Sie haben gewählt : Die Legenden-Elf von Alemannia Aachen

In diesem Jahr feiert die Alemannia 120-jähriges Bestehen. In zwölf Jahrzehnten haben viele Spieler das Trikot der Schwarz-Gelben getragen. Einige von ihnen wurden bekannt, andere zu Helden und die ganz großen zu Legenden. Genau die haben wir gesucht und Sie haben abgestimmt. Wir präsentieren die Legenden-Elf der Alemannia.

Anlässlich des runden Geburtstags, den die Alemannia im Dezember 2020 feiern wird, konnten Sie vom 20. Januar bis zum 2. Februar die Legenden-Elf des Aachener Vereins wählen. In den Kategorien „Tor“, „Abwehr“, „Mittelfeld“, „Sturm“ und „Trainer“ konnten Sie jeweils für Ihre Legende abstimmen – egal, ob online, per E-Mail oder Post. 6706 Stimmen sind bis zum Einsendeschluss zusammengekommen.

Und so sieht Alemannias Legenden-Elf aus:

Foto: MHA/Björn Hellmich

Der Torwart

Im Tor steht Stephan Straub. Der gebürtige Saarbrücker hütete zwischen 2001 und 2009 in 150 Spielen den Kasten der Alemannia. Mit den Schwarz-Gelben zog er ins DFB-Pokal-Finale 2004 ein, spielte in der darauffolgenden Saison im Uefa-Cup und stieg 2006 in die Bundesliga auf. Straub erhielt bei der Wahl rund 50 Prozent der Stimmen. Auf den Plätzen zwei und drei landeten Johannes Kau (21 Prozent) und Gerd Prokop (17 Prozent).

Ehre, wem Ehre gebührt: Vladimir Beara, der „Ballett-Tänzer mit den Händen aus Stahl“, war zwischen 1960 bis 1963 bei der Alemannia aktiv. Die „Katze“ stand in 23 Partien auf dem Platz. In unserer Vorauswahl wurde er nicht gelistet, da er aber von einigen Lesern dennoch genannt wurde, machen wir ihn zum Torwart-Trainer der Legenden-Elf.

Die Abwehr

Die Viererkette in der Abwehr bilden Stefan Blank (8 Prozent), Reinhold Münzenberg (7 Prozent), Jo Montañés (31 Prozent) und Willi Landgraf (42 Prozent).

Blank machte 43 Spiele im Trikot der Alemannia, war mit seinem Treffer im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen die Bayern 2004 maßgeblich am 2:1-Sieg und dem Weg ins Finale beteiligt.

Münzenberg, „der Eiserne“, lief 352 Mal im schwarz-gelben Dress auf. Er prägte zwischen 1926 und 1951 die frühen Jahre der Alemannia und war der erste deutsche Nationalspieler vom Tivoli.

Mit Montañés und Landgraf haben es gleich zwei Rechtsverteidiger und zwei Rekordspieler in die Legenden-Elf geschafft. Der gebürtige Spanier verbrachte seine gesamte Karriere bei der Alemannia, am Ende standen 542 Einsätze zu Buche: Vereinsrekord. Lange war er auch der Rekordspieler der 2. Bundesliga.

Bis Will Landgraf kam. Das „Kampfschwein“ absolvierte 508 Spiele im deutschen Fußballunterhaus. In Dienten der Alemannia stand er 188 Mal, zog ins DFB-Pokal-Finale ein, war international im Uefa-Cup unterwegs und stieg 2006 in die Bundesliga auf.

Das Mittelfeld

Das Mittelfeld bilden drei weitere Alemannia-Urgesteine: Günter Delzepich (25 Prozent), Reiner Plaßhenrich (15 Prozent) und Jupp Martinelli (27 Prozent).

Delezepich, bekannt für seinen harten Schuss (Stichwort „Medizinball“), verzeichnete zwischen 1984 und 1991 211 Einsätze für die Alemannia. Bis 2016 war er dann noch für die Traditionsmannschaft aktiv.

Reiner Plaßhenrich kam im Sommer 2004 zur Alemannia und erreichte mit den Schwarz-Gelben als erster Zweitligist die dritte Runde des Uefa-Cups. 2006 folgte der Aufstieg in die Bundesliga. Dort wurde der damalige Kapitän in vielen Spielen schmerzlich vermisst, sein Knie machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Nach seinem Karriereende blieb er am Tivoli, trainierte die Jugend, die zweite Mannschaft und scheiterte als Co-Trainer nur knapp am Aufstieg mit der ersten Mannschaft in die 3. Liga.

