim Aufsichtsrat soll intern bleiben. Eine öffentliche Reaktion ist nicht vorgesehen. Die Mannschaft will auf dem Platz antworten.

Das Projekt mit den beiden Interimstrainern ist vorerst nur für ein paar Tage angelegt. Der von allen Klubs in vergleichbarer Ausgangslage ersehnte „Schubert-Effekt“ (benannt nach einem Gladbacher Cheftrainer) kann sich aus zeitlichen Gründen am Tivoli nicht einstellen. Die Interimstrainer haben nur fünf Einheiten und ein Spiel zur Verfügung, ehe die Winterpause ausgerufen wird. Dann will der Verein eine langfristigere Lösung finden. Weitere Ambitionen melden die Trainer nicht an. Im Gegenteil: Der kniegeplagte Demai arbeitet ernsthaft an seinem nächsten Comeback.

Schaffrath arbeitet derzeit nebenbei noch für ein Fitness-Center. „Morgens Leistungs-, abends Rehasport“, sagt der 31-Jährige. Ein Pensum auf Zeit.

Der junge Trainer muss beim Jahresabschluss gegen Rot Weiss Ahlen auf die Langzeitpatienten verzichten. Torwart Frederic Löhe ist nach seiner Erkrankung seit Donnerstag wieder im Training.

Nach dem Spiel gegen Ahlen ist eine Weihnachtsfeier mit allen Mitarbeitern vorgesehen, das Team kommt ein letztes Mal im turbulenten Jahr 2015 am Dienstag zum Laktattest zusammen, ehe die Hausaufgaben für die ballfreie Zeit verteilt werden. Das wird Schaffrath machen, der davon ausgeht, dass es im nächsten Jahr einen neuen Verantwortlichen gibt.

(pa)
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