Alemannia im FVM-Pokalfinale 2019: die ungestillte Sehnsucht

FVM-Pokalfinale : Alemannia und die ungestillte Sehnsucht

In Alemannias Schatzkammer jedenfalls ist noch ausreichend Platz. Schließlich ist die Trophäensammlung des Klubs zuletzt kaum erweitert worden. 2010 gab es noch mal etwas für die Vitrine. Für den überzeugenden Sieg im Derby-Cup erhielt der Klub eine Trophäe in Willi-Landgraf-Größe.

Oder 2016: Da holte das Team den Happy-Bet-Cup, ohne überhaupt ein Tor geschossen zu haben. Sportlich relevant waren die Erfolge jeweils vor dem Saisonstart eher nicht. Das soll sich am Samstagabend ändern, wenn am Mittelrhein das Pokalfinale gegen Fortuna Köln gespielt ist.

Die Sehnsucht nach einem Pokal ist deutlich ziemlich ausgeprägt. „Fans, Mannschaft und Verein sind jetzt mal dran. Sie haben den Sieg verdient“, sagt Torwart Niklas Jakusch.

Das Beste soll ganz zum Schluss der Saison kommen. Andere Teams sind schon längst in den großen Fußballferien, während Alemannia und Fortuna Köln noch dem Saisonhöhepunkt entgegen fiebern. „Für uns steht das Spiel des Jahres an“, sagt Fuat Kilic. Es ist ein 100.000-Euro-Spiel.

Für Aachens Trainer ist die Favoritenrolle geklärt, er zeigt auf den (noch) klassenhöheren Gegner. Sein Kollege Oliver Zapel widerspricht der Einschätzung ziemlich energisch. Für ihn ist es ein Duell auf Augenhöhe „zweier Regionalligisten“.

Fuat Kilic vor dem Bitburger Pokalfinale

Da treffen zwei Teams mit ramponiertem Seelenhaushalt aufeinander. Fortuna ist letztlich ziemlich sang- und klanglos abgestiegen. Alemannias Formkurve ist in der Zielkurve der Saison deutlich abgeflacht. Die Mannschaft hat es sich ein bisschen gemütlich gemacht. Kilic sagt, dass er jetzt nicht „den großen Zampano“ machen und eine komplette Saison infrage stellen wolle, aber die letzten Wochen haben Spuren hinterlassen. „Das war mir zuletzt zu sehr Friede, Freude, Eierkuchen“, bemängelt Kilic. Auch die Wortführer seien still geblieben in den letzten Wochen, obwohl die Mängelliste länger geworden ist. Die spannende Frage vor dem finalen Spiel wird sein, ob das Team noch einmal die Komfortzone verlässt. „Im Training ist es schon ganz anders zur Sache gegangen“, beobachtet der Trainer nach der kleinen Aussprache.

Aber es wurde nicht nur geredet in der letzten Trainingswoche der Saison. Es wurde auch gekocht. Bei einem alkoholfreien Mannschaftsabend in einem befreundeten italienischen Restaurant bereiteten einzelne Gruppen die jeweiligen Gänge vor. Für Kilic blieb nur „die Drecksarbeit“, grinst er: „Ich habe stundenlang Spargel und Kartoffeln geschält.“ Geschmeckt hat es dann am Ende doch noch ziemlich gut. Bei einem erlesenen Essen stimmte sich die Gruppe auf die letzte Aufgabe der Spielzeit ein.

Im letzten Ligaspiel wollte Kilic - so war der Plan - die Pokalformation aufbieten. Der Vortrag in Dortmund hat ein paar Zweifel gesät. „Es könnte schon ein paar Änderungen geben“, sagt er nun. Die Defensive ist im Laufe der letzten Wochen porös geworden. Jetzt kehrt mindestens Kapitän Peter Hackenberg in die Startformation zurück, auch auf den Außenbahnen sind Wechsel denkbar. Personell ist Alemannias Situation deutlich komfortabler als beim Gegner. Auf der Krankenstation bleiben nur Marcel Kaiser und Kai Bösing, alle anderen Spieler brennen auf einen finalen Einsatz.

Alemannia ist mit sechs Erfolgen zwar der Rekordsieger im Mittelrheinpokal. Der letzte Sieg liegt schon ein paar Spielergenerationen zurück: 2006 landete der Pokal zuletzt in Alemannias Vitrine. Seitdem waren alle Anläufe vergeblich. Auch gegen Fortuna Köln duellierte sich Alemannia schon einmal in einem Endspiel in Bonn. Das war im Insolvenzjahr 2013. Die Vorzeichen haben sich gedreht. Beim diesem Finale spielte Drittliga-Absteiger Alemannia gegen den Vierligsten aus Köln. Der Regionalligist siegte 2:1 und stieg in der folgenden Saison dann auf. Am Tivoli hätte niemand etwas dagegen, wenn sich diese Geschichte wiederholen würde.

Mögliche Aufstellung: Jakusch - Fiedler, Heinze, Hackenberg, Garnier - Pütz - Glowacz, Idrizi, Batarilo, Schmitt - Imbongo

Schiedsrichter: Fuchs (Dürscheid)

Bilanz: 4 Pokalspiele/4 Niederlagen/1:7 Tore

TV: Ab 16.15 Uhr ARD Konferenzschaltung

Stream: WDR

Wir berichten mit Liveticker und Video (ab ca. 23 Uhr.

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