10 Jahre Neuer Tivoli: Besondere Alemannia-Spielen in der neuen Heimat

10 Jahre neue Heimat : Besondere Alemannia-Spiele auf dem Neuen Tivoli

Seit dem Sommer 2009 trägt die Alemannia ihre Heimspiele auf dem Neuen Tivoli aus. 32.960 Zuschauer fasst das Stadion, das nur weniger Meter entfernt vom alten Standort an der Krefelder Straße steht. Doch die neue Heimat und ausbleibender sportlicher Erfolg stürzten die Schwarz-Gelben in die größten Krise der Vereinsgeschichte. Trotz allem fanden auch im Neuen Tivoli ein paar besondere Spiele statt.

Zehn Jahre spielt die Alemannia nun schon im Neuen Tivoli. Bereits nach vier Jahren erfolgte der Abstieg in die Regionalliga West, viel Zeit für große Highlights und Klassiker auf dem neuen Grün war also nicht. Wir haben dennoch ein paar denkwürdige Spiele gefunden. Los geht es allerdings mit einer Niederlage, die den Einzug ins neue Heim bereits gründlich vermasselte.

Debakel beim 1. Pflichtspiel auf dem Neuen Tivoli: Alemannia Aachen - FC St. Pauli, 2. Bundesliga, 2. Spieltag (17. August 2009)

Es sollte ein großes Fest werden und alles war entsprechend vorbereitet: Alemannias neue Heimat war ausverkauft, 32.960 Zuschauer verfolgten die Partie zwischen dem TSV und dem FC St. Pauli. Selbst das Wetter spielte an diesem Tag mit.

Nur der Gegner nicht. Ausgerechnet Ex-Alemanne Marius Ebbers brachte die Kiez-Kicker mit einem Doppelpack in der 24. und 28. Minute auf die Siegerstraße.

Deniz Naki, in Düren geboren, und Florian Bruns, ebenfalls früher in Diensten der Schwarz-Gelben unterwegs, erhöhten noch vor der Pause auf 4:0. Rouwen Hennings setzte in der zweiten Halbzeit noch einen Treffer drauf.

Trauriger Höhepunkt des Tages war der Sturz eines St. Pauli-Fans aus dem Gästeblock. Sven „Mini" Meyer stürzte mehrere Meter tief und lag anschließend im Koma. 2010 kehrte er zurück an den Tivoli, ihm ging es den Umständen entsprechend gut, und bedankte sich für die Unterstützung des Vereins, die Ärzte und die Genesungswünsche und Spenden der Fans.

Alemannia Aachen - FC St. Pauli, 17.08.2009, 20:15 Uhr, Zuschauer: 32.960, Schiedsrichter: Peter Sippel, 0:5, Tore: Ebbers (24. Min, 28. Min.), Naki (35. Min), Bruns (39. Min.), Henings (86. Min.)

Der Bundesliga-Tabellenführer-Rausschmiss: Alemannia Aachen - 1. FSV Mainz 05, 2. DFB-Pokal-Runde (27. Oktober 2010)

Im Sommer 2009 war Peter Hyballa noch Trainer der U19 von Borussia Dortmund. Im Finale um die Deutsche Meisterschaft traf seine Mannschaft auf die U19 vom FSV Mainz 05 unter der Leitung von Thomas Tuchel. Die Jungs von Peter Hyballa unterlagen der Tuchel-Truppe mit 1:2.

Etwas mehr als ein Jahr später trafen die beiden Trainer wieder aufeinander. Dieses Mal in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Hyballa als Coach von Alemannia Aachen. Tuchel als verantwortlicher Übungsleiter der Mainzer. Die Mannschaft vom Bruchweg reiste als Tabellenführer der Bundesliga nach Aachen und sollte in Hyballa und seinen „Straßenkötern“ ihre Meister finden. Benjamin Auer, der einst für Mainz auf Torejagd ging, und Marco Höger brachten die Schwarz-Gelben bis zur 60. Minute mit 2:0 in Führung.

