Aachen: Alemannia: Die Suche nach den entgangenen Millionen

Aachen: Alemannia: Die Suche nach den entgangenen Millionen

Am Ende des Abends kehrten die Millionen Euro zwar nicht zurück, aber zumindest verabredete man sich zu weiteren Gesprächen. Die Veranstaltung hatte so noch ein konstruktives Ende, wonach es lange Zeit nicht aussah.

Alemannias Fan IG hatte Kandidaten für die Präsidiumswahl am 5. September geladen, die schon lange keine Kandidaten mehr sind. Nach einer guten Woche hatte das Quintett um Horst Rambau, Michael Gottschalk, Dirk Trampen, Karlheinz Pflipsen und Alexander Goy die eigene Bewerbung gleich wieder storniert.

Im Abspann des flotten Rückzugs war plötzlich von Millionen Euro die Rede, die dem Verein nun durch die Lappen gehen würden. „Teil des Konzeptes war eine erste Anschubfinanzierung durch Gönner der Alemannia in Höhe von 2,5 Millionen Euro“, schrieb das sogenannte Team 2 in ihrem Abschiedsbrief. „Das Konzept sah ferner die Beschaffung von Eigenmitteln in siebenstelliger Höhe für den Zeitraum der nächsten vier Jahre vor, die nicht aus klassischen Sponsorengeldern generiert werden sollten.“

Der Fan IG war das natürlich ein Anliegen, sich auf die Suche nach den entgangenen Millionen zu machen. Sie lud das Quintett der Ex-Kandidaten gestern Abend ins Werner-Fuchs-Haus ein. Pflipsen und Goy hätten aus terminlichen Gründen abgesagt. Insbesondere der ehemalige Hauptsponsor Goy, der im Dezember die Zahlung eingestellt und seinen bis Mitte 2018 laufenden Vertrag gekündigt hatte, entging so naheliegenden Fragen. Christoph Niering hatte kein Verständnis für dessen Kandidatur geäußert und gleich eine Empfehlung für das Team 1 um Interims-Präsidenten Martin Fröhlich abgegeben. Der Insolvenzverwalter fordert 250.000 Euro auf dem Klageweg von Goy.

Michael Gottschalk fuhr gleich mal ein größeres Kaliber auf, hielt Niering einen „schweren Fehltritt“ vor, weil er die Unwahrheit gesagt habe. In dem Verfahren gehe es nur um 39.000 Euro, sagte der Anwalt, der inzwischen die Prozessakten studiert hatte. Weiterer Vorwurf: Niering habe „völlig unzulässig“ Wahlkampf gemacht.

Dirk Trampen schilderte minutiös die Versuche, mit diesem Team ins Gespräch zu kommen. Ein Mandant von Horst Rambau, der auch gestern nicht genannt werden wollte, habe eine Spende von zwei Millionen Euro in Aussicht gestellt. Bedingung: Der Steuerberater werde Schatzmeister im neuen Präsidium. Und auch Goy sei wieder bereit gewesen, in „bisheriger Größenordnung“ zu investieren, teilte Trampen den vielen Zuhörern mit. Die Kontaktaufnahme mit dem Notpräsidium und Insolvenzverwalter jedenfalls gestaltete sich enorm schwierig, Termine fanden sich nicht oder wurden verschoben, berichtete Trampen.

Als die Bewerbungsfrist für die anstehende Wahl fast ablief, habe man sich fast widerwillig entschieden, im Verbund zu kandidieren, damit das Geld nicht verloren gehe. Rambau wollte noch Horst Heinrichs erneut als Präsidenten für das Team gewinnen, doch der sagte ab. Die Kontaktaufnahme mit dem Team Fröhlich blieb wohl schwierig. „Mir stinkt es, dass aus persönlicher Eitelkeit, weil man nicht mit Horst Rambau klarkommt, dem Verein zwei Millionen Euro durch die Lappen gehen.“

Nicht wenige Zuhörer konnten den hastigen Rückzug immer noch nicht verstehen. „Sie mussten wissen, dass eine Kandidatur von Goy Staub aufwirbelt. Das muss man aushalten. Wenn Sie so selbstbewusst wie heute Abend aufgetreten wären, müssten Ihnen die Worte eines Insolvenzverwalters egal sein. Schließlich entscheidet der Souverän die Wahl.“

Als sich dann der Pulverdampf verzogen hatte, wurde es noch konstruktiv. Trampen versprach, dem neuen Präsidium den Kontakt zum „völlig verärgerten“ Sponsor zu vermitteln, Rambau hat Niering, der ihn angeschrieben hat, zwei Gesprächstermine unterbreitet. Trampen will nächste Woche wiederkommen, wenn sich das andere Team den Fans vorstellt, um seine Sicht der Dinge zu wiederholen. Zumindest das ist ein Erfolg: Es wird miteinander gesprochen.