DFB-Pokalspiele auf dem alten Tivoli: Die besten, tollsten und dramatischsten Pokalschlachten

DFB-Pokalspiele auf dem alten Tivoli : Die besten, tollsten und dramatischsten Pokalschlachten

Die Älteren werden sich erinnern: Am Samstag ist es genau 2548 Tage her, dass letztmals ein DFB-Pokalspiel am Tivoli ausgetragen wurde. Am 18. August 2012 verlor die Alemannia als frisch gebackener Drittligist mit 0:2 gegen den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach.

Dieses Spiel ist weder als eines der besten noch der tollsten geschweige denn der dramatischsten Pokalspiele der Alemannia in die Geschichte eingegangen. Allenfalls als eines der heißesten, denn damals herrschten mehr als 35 Grad im kaum vorhandenen Schatten auf dem Rasen.

Andere Pokalspiele sind da schon eher im Gedächtnis der Alemannia-Fans hängengeblieben. Nicht alle davon hatten aus Aachener Sicht ein Happy End, aber doch die meisten. So erinnern sich die Schwarz-Gelben sicher noch gerne an den Weg ins Berliner Pokalfinale 2004, auf dem die Alemannen auf dem Tivoli die Bundesligisten 1860 München, Bayern München und Borussia Mönchengladbach aus dem Pokal schossen. Zwei dieser Spiele haben es auch in diese – natürlich subjektive – Auswahl von großen Pokalmomenten am Tivoli geschafft.

22.12.1984: Alemannia Aachen - Borussia Mönchengladbach 0:2

Foto: Imago/Kicker/Liedel

„Verloren – aber gefeiert wie die Helden!“ lautete die Überschrift in unserer Zeitung. Die Alemannia verlor im Pokal-Achtelfinale gegen Borussia Mönchengladbach nach zwei Toren von Hans-Jörg Criens mit 0:2. Neben der starken Leistung gegen den Bundesligisten und dem Konfettiregen der Alemannia-Fans bleibt die Partie zwei Tage vor Weihnachten allerdings wegen der Begleitumstände in Erinnerung. Gladbacher Fans hatten auf dem Aachener Wall acht Wellenbrecher angesägt, die schließlich nachgaben. Tausende Zuschauer stürzten nach unten. Bilanz: zehn Verletzte, darunter acht Polizisten. Zudem kam es zu Krawallen in der Stadt, die Polizei nahm 22 Gästefans fest.

07.10.1986: Alemannia Aachen - Werder Bremen 0:0

Foto: imago/Horstmüller/imago sportfotodienst

240 Minuten lang hatten es weder die Alemannen noch die Favoriten von Werder Bremen geschafft, ein Tor zu erzielen. Doch dann folgte ein Finale, wie es der Tivoli selten erlebt hat. Nach dem 0:0 nach Verlängerung in der Erstrundenpartie in Bremen kam es zum Wiederholungspiel am Tivoli. Auch hier fiel inklusive Verlängerung kein Tor. Das Elfmeterschießen musste entscheiden. 18 Schützen traten an, 13 trafen. Darunter war auch der Held des Abends, Aachens Torhüter Hannes Kau, der die Elfmeter von Manfred Burgsmüller und Mirko Votava hielt und selbst zum 4:4 traf. Als es ihm sein Bremer Kollege Dieter Burdenski als 18. Schütze gleichtun wollte, schoß er am Tor vorbei. Die Alemannia hatte den Bundesligisten rausgeworfen.    

03.12.1997: Alemannia Aachen - Waldhof Mannheim 1:1

Foto: Martin Ratajczak

Das Skandalspiel schlechthin: Im Achtelfinale empfing der Aachener Regionalligist, damals 3. Liga, Waldhof Mannheim, ebenfalls aus der Regionalliga. Nach 90 Minuten auf schneebedecktem Boden stand es 1:1. Doch in der Verlängerung bot sich Mario Krohm die große Chance, die Alemannia per Elfmeter ins Viertelfinale zu schießen. Der Mittelstürmer scheiterte zunächst an Waldhof-Schlussmann Stephan Straub, im Nachschuss allerdings traf er. Doch Schiedsrichter Markus Merk erkannte den Treffer nicht an, weil die Mannheimer Fans einen zweiten Ball aufs Feld geworfen hatten. Statt Tor für Aachen gab es Schiedsrichterball. Alemannia scheiterte schließlich im Elfmeterschießen.  

04.02.2004: Alemannia Aachen - Bayern München 2:1

Foto: Imago/Team 2

Nach zwei Siegen im Elfmeterschießen in Erfurt und daheim gegen 1860 München sowie einem deutlichen 5:0 in Braunschweig zog die Alemannia im Viertelfinale das Traumlos: Bayern München. Normalerweise bedeutet das für einen Zweitligisten: volle Hütte, Liveübertragung im öffentlich-rechtlichen TV und eine hohe Niederlage. Zumindest Letzteres lief in Aachen anders. Zunächst überwand Stefan Blank Nationaltorwart Olli Kahn mit einem Flatterball, dann erzielte Erik Meijer per Kopf das verdiente 2:1. Selbst der zwischenzeitliche Ausgleich von Michael Ballack brachte die Truppe von Jörg Berger nicht aus der Ruhe. An diesem Abend hätte die Alemannia wohl gegen keine Elf der Welt verloren.

17.03.2004: Alemannia Aachen - Mönchengladbach 1:0

Foto: Imago/T-F-Foto

Schauspieler Mario Adorf war es, der den Aachenern im Halbfinale das nächste Heimspiel kredenzte. Diesmal musste Borussia Mönchengladbach zum Tivoli reisen. Ein Glückslos übrigens auch für die Elf vom Niederrhein, so blieben die Reisekosten gering und die anschließende Fahrt zum Finale nach Berlin konnten sich die Gladbacher gleich auch schenken. Denn die Alemannia gewann mit 1:0 durch einen Freistoßschlenzer von Ivica Grlic. Doch anders als sechs Wochen zuvor gegen die Bayern, kam der Sieg eher glücklich zustande. Denn Schiedsrichter Edgar Steinborn übersah in der Schlussphase zwei Handspiele von Erik Meijer und George Mbwando im Strafraum – zumindest bei Mbwandos Volleyballabwehr eine eher abenteuerliche Leistung des Unparteiischen. Sei’s drum: Nach dem Sieg standen die Aachener nicht nur zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte im Pokalfinale, sie hatten sich auch für den Europapokal qualifiziert.

20.12.2006: Alemannia Aachen - Bayern München 4:2

Foto: dpa/A3724 Felix Heyder

Und wieder die Bayern: Dieses Mal ist es aber ein Duell auf Augenhöhe – beinahe zumindest. Denn im Achtelfinale trafen zwei Bundesligisten aufeinander, der Dritte musste beim Tabellen-13. antreten. Doch auf dem Feld war von Augenhöhe dann doch nicht viel zu sehen. Denn schon zur Pause führten die Aachener mit 3:0, Laurentiu Reghecampf traf zwei Mal, Marius Ebbers ein Mal. Nach dem Seitenwechsel gönnten die Alemannen als großzügige Gastgeber den Bayern noch zwei Tore, bevor Jan Schlaudraff in der Schlussminute dann alles klar machte. Eine Runde später war dann aber Schluss für die Alemannia, in Wolfsburg unterlag man mit 0:2.       

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