Mainz schaffte durch Adam Szalai zwar noch den Anschluss, am Ende stand aber ein verdienter 2:1-Sieg für die Alemannia auf der Anzeigetafel.

Kleine Randnotiz: Thomas Tuchel wurde kurz vor Abpfiff noch auf die Tribüne geschickt und war sichtlich bedient. Peter Hyballa dürfte den Abend hingegen in vollen Zügen genossen haben.

Alemannia Aachen – 1. FSV Mainz 05, 27.10.2010, 19:00 Uhr, Zuschauer: 25.657, Schiedsrichter: Peter Gagelmann, 2:1, Tore: Auer (26. Min), Höger (60. Min), Szalai (68. Min.)

Elfmeterkrimi im Schnee: Alemannia Aachen - Eintracht Frankfurt, Achtelfinale DFB-Pokal (22. Dezember 2010)

Der Pokal schreibt seine eigenen Geschichten und besonders schöne sind häufig mit der Alemannia verbunden. Im Achtelfinale des DFB-Pokals in der Saison 2010/2011 trafen die Schwarz-Gelben unter der Leitung von Peter Hyballa im Dezember 2010 auf den Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Nachdem in der Runde zuvor bereits der FSV Mainz 05 ausgeschaltet wurde, wartete also der nächste schwere Gegner auf die Tivoli-Truppe.Und es sollte ein Nervenkrimi werden.

Nach 90 Minuten stand es 0:0. Es ging in die Verlängerung, in der beide Mannschaften auf einmal das Toreschießen für sich entdeckten. Marco Höger brachte die Alemannia in der 93. Minute in Front, doch Martin Fenin konnte in der 99. Minute den Ausgleich erzielen. Und so stand es nach 120 gespielten Minuten 1:1. Über den Einzug ins Viertelfinale sollte das Elfmeterschießen entscheiden.

Alemannias Schützen waren an diesem Abend eiskalt, bei Frankfurt scheiterte ausgerechnet Fanliebling Alex Meier. Die Hessen fuhren enttäuscht nach Hause, Aachen feierte hingegen mal wieder eine Pokalparty.

Alemannia Aachen – Eintracht Frankfurt, 22.12.2010, 20:30 Uhr, Zuschauer: 32.160, Schiedsrichter: Michael Weiner, 5:3 i. E., Tore: Höger (93. Min), Fenin (99. Min), Meier scheitert als einziger Schütze im Elfmeterschießen

Die Bayern durchbrechen ihren Tivoli-Fluch: Alemannia Aachen - FC Bayern München, Viertelfinale DFB-Pokal (26. Januar 2011)

2004, 2006 und 2007: Gleich in drei aufeinanderfolgenden Pflichtspielen bezwang die Alemannia den großen FC Bayern zu Hause auf dem heimischen Tivoli. Zweimal im Pokal und einmal in der Bundesliga. Es sollte bis zum Januar 2011 dauern bis die Münchener wieder nach Aachen reisen mussten. Das erste Aufeinandertreffen auf dem Neuen Tivoli fand im Rahmen der Viertelfinalspiele des DFB-Pokals statt. Nachdem die Alemannia bereits die Bundesligisten aus Mainz und Frankfurt eliminiert hatte, sollte nun der dritte Streich gegen den Rekordmeister und -pokalsieger erfolgen.

Und in der 20. Minute hätte Benjamin Auer die Schwarz-Gelben auch fast in Führung gebracht, sein Ball verfehlte das Tor von Bayern-Keeper Thomas Kraft allerdings knapp. Auf der anderen Seite macht es Mario Gomez nur fünf Minuten später besser. Nach einer Flanke von Luiz Gastavo kam der Stürmer völlig frei zum Kopfball, David Hohs im Kasten der Aachener hatte keine Chance.

In der 34. Minute hätten die Hausherren den heutigen Videobeweis gut gebrauchen können: Gustavo brachte Auer im Strafraum zu Fall, der Pfiff allerdings blieb aus. Und so ging es mit dem knappen Rückstand in die Pause – auch dank einer starken Parade von Hohs gegen Gomez.

