Team-Manager Hans-Peter Lehnhoff: Vom geplatzten Traum in Aachen zur großen Karriere in Leverkusen

Team-Manager Hans-Peter Lehnhoff : Vom geplatzten Traum in Aachen zur großen Karriere in Leverkusen

Als „Junge aus der Region“ machte sich einst Hans-Peter Lehnhoff Hoffnungen auf einen Vertrag am Tivoli. Nun steht der Alsdorfer seit 25 Jahren in Diensten von Bayer Leverkusen.

Das hätte was werden können, an mangelndem Interesse seinerseits scheiterte es jedenfalls nicht. „Für einen Jungen aus der Region war es doch das Größte, für Alemannia zu spielen. Alemannia war populär, der Tivoli bei den Gegnern berüchtigt, der Verein hatte einen guten Namen.“ Hans-Peter Lehnhoff, einer dieser ungezählten Jungs aus der Region mit dem Traum, in diesem Trikot spielen zu wollen, findet es heute noch „schade“, dass nichts daraus wurde. „So verwegen war die Idee ja nicht.“

Die Karriere des Ur-Mariadorfers nahm gleichwohl ihren Lauf, und das nicht zum Schlechten. In diesem Jahr hat er „Silberhochzeit“ mit Bayer Leverkusen gefeiert, seit 20 Jahren – seit dem Ende seiner Profikarriere 1999 – ist er Team-Manager des Bundesligisten.

Lehnhoff spielte in jungen Jahren stets eine Altersklasse höher und schon mit 17 in der Seniorenmannschaft der „Land“-Alemannia. Die aus der Stadt Aachen lud ihn zum Probetraining ein, „ich hatte auch einen guten Eindruck hinterlassen“. Aber, da scheut Lehnhoff auch heute nicht das klare Wort: „Die haben mich von Anfang an verarscht. Plötzlich sollte ich nur für die Zweite Mannschaft verpflichtet werden – die spielte noch unterhalb von Alemannia Mariadorf. Warum hätte ich da wechseln sollen? Die wollten einfach die Ablösesumme von 12.000 oder 13.000 Mark nicht zahlen.“

Beobachter und Vorbereiter im Hintergrund: Hans-Peter Lehnhoff, seit 20 Jahren Team-Manager in Leverkusen. Foto: imago/DeFodi/Roland Krivec/DeFodi.de

Horst Buhtz, der damalige Aachener Chefcoach, gab ihm noch den Tipp mit auf den Weg: „Junge, Du musst mehr Kotelettchen essen.“ Nur wenige Jahre später begegnete man sich wieder, im DFB-Pokal, 1. FC Köln gegen Stuttgarter Kickers, 8:0. Lehnhoff stand in einem Team mit Schumacher, Bein, Littbarski, Allofs, er schoss ein Tor und richtete Buhtz aus: „Habe Kotelettchen gegessen.“

Als der Traum von der „großen“ Alemannia geplatzt war, ging Hans-Peter Lehnhoff zunächst zum SV 09 Baesweiler – damals eine große Nummer in der Oberliga, der dritthöchsten Klasse – und zum Trainer Rolf Pawellek, zu Aachens Bundesliga-Zeit Ende der 60er Jahre als knochenharter Verteidiger der fußballerische Gegenentwurf. Lehnhoff arbeitete im erlernten Beruf als Maler und Lackierer – „eine Ausbildung war wichtig“ in einer Familie aus einfachen Verhältnissen – und an den Wochenenden schoss er 15 oder 16 Tore, genau weiß er das nicht mehr. Es waren jedenfalls die meisten für das Team, und als 20-Jähriger hatte er – entdeckt von Manager Kalli Thielen und Trainer Hannes Löhr – einen Profivertrag beim 1. FC Köln in der Tasche.

Es waren die Zeiten, als Fußballer beim Wort „Six-Pack“ „nur an ein Getränk dachten“ und sich Offensivspieler „auch mal ausruhen konnten“, doch dieser Hans-Peter Lehnhoff hatte mehr drauf als alle anderen gerade in seiner Altersklasse. Im „Geißbock“-Trikot wurde er schnell zum Stammspieler, nach drei Jahren wechselte er 1987 zu Royal FC Antwerpen, zu „Sir“ Georg Keßler, der ihn schon beim FC gecoacht hatte.

