Aachen: Alemannia gegen Essen: Rolf Pawellek über unerklärliche Rivalität

Aachen: Alemannia gegen Essen: Rolf Pawellek über unerklärliche Rivalität

Die älteren Zuschauer haben ihn noch spielen sehen, die jüngeren kennen ihn nur aus Erzählungen der Väter und Großväter: Rolf Pawellek, das war ein eisenharter Verteidiger, der weder sich noch (und schon gar nicht) den Gegner schonte.

Zwischen 1966 und 1972 trug er das Alemannia-Trikot, wurde 1969 Deutscher Vizemeister. Und stieg ein Jahr später ab — auch wegen eines Spiels gegen Essen. Der heute 75-Jährige erinnert sich.

Herr Pawellek, auf die Frage, an welchen Aachener Gegenspieler er sich denn erinnere, hat Willi Lippens wie aus der Pistole geschossen geantwortet: der Pawellek. Der habe den Baseball-Schläger dabei gehabt...

Pawellek: Das ist schön, das finde ich positiv. Ich war ja kein Freund von Technik. Die Bälle waren meistens kaputt, gegen die ich getreten habe.

Rivalität zwischen Alemannia und Köln oder zwischen Alemannia und Gladbach kann man ja nachvollziehen. Aber haben Sie eine Erklärung für die Rivalität zwischen Alemannia und Rot-Weiß Essen?

Pawellek: Nee. Vielleicht, weil Michel Pfeiffer auch mal in Essen war. Ich habe übrigens auch mal ein Jahr bei RWE gespielt, in der Reservemannschaft, die damals die Vorspiele machte. Da war ich 19. „Fischken“ Multhaup hatte mich von Buer-Hassel geholt. In der ersten Mannschaft spielten damals Leute wie Herkenrath, Islacker, Gottschalk. Die jungen Spieler waren damals noch nicht so weit, um da ranzukommen. Ich bin dann nach Gladbeck gewechselt.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Duelle zwischen Alemannia und Essen?

Pawellek: Die personelle halt an Willi Lippens. Der hat ja noch Witze dabei erzählt. Aber ich war zu aufgeregt...

... oder positiv ausgedrückt so sehr auf die Aufgabe konzentriert...

Pawellek: ... so kann man es auch sagen. Jedenfalls bin ich auf die Späßchen nicht eingegangen. Hauptsache für mich war, dass er seinen Gegenspieler spürt. In der Bundesliga haben wir auf dem Tivoli 0:0 gespielt, im Januar 1970. Das war zu wenig, wir sind am Ende dann ja auch abgestiegen. Das war ein Nebelspiel, das auf der Kippe stand. Da wurden in die vier Ecken Fässer mit Teer gestellt, um den Nebel wegzukriegen. Hat aber auch nichts genutzt.

Wann haben Sie zuletzt ein Alemannia-Spiel gesehen?

Pawellek: Das war noch zu Zweitliga-Zeiten. Jupp Martinelli hat uns hin und wieder Karten besorgt, dem Heiner Sell, Kalle Klostermann, „Yogi-Bär“ Ferdinand. Ich schäme mich, da anzurufen für eine Karte. Aber ich verfolge, was bei Alemannia passiert. Das ist Pflicht, die Zugehörigkeit ist immer noch da. Das ist doch normal. Mit dem Verein habe ich gelebt, mit dem Verein habe ich mein Geld verdient. Ich werde mir das Spiel gegen Essen selbstverständlich im Fernsehen anschauen. Da brauche ich dann auch nicht hochzuspringen, um was zu sehen.

Wie geht‘s aus?

Pawellek: Ich wäre froh, wenn Alemannia gewinnt, egal in welcher Höhe. Für die Meisterschaft bedeutet das aber noch nicht viel. Da oben geht‘s ja kunterbunt zu.

(sch)