In der zweiten Halbzeit blieb das Spiel weiter lange offen. Hohs rettete erneut stark gegen Gomez, auf der anderen Seite bewahrte Kraft die Münchener mit einem wahnsinnigen Reflex nach einem Kopfball von Tobias Feisthammel vor dem Ausgleich.

Nach 75 Minuten nahm Arjen Robben Tempo auf, bediente Thomas Müller, 0:2. Am Ende setzten sich die Münchener 4:0 durch, der Tivoli-Fluch der Bayern war gebrochen. Die Alemannia unter Trainer Peter Hyballa konnte aber mehr als stolz auf diese Pokalsaison sein und auch Louis van Gaal auf der gegnerischen Bank wusste, dass das Ergebnis das Spiel nicht in all seinen Facetten widerspiegelte.

Alemannia Aachen – FC Bayern München, 26.01.2011, 20:30 Uhr, Zuschauer: 32.190, Schiedsrichter: Michael Weiner, 0:4, Tore: Gomez (26. Min), Müller (75. Min), Müller (80. Min.), Robben (88. Min.)

Das 1.000 Zweitliga-Spiel : Alemannia - MSV Duisburg, 14. Spieltag 2. Bundesliga (6. November 2011)

Denkt man an die 2. Bundesliga, denkt man an Alemannia Aachen und andersherum. Kein Wunder haben die Schwarz-Gelben doch bereits 1020 Spiele in der zweithöchsten deutschen Spielklasse absolviert.

Anfang November 2011 war der MSV Duisburg zu Gast, als die Alemannia ihr Jubiläum feierte, es war das 1000. Zweitligaspiel in der Historie des Vereins. Die Fans stellten es unter das Motto: „1000 Spiele 2. Liga, 1000 Spiele unsere größte Liebe“. Noch kein anderer Verein hatte bisher diese Marke erreicht.

Die Saison lief bis zu diesem Zeitpunkt alles andere als rund für die Aachener. Vor Anpfiff der Partie stand erst ein Sieg auf der Habenseite, Trainer Peter Hyballa wurde bereits durch Friedhelm Funkel ersetzt. Doch auch gegen die Duisburger sollte der Dreier nicht gelingen. Dabei gingen die Hausherren bereits in der fünften Minute durch Sergiu Radu in Führung.

Bis zur 67. Spielminute drehten die Gäste das Ergebnis allerdings zu ihren Gunsten und nur durch ein Eigentor von Branimir Bajic behielt die Alemannia noch einen Punkt. Für das runde Jubiläum hatten sich alle ein anderes Resultat gewünscht.

Bis zum Ende der Saison kam es aber noch viel schlimmer. Nach den verbleibenden 20 Ligaspielen war der Abstieg besiegelt, 13 Jahre nach dem Aufstieg aus der dritten Liga mussten die Schwarz-Gelben nach dem Bundesligaabstieg 2007 den nächsten Gang in eine tiefere Klasse hinnehmen. Davon hat sich der Verein bis heute nicht erholt.

Auch die Führung in der ewigen Tabelle der 2. Bundesliga hat die Alemannia mittlerweile abgeben müssen. Mit einem 3:1-Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf am 6. Spieltag der Saison 2017/2018 überholte Greuther Fürth die Aachener und lösten sie als Tabellenführer ab.

Alemannia Aachen – MSV Duisburg, 06.11.2011, 13:30 Uhr, Zuschauer: 31.180, Schiedsrichter: Peter Sippel, 2:2, Tore: Radu (5. Min), Domovchiyski (29. Min), Hoffmann (67. Min.), Bajic (68. Min.)

