Aachen: Alemannia gegen Essen: Erinnerungen von Willi „Ente“ Lippens

Aachen: Alemannia gegen Essen: Erinnerungen von Willi „Ente“ Lippens

Elf Mal hat er mit Rot-Weiß Essen gegen Alemannia Aachen gespielt, dabei sieben Tore geschossen: Willi „Ente“ Lippens, ein wahres Original im deutschen Fußball. Sein Bauernhof-Restaurant in Bottrop heißt „Ich danke Sie“ — das hatte der heute 69-Jährige mal dem Schiedsrichter entgegnet auf dessen Satz „Herr Lippens, ich verwarne Ihnen.“

Der ehemalige Linksaußen ist RWE-Ehrenmitglied, der Platz am Trainingsgelände hinter dem Stadion trägt seinen Namen.

Willi Lippens vor dem Regionalliga-,,Kracher“ am Samstag (14.00 Uhr) auf dem Tivoli über...

... seine Duelle gegen Alemannia: „Ich war ja recht jung, aber Erinnerungen habe ich schon. Es war immer schwer, bei Alemannia zu gewinnen. Der Tivoli war einer der wenigen eng gebauten Plätze ohne Aschenbahn, ein reines Fußballstadion. Ideal, um die Atmosphäre aufzusaugen, man musste sich auch gegen das Publikum durchsetzen. Ich erinnere mich an das Flutlicht, auch eine Besonderheit damals, es gab viele Parallelen zu RWE.“

... die Rivalität zwischen Alemannia und RWE: „Das sind ja keine Dorfklubs, die mit 100 Leuten anreisen. Die Rivalität hat immer bestanden, sie wurde von den Vätern an die Söhne weitergegeben. Die jungen Leute von früher, die uns mit ihrem Papa im Stadion gesehen haben, kommen ja heute wieder. Obwohl es eigentlich keinen Grund mehr für diese Rivalität gibt — weil beide Vereine schon lange nichts mehr haben, was sie an den anderen verlieren könnten.“

... seinen unangenehmsten Aachener Gegenspieler: „Der Pawellek war ein harter Hund. Einer, der hier und da den Baseball-Schläger mit hatte. Das war Mann gegen Mann mit einem Schatten, der dich 90 Minuten lang verfolgt hat. Und du warst ein halber Krüppel, bevor der Schiedsrichter eingegriffen hat. Heute werden die Räume dichtgemacht. Die Ballannahme ist eigentlich viel leichter, weil du nicht direkt angegriffen wirst. Und die Qualität des Balls ist besser. Aber die Tore haben immer noch die Maße wie früher.“

... die Situation der beiden Klubs: „Schade, dass man mit Tradition wenig anfangen kann. Bei dem Potenzial, das in beiden Vereinen steckt. Aber die Entwicklung im heutigen Fußball ist schwer aufzuhalten. Die Sponsoren wollen TV-Minuten. Gerade bei uns in Essen boomt es ringsherum, das ist das Problem. Die Konkurrenz ist sehr groß mit Dortmund und Schalke, aber auch Duisburg und Oberhausen. Da hat Aachen es etwas leichter, da gibt es in unmittelbarer Nähe keine Konkurrenz. RWE und Alemannia können nur versuchen, mit bescheidenen Mitteln, einer Portion Glück und einem geschickten Händchen rauszukommen aus der Regionalliga.“

... seine heutige Rolle bei RWE: „Das tue ich mir nicht mehr an, diese Vereinsmeierei. Ich habe nach dem Ende meiner aktiven Karriere versucht, dem Verein was zurückzugeben, habe drei Jahre für RWE gearbeitet. Eine kurze Zeit als Trainer, dann in einer beratenden Tätigkeit. Aber nur zum Zeigen war ich mir zu schade. Seit einiger Zeit habe ich wieder eine Dauerkarte für die Spiele an der Hafenstraße. Dass der Prophet im eigenen Land nichts zählt, das war einmal. Man ist bemüht, mich wieder zu zeigen. Schön, wenn man hofiert wird. Das tut einem alten Sack gut.“

... den anstehenden Schlager: „Für das Spiel in Aachen habe ich keine Einladung. Ich werde sicher mal kurz ins Fernsehen reinschauen, um mir einen Eindruck vom neuen Tivoli zu verschaffen. Ich weiß nicht, ob ich mir das Spiel ganz reinpfeifen werde. Ich kann ja nix mehr lernen. Und wenn, dann könnte ich nichts mehr damit anfangen. Es erscheint unwahrscheinlich, dass ich am Fernseher hängenbleibe. Aber es wäre schön, wenn mich das Spiel so begeistert. Und wenn die Aachener richtig was auf den Arsch kriegen.“ (lacht)