Aachen: Alemannia II: Kooperation in Sachen Talente

Aachen: Alemannia II: Kooperation in Sachen Talente

Es muss gespart werden. Das ist bei Alemannia Aachen nicht unbedingt etwas Neues, hat man doch bereits Erfahrung in Sachen Insolvenz. Doch anders als vor gut vier Jahren setzen die Insolvenzverwalter diesmal rigoros den Rotstift auch an den Stellen an, die damals verschont wurden: Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) — gestrichen; zweite Mannschaft — zurückgezogen. Der Traditionsklub soll sich gesundschrumpfen.

„Wir müssen uns auf das Kerngeschäft beschränken“, begründet Insolvenzverwalter André Dobiey. „Ein NLZ ist eigentlich eine gute Einrichtung, nur muss man es sich leisten können. Es ist sehr kostspielig.“ Pflicht ist ein NLZ für einen Fußball-Regionalligisten eh nicht, nur in den ersten beiden Bundesligen ist es vorgeschrieben.

Dobiey verweist auf die enormen Kosten aufgrund der DFB-Auflagen, etwa für die Zertifizierung. Ist ein NLZ jedoch gut bewertet, gibt es auch eine entsprechende Förderung seitens des DFB. Hinzu kommen Ausbildungsentschädigungen nach Vereinswechseln der jungen Akteure. „Das waren im vergangenen Jahr 14.000 Euro, das reicht bei weitem nicht aus, um ein NLZ zu halten. Es kostet mehr, als es einbringt.“

Doch auch ohne NLZ soll der Nachwuchs bei Alemannia weiter gefördert werden. Die U 19, die den Bundesliga-Aufstieg knapp verpasste, und die U 17, die wieder in die höchste Spielklasse aufgestiegen ist, gehören wie die erste Mannschaft weiter zur GmbH, die jüngeren Jahrgänge sind dem Verein zugeordnet. „Wir wollen den Jugendbereich regionaler aufstellen“, sagt Dobiey — aber die Zeiten, in denen Talente aus dem ganzen Rheinland zum Training nach Aachen geholt wurden, sind längst vorbei.

Aus „Kostengründen“ wurde auch die U 21 gestrichen, so dass es keinen Unterbau im Seniorenbereich mehr gibt. Hier gab es Vergangene Saison geringe Aufwandsentschädigungen für Trainer und Co, die Spieler erhielten kein Geld. Es sei ein „niedriger fünfstelliger Betrag“, räumte Dobiey ein. Da die Reserve komplett abgemeldet wurde, müsste eine neue zweite Mannschaft — gleich ob in der GmbH oder im Verein angesiedelt — in der Kreisliga D neu anfangen. Einleuchtender ist da schon das sportliche Argument, denn die U 21 hätte kommende Saison in der Bezirksliga antreten müssen.

„Die Entscheidung, sie zu streichen, ist nicht von meiner Seite gekommen. Aber es ist natürlich so, dass die U 21 keinen Mehrwert für die erste Mannschaft darstellt. Um Spieler in die Erste hochziehen zu können — dafür ist die Bezirksliga definitiv zu wenig. Und die Priorität muss auf der ersten Mannschaft liegen“, stellt Cheftrainer Fuat Kilic klar. „Schon in der vergangenen Saison haben wir die Akteure wie Karim Kucharzik gleich aus der A-Jugend hochgezogen. So wie für die nächste Spielzeit Alex Förster und Haydar Kilic.“

Kilics Konzept sieht vor, die Jugend enger ans Regionalliga-Team anzubinden, vermehrt mittrainieren zu lassen. „Ich bin froh, dass die U 17 aufgestiegen ist, die U 19 muss folgen, damit der Schritt zu den Senioren nicht so groß ist.“ Bindeglied zwischen Senioren und Jugend soll Aimen Demai bleiben. Der Ex-Profi hatte in seinem ersten Trainerjahr die U 17 zum Aufstieg geführt, beginnt aber nun ein duales Studium und muss als Coach passen. Ein Nachfolger steht noch nicht fest, die U 19 soll weiter von Herbert Meys und Co Paul-Gerd Hogen betreut werden.

Ohne zweite Mannschaft muss ein neues Konzept her. „Wir wollen mit einem Klub aus der Region kooperieren und Spieler an diesen ausleihen“, erläutert Kilic. „Junge Talente könnten dort weiter Spielpraxis sammeln, nach Absprache auch teilweise bei uns mittrainieren und wir so die weitere Entwicklung beobachten.“ Idealerweise wäre der Partner ein Mittelrheinliga-Verein, damit der Abstand zur Regionalliga nicht zu groß wird. „Wichtig ist einfach, die jungen Spieler weiter zu vermitteln und ihnen zu helfen.“

Ob das Konzept schon zur neuen Saison greift, ist fraglich, da die Saisonplanungen der meisten Klubs größtenteils abgeschlossen sind. „Wir haben Gespräche geführt, wir müssen sehen, inwieweit die Ideen sich realisieren lassen. Das braucht eine gewisse Zeit“, so Kilic, der neben der „Meisterschaft künftig viele Freundschaftsspiele einplanen“ will, um den jungen Akteuren Spielpraxis zu geben. Kilic: „Fakt ist einfach, dass wir den Leistungsbereich in professionellen Strukturen aufrechterhalten und daneben versuchen müssen, Talente zu halten und heranzuführen.“