Das bislang letzte DFB-Pokalspiel: Alemannia Aachen - Borussia Mönchengladbach, 1. DFB-Pokal-Runde (18. August 2012)

Als Absteiger aus der 2. Bundesliga hatte die Alemannia in der Saison 2012/2013 noch ein Startrecht im DFB-Pokal. Und gleich in der ersten Runde stand ein Derby auf dem Plan: Borussia Mönchengladbach war zu Gast. Die Mannschaft vom Niederrhein landete in der abgelaufenen Saison auf Platz 4, Champions-League-Qualifikation. Die Aachener waren gerade erst dabei, sich vom Abstieg zu erholen. Die Rollen waren somit klar verteilt.

31.736 verfolgten die Partie im „Backofen“ Tivoli – bei Anpfiff war es rund 35 Grad warm. Die Schwarz-Gelben verlangten der Favre-Elf alles ab, bis zur 70. Minute gab es Chancen auf beiden Seiten, ein Treffer wollte bis dahin allerdings nicht fallen.

Kurz nach der zweiten Trinkpause des Spiels schob Juan Arango dann aber den Ball an Aachens Torhüter Tim Krumpen vorbei ins Netz. Die Alemannia warf noch einmal alles nach vorne, der Ausgleich wollte aber nicht mehr gelingen.

In der Nachspielzeit machte Havard Nordtveit mit seinem 2:0 den Sack für die Fohlen zu. Die Alemannia lieferte im vorerst letzten DFB-Pokalspiel eine starke Partie gegen einen Top-Bundesligisten ab, die Leistung machte Hoffnung auf mehr. Es folgte jedoch der Abstieg in die 4. Liga.

Alemannia Aachen – Borussia Mönchengladbach, 18.08.2012, 15:30 Uhr, Zuschauer: 31.736, Schiedsrichter: Felix Zwayer, 0:2, Tore: Arango (70. Min.), Nordtveit (90. + 1 Min.)

Das Regionalliga-Rekordspiel: Alemannia Aachen - Rot-Weiss Essen, 20. Spieltag Regionalliga West (07.0 Februar 2015)

In der Regionalliga-Saison 2014/2015 spielte die Alemannia oben mit. Am 20. Spieltag stand für Trainer Peter Schubert und sein Team zu Hause das Spitzenspiel gegen Rot-Weiss Essen auf dem Plan. Das Spiel der beiden Traditionsmannschaften zieht die Fans immer in seinen Bann. Aber dieses Mal sollte ein Zuschauerrekord aufgestellt werden.

Essen und Aachen waren vor dem Spiel punktgleich, es ging um die Tabellenführung und es zeichnete sich ab, dass zu diesem Spiel mehr Plätze als sonst im Stadion belegt werden würden. Die Alemannia schaltete auf der Webseite einen Ticketzähler frei und minütlich stieg dieser immer weiter an. Am Ende fand die Partie vor ausverkauftem Haus statt: 30.313 Zuschauer verfolgten den 1:0-Sieg der Hausherren durch den Treffer von Kevin Behren in der 39. Minute – weitere Tausende am Fernsehen.

Mit dem Aufstieg wurde es am Ende nichts, die bisherige Viertliga-Bestmarke von 24.795 Besuchern beim Stadtderby zwischen Lok Leipzig und RB Leipzig am 2. September 2012 wurde dennoch pulverisiert. Und so schnell dürfte niemand Aachen diesen Rekord streitig machen.

Alemannia Aachen – Rot-Weiss Essen, 07.02.2015, 14:00 Uhr, Zuschauer: 30.313, Schiedsrichter: Martin Thomsen, 1:0, Tore: Behrens (39. Min.)

Am 10. August 2019 kommt ein weiteres Highlight-Spiel hinzu. Nach Jahren der Frustration hat sich die Alemannia mit dem Sieg im FVM-Pokal in der vergangenen Saison die 1. Runde im DFB-Pokal verdient und wird den Bundesligisten und Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen empfangen. Volle Ränge, eine sportlich reizvolle Aufgabe für Trainer Fuat Kilic und seine Mannschaft und ein voller Tivoli. Und wer weiß, vielleicht wird in Aachen wieder einmal Pokal-Geschichte geschrieben.