„Slapstick-Tore“: Alemannia hat die höchste Saisonniederlage im Gepäck

„Slapstick-Tore“ : Alemannia hat die höchste Saisonniederlage im Gepäck

Bereits eine halbe Stunde nach Spielende startete der Mannschaftsbus wieder in Richtung Heimat. Alemannia Aachen wollte keine Minute zu viel am Ort des Schreckens in Lippstadt verbringen. Das Team musste eine happige 0:3-Niederlage im Gepäckraum verstauen.

Gegen den ortsansässigen Sportverein kassierte die beste Abwehr der Regionalliga eine unerwartet deutliche Abreibung. „Der Gegner war gieriger, der Sieg geht auch in dieser Höhe in Ordnung“, war das ernüchternde Fazit von Fuat Kilic am Ende des Ausflugs. „Wir waren zu träge.“ Die vergangenen Wochen mit vielen Auswärtsspielen hatten erkennbar Tribut gekostet, allenfalls phasenweise bekam Alemannia die PS an den Start. So wurde der mögliche Sprung auf Tabellenplatz 3 verpasst.

Keine Spielkontrolle

Torchancen waren auf dem kleinen Sportplatz zunächst Mangelware, meistens war der Ball im Mittelfeld unterwegs, um dort alle drei, vier Sekunden einen Zweikampf zu erleben. Die Gäste hatten die erste Gelegenheit, eine ziemlich gute zudem: Blendi Idrizi steckte durch zu Stipe Batarilo, nach einem Schlenker hatte dieser freie Schussbahn aus 16 Metern, um dann knapp zu verziehen (16.). Das ließ sich gut an aus Sicht der Aachener, bedeutete aber keine Spielkontrolle.

Lippstadts Innenverteidiger Fabian Lübbers wagte einen ersten Ausflug, halbherzig verfolgt von Aachens Stürmer Dimitry Imbongo. 60 Meter und einen Doppelpass später stand Lippstadts Kapitän freistehend vor dem Aachener Tor, niemand hatte sich ihm in den Weg gestellt: Sein 1:0 nach 18 Minuten war Lippstadts erster Treffer nach über sechs Stunden. „Nach den letzten Wochen ist so eine Leistung nicht selbstverständlich“, freute sich später sein Trainer Daniel Berlinski. „Schließlich haben wir nicht gegen einen Karnevalsverein gespielt.“

Sein Team jedenfalls bekam Wind unter die Flügel, die rochierenden Gastgeber waren selten einzufangen. „Wir hatten kaum Zugriff“, beobachtete David Pütz auf dem Spielfeld. Sein Trainer wollte den Zugriff verbessern, stellte noch vor dem Wechsel auf ein 3-5-2-System um und beordete Vincent Boesen in den Angriff. Aachens eigenes Angriffsspiel blieb seltsam fehlerhaft, selbst Pässe über zehn Meter streuten so stark, als habe die halbe Mannschaft die Kontaktlinsen vergessen. So waren zielführende Kombinationen eine ziemliche Rarität.

Nach dem Seitenwechsel war der Ball häufiger in den Aachener Reihen, die besseren Chancen hatten aber die Gastgeber. Das 2:0 war ein Gastgeschenk: Aachens Keeper Niklas Jakusch lenkte eine Flanke vor die Füße von Gerrit Kaiser, der aus sechs Metern begeisternd ins Tor schoss (52.). „Wir haben heute Slapstick-Tore kassiert“, schüttelt Kilic den Kopf, bevor er die Heimfahrt antrat.

Die Aachener nahmen die Niederlage nicht teilnahmslos hin, sie wehrten sich. Die vielen Spiele der letzten Wochen machten sich allerdings bemerkbar. Weil etliche Spieler auf Notstrom liefen, ließ sich kaum intensiver Druck aufbauen. Idrizi kassierte eine Gelbe Karte für eine recht talentfreie Schwalbe. Berechtigter reklamierte Imbongo in zwei Szenen einen Elfmeter. Er biss wie bei seinen Gegenspielern auch bei Schiedsrichter Martin Ulankiewicz auf Granit.

„Wir waren nicht gut“

Alemannias Wille zahlte sich kaum aus. Ein Mal traf Marco Müller, der beste Aachener an diesem Tag, das Außennetz (63.). Dann pfiff ein Schuss des eingewechselten Kai Bösing noch am Tor vorbei (76.). Mehr Aachen war nicht. Im Gegenteil, die Hausherren hatten auf der Zielgeraden noch einige erstklassige Gelegenheiten, als Alemannia das Risiko erhöhte und Räume aufgab.

Eine davon nutzte Benjamin Klingen in der Nachspielzeit, die unfreiwillige Vorlage kam von Aachens Innenverteidiger Matti Fiedler. So musste Alemannia die höchste Saisonniederlage verstauen und verdauen. Trainer Kilic wollte darauf verzichten, den Spielfilm bei der langen Rückfahrt einzulegen. „Wir waren nicht gut heute, aber das besprechen wir in aller Ruhe.“ Schon am Donnerstagabend steht der nächste Wettkampf an. Ein Heimspiel zur Abwechslung.

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