Aachen: Alemannia: Der harte Zweikämpfer trifft auf alte Weggefährten

Aachen: Alemannia: Der harte Zweikämpfer trifft auf alte Weggefährten

Im beruflichen Leben sollte man es sich gut überlegen, ob man Necirwan Khalil Mohammad, genannt Neco, ein bisschen veralbern will. Beinschüsse zum Beispiel mag ein Fußball-Profi so gerne wie Abstiegsspiele. Sie kratzen ein bisschen an der Ehre. Am Samstag trifft er auf seine alte Mannschaft, Wattenscheid 09, die er damals nicht ganz freiwillig wählte.

„Bei Neco versucht man einen Beinschuss besser nicht, der weiß sich zu wehren“, hat der Kollege Jerome Propheter in den letzten Wochen beobachtet. Alemannias Neuzugang Mohammad kann in solchen Dingen vermutlich etwas nachtragend sein.

Sein Spiel ist durchaus körperbetont, wie es zur Stellenausschreibung eines defensiven Mittelfeldspielers gehört. Elf Gelbe und eine Rote Karte aus der letzten Saison stehen im Arbeitszeugnis des 24-Jährigen, der in der letzten Spielzeit bei Wattenscheid 09 der Wellenbrecher vor der Abwehr war.

Der Deutsch-Syrer spielt durchaus hart, ist aber kein Defensivspieler, der den Gegner mit der Axt vom Ball trennt. Mohammad ist eng mit dem Ball befreundet, sucht bevorzugt die spielerische Lösung.

Auch außerhalb der Kreidelinien überzeugt Mohammad durchaus mit eleganten Moves. Propheter, Joy-Lance Mickels und er sind nicht nur Alemannias Kabinen-Djs, sondern gelten auch als die größten Bewegungskünstler auf der Tanzfläche.

Aachens Neuzugang gibt bereits den Ton an, er hat sich schnell eingelebt in der neuen Umgebung.

Seine Familie flüchtete, als er vier Jahre alt war, sie lebten vier Jahre lang in einem Asylheim in Ostfriesland. Dort beim FC Norden und später bei Kickers Emden startete Mohammad seine Fußballkarriere.

Die Familie — dazu zählen zwei ältere Brüder und eine kleine Schwester — zog um nach Wuppertal. Der damals Zwölfjährige „zockte nur auf dem Bolzplatz“, blieb zunächst vereinslos. Erst später schloss er sich Grün-Weiß Wuppertal an. Sein Talent sprach sich bald herum.

Der 15-Jährige spielte vor in den Nachwuchsleistungszentren von Schalke 04, dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach. „Ich konnte mir den Verein aussuchen.“ Er entschied sich für die Borussen, weil einige Freunde auch dorthin wechselten.

Siebeneinhalb Jahre spielte er beim Bundesligisten, überwand dort die Schwelle ins Seniorenlager, aber der ganz große Durchbruch blieb aus. Er spielte vor bei VV Venlo und Preußen Münster, aber die Hoffnungen auf ein Engagement in den höheren Ligen zerschlugen sich. Das Transferfenster schloss sich allmählich, viel Auswahl gab es nicht mehr, und so heuerte Mohammad bei Wattenscheid 09 an.

„Das war ein Kulturschock“, sagt er heute noch. Raus aus der Wohlfühloase bei einem Erstligisten, hinein in den Regionalliga-Alltag mit trister Infrastruktur. „Da lernt man erst einmal schätzen, wie gut man es hatte. Und da will ich wieder hin.“ Sportlich will er die zwei Jahre in Wattenscheid nicht missen, aber der 24-Jährige sehnte sich wieder nach einem professionelleren Umfeld. Alemannia hatte den schussstarken Mittelfeldspieler schon länger im Zielfernrohr. Zunächst ist es eine Beziehung auf Zeit für ein Jahr. Mohammad will weiterkommen, will sich in höheren Ligen beweisen.

Die Familie wohnt inzwischen in Viersen, die Brüder und der Vater sind ständig bei den Spielen, es sind wohlwollende Kritiker, die den talentiertesten Fußballer der Familie begleiten.

Heute Nachmittag werden sie auf der Tribüne mitfiebern, wenn „Neco“ gegen den Ex-Verein aufläuft. 7000 Zuschauer werden erwartet, mehr Anhänger im Rücken hat Neco in seinem Sportlerleben noch nicht erlebt. „Es wird grandios“, ist die Vorfreude ausgeprägt. Die Fans werden Zeugen sein, wie sich der Neuzugang zu wehren weiß.

Mögliche Aufstellung: Nagel - Ernst, Propheter, Löhden, Winter - Staffeldt, Mohammad - Rüter, Fejzullahu, Mohr - Gödde

Schiedsrichter: Dominik Jolk (Bergisch Gladbach)

Bilanz: 48 Spiele/18 Siege/7 Remis/23 Niederlagen/70:83 Tore

Internet: Zusammenschnitt ab ca. 20 Uhr bei an-online/az-web.de

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