Martinelli war ebenfalls für die Alemannia in der Bundesliga aktiv. 1951 schloss sich der Allrounder dem TSV an, mit 18 debütierte er 1954 in der ersten Mannschaft und stieg mit dieser 1967 in die Bundesliga auf. Als Kapitän führte er sein Team 1969 zur deutschen Vize-Meisterschaft, bis heute der größte Vereinserfolg. Noch heute besucht er regelmäßig Spiele „seiner“ Alemannia.

Der Sturm

Benjamin Auer (10 Prozent), Erik Meijer (37 Prozent) und Stephan Lämmermann (19 Prozent) gehen für die Legenden-Elf auf Torejagd. Die drei kommen zusammen auf 129 Tore für die Kartoffelkäfer. Meist waren es wichtige Treffer.

Auer zum Beispiel erzielte 2010 in der zweiten Runde des DFB-Pokals den Führungstreffer gegen seinen Ex-Klub Mainz 05, zu dem Zeitpunkt ungeschlagener Tabellenführer der Bundesliga. Eine Runde später verwandelte er im Elfmeterschießen gegen den Bundesligisten Eintracht Frankfurt souverän vom Punkt und beförderte sein Team als Kapitän ins Viertelfinale.

„Lämmis“ emotionalster Treffer fiel in der Rückrunde der Regionalliga-Saison 1998/99. Im Auswärtsspiel gegen Erkenschwick traf er zum 2:0, Aachen siegte und machte damit den Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt. Nur wenige Tage nach dem tragischen Tod von Trainer Werner Fuchs, der bei einem Waldlauf mit der Mannschaft einen Herzinfarkt erlitten hatte.

Auch Meijer war in seiner Aachener Zeit für die wichtigen Tore zuständig. Im DFB-Pokal-Viertelfinale 2004 sprang er gegen die Bayern am höchsten und köpfte kurz vor Ende der Partie das entscheidende 2:1. Durch den späteren Einzug ins Finale qualifizierten sich die Kaiserstädter mit dem Niederländer, der zuvor schon für Bayer Leverkusen, den FC Liverpool und den Hamburger SV aktiv war, für den Uefa-Cup. Das Gruppenspiel in der zweiten Runde gegen den französischen Spitzenklub aus Lille gewann die Alemannia überraschend 1:0. Der Torschütze? Erik Meijer.

Die Trainer

All diese Legenden brauchen natürlich ordnende Hände. Als Co-Trainer nimmt Jörg Berger auf der Bank Platz. In Gotenhafen, im heutigen Polen, geboren, machte Berger schon früh in der DDR Karriere als Trainer und sollte sogar die Nationalmannschaft coachen. Er floh aber 1979 in den Westen, um dort seiner Trainertätigkeit nachgehen zu können. Eintracht Frankfurt, Schalke 04 und Fortuna Düsseldorf waren nur einige seiner Bundesligastationen, bei denen er meist als Retter im Abstiegskampf fungierte, ehe er 2001 an den Tivoli kam. Mit der Alemannia erreichte er 2004 das DFB-Pokal-Finale. Auf dem Weg dorthin wurden mit 1860 München, Bayern München und Borussia Mönchengladbach gleich drei Erstligisten aus dem Weg geräumt. Nach dem Finale gegen Werder Bremen trennten sich die Wege des Trainers und der Alemannia. 2010 erlag er einem langen Krebsleiden, seine Erfolge mit den Schwarz-Gelben bleiben in Aachen aber unvergessen. Bei der Wahl erhielt er 14 Prozent der Stimmen.

Unvergessen am Tivoli ist auch „Mister Alemannia“ Werner Fuchs. Der Aufstiegstrainer von 1999, der die Aachener bei seinem zweiten Engagement an der Krefelder Straße zurück in den Profi-Fußball führte, hängte mit 66 Prozent der Stimmen alle anderen Trainerkandidaten ab. In der Rückrunde der Saison 1998/99 legte Fuchs mit seinem Team eine beeindruckende Siegesserie hin. Aachen mischte nicht nur im Aufstiegsrennen mit, die Alemannia stand im Frühjahr bereits mit einem Bein in der 2. Bundesliga. Fünf Tage vor dem wichtigen Ausswärtsspiel in Erkenschwick absolvierten Trainer und Mannschaft eine Laufeinheit. Plötzlich brach Fuchs zusammen, er erlitt einen Herzinfarkt und starb mit gerade einmal 50 Jahren. Der Schock bei Mannschaft und Fans war groß, die Trauer überall greifbar. Der damalige Alemannia-Präsident Wilfried Sawalies sagte tief betroffen, dass der Verein nicht nur einen großen Fachmann verloren habe, sondern einen Menschen, der für alle ein Freund gewesen sei. Nur wenige Tage später trat „seine“ Mannschaft in Erkenschwick an, „weil der Trainer es so gewollt hätte.“ Die Mannschaft machte den Aufstieg perfekt. Den Aufstieg, den der Vater des Erfolgs nicht mehr miterleben konnte.