In der Folge wurde Lehnhoff „Fußballer des Jahres“ in Belgien, drei Mal bester Ausländer der Liga, sechs Mal in sieben Jahren von den Klubfans zum „Spieler der Saison“ gekürt. Er zog ins Europacup-Finale der Pokalsieger 1993 in Wembley gegen den FC Parma ein (1:3) und wurde in Antwerpens Jahrhundert-Elf gewählt – mit den zweitmeisten Stimmen. „Das war die größte Ehre.“

Aber Lehnhoff lockte noch mal die Bundesliga, ein höheres Niveau, „ich hatte auch zwei, drei Kilo zu viel von Pommes und Bier“. Tages-Trainingslager auch vor Heimspielen waren bei seinem Klub ebenso unbekannt wie Einheiten und Pflege am Tag danach. „Wir spielten meist freitagsabends. Samstagsmorgens habe ich bei mir zu Hause den Rasen gemäht – weil ich mich gelangweilt habe.“

Die vom FC bereits öffentlich verkündete Rückkehr platzte; zuvor hatte Reiner Calmund Wind davon bekommen, dass es hakt. „Und plötzlich stand Calli bei mir vor der Tür und sagte: Stepi (Anmerkung: Dragoslav Stepanovic) will Dich haben.“ Schließlich zahlte Bayer Leverkusen die festgeschriebene Ablösesumme von einer Million Mark. Hans-Peter Lehnhoff erlebte die „sportlich schönste Zeit“ und musste nicht lange überlegen, als Manager Calmund und Trainer Christoph Daum ihm zum Ende der Profikarriere die neu geschaffene, gerade in Italien in Mode gekommene Stelle des Team-Managers anboten. „Sonst wäre ich wohl Trainer im Jugendbereich geworden“, die individuelle Arbeit später mit Gonzalo Castro, Marcel Risse oder Stefan Reinartz machte jedenfalls Spaß.

„Ich komme jeden Tag gerne hierher“, sagt der inzwischen 56-Jährige, der so frisch wirkt, als wäre seit 20 Jahren die Zeit stehengeblieben. Lehnhoff, zu dessen Stab vier Mitarbeiter gehören, hat sein Büro gleich neben der Mannschaftskabine, er ist verantwortlich für alle Belange rund um die Mannschaft: Organisation von Trainingslagern, Reiseplanung zu den Auswärts-
spielen, Wohnungssuche, behördliche Angelegenheiten. Als das Team zum Champions-League-Spiel nach Borissow flog, nahm Bayer eigenes Essen und einen eigenen Koch mit – eine logistische, vor allem zolltechnische Herausforderung. Der Team-Manager muss den Überblick behalten, auch gegenüber den Anti-Doping-Agenturen. „Trainingspläne, Abwesenheit von Spielern, Reha-Maßnahmen, alles müssen wir melden. Auch wenn kurzfristig eine geplante Einheit ausfällt.“ Lehnhoff spricht von „Wahnsinn, was inzwischen alles an einer Lizenzspieler-Mannschaft hängt. Und was den Spielern alles abgenommen wird.“ Das hätte er als Aktiver auch gerne gehabt, „andererseits waren wir selbstständiger“.

„Die schönste Nebensache“

Die Zeiten haben sich geändert, Hans-Peter Lehnhoff hadert nicht, sonst könnte er diesen Job kaum machen. Fußball sei für ihn immer noch „die schönste Nebensache“, und auch wenn die kurzbehosten Mitarbeiter „ein Schweinegeld verdienen und sich Autos für 300.000 Euro leisten können“, pflegt Lehnhoff den außergeschäftlichen Aspekt. Den ausländischen Profis sagt er: „Wenn Du Dich in der Gemeinschaft wohlfühlen willst, musst Du die Sprache lernen.“ Er war selbst Ausländer in Antwerpen, hat Flämisch und Französisch gelernt und war in der Lage, Interviews in den Landessprachen zu geben. Lehnhoff fällt es schwer nachzuvollziehen, wenn ein Arturo Vidal sich auch bei Bayern München keine Mühe gab, Deutsch zu lernen.

Gerade den Jüngeren im Kader kann er außerdem nur empfehlen, vorsichtig mit Facebook und anderen oft gar nicht so Sozialen Medien umzugehen. „Es reicht schon, wenn sie immer damit rechnen müssen, gefilmt zu werden, ohne dass sie es merken.“ Darüber brauchte sich der aktive Fußballer Hans-Peter Lehnhoff nie Gedanken machen. Und das fand er gut so.

Auf dem (alten) Tivoli hat er ein einziges Mal gespielt. „Mit der Mittelrhein-Auswahl in einem Vorspiel der Jugend-Nationalmannschaft. Da habe ich mir das erste Autogramm von Udo Lattek geholt.“ Erst nach seiner aktiven Karriere kam Lehnhoff wieder an die Krefelder Straße, zum Pokal- und Bundesligaspiel mit Bayer Leverkusen. Und vor mehr als sechs Jahren trat die Werkself kostenlos auf dem neuen Tivoli an, um Alemannia nach der ersten Insolvenz etwas Nachbarschaftshilfe zu leisten. Nun freut sich Hans-Peter Lehnhoff auf eine weitere Rückkehr in die Region: „Ein schöneres Pokal-Los konnte es nicht geben.“

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