Aachen: Alemannia: Das Ergebnis stimmt, die Leistung nicht

Aachen: Alemannia: Das Ergebnis stimmt, die Leistung nicht

Kurz nach dem Sieg über den SC Wiedenbrück hatte Aimen Demai noch vermutet: „Im Abstiegskampf zählen nur die drei Punkte, über das Wie redet morgen schon keiner mehr.“ Alemannias Mittelfeldspieler irrte, denn am Morgen danach redeten die Trainer deutlich über das „Wie“.

3:1 hatte seine Mannschaft gewonnen, damit die 40-Punkte-Marke erreicht und sich auf den Weg in den sicheren Hafen gemacht. Aber viel mehr bekamen die noch 5200 Zuschauer nicht zu sehen. Stattdessen: irrlichternde Außenverteidiger, verbindungslose Stürmer, betont harmlose Gastgeber. „Der eine oder andere hat gedacht, dass es so weitergeht wie in den letzten Wochen“, beklagte Trainer Peter Schubert fehlende Laufbereitschaft und mangelnde Konzentration. Alemannia spannte die Fans aufs Folterstreckbrett.

Nichts war zu sehen von dem Plan, den hochgradig abstiegsgefährdeten Gegner mit schnellen Kombinationen in Verlegenheit zu bringen. Stattdessen gab es ein schwer verdaubares Festival der Unzulänglichkeiten. Schon bis zur Pause wehrte Keeper Frederic Löhe einen tückischen Kopfball von Mitspieler Marcus Hoffmann und einen kernigen Fernschuss von Kamil Bednarski (33\./34\.) ab. „Wir sind spielerisch besser, aber Aufwand und Ertrag stehen in keinem guten Verhältnis“, bedauerte Gäste-Trainer Theo Schneider.

Schubert wechselte zur Pause nur einmal, obwohl sich etliche Kandidaten für eine Auszeit aufdrängten. „Wir mussten in der Pause nicht über Taktik reden, wir mussten erst einmal wach werden.“ Aimen Demai kam als Ordnungskraft ins Spiel, für ihn musste Michael Lejan weichen.

Aachens Führung passte zur Spielweise an diesem Tag, sie war ein lupenreines Zufallsprodukt. Die Gäste ließen sich am Ende ihrer fünften Ecke (Aachen hatte bis dahin eine) auskontern, die Rechtsflanke von Mazan Moslehe hätte aber keinen Alarm ausgelöst, wenn sich nicht Keeper Marcel Hölscher und Verteidiger Jeffrey Volkmer in die Quere gekommen wären. Der Ball kullerte Rafael Garcia grinsend vor die Füße, der aus drei Metern vollendete (48\.) — Torero-Jubel, 1:0\. Die kuriose Führung währte nur 100 Sekunden, dann tanzte Marwin Studtrucker Neppe am Strafraum aus, um mit einem satten Schuss in den Winkel schnell wieder auf Remis zu stellen — 1:1 (50\.).

Rückstände irritieren die Aachener nicht mehr so stark, sie schüttelten sich und gingen dann noch einmal auf Torsuche. Schubert tauschte zur Verwunderung vieler Beobachter Sascha Marquet gegen Abedin Krasniqi aus (62\.), obwohl der zu den wenigen Ideenlieferanten gehörte. Der Trainer dagegen war mit dem Defensivverhalten des Außenspielers nicht einverstanden.

Präzise in den Winkel

Es folgte der einzige Gänsehaut-Moment in diesem Spiel: Freistoß, 22 Meter halblinks vor dem Tor. Nur Aimen Demai stand am Ball. Fast schon verblasste Erinnerungen kamen hoch, der Tunesier hat schon früher in höheren Ligen aus solchen Lagen getroffen.

Die Präzision ist ihm auch in der 20-monatigen Pause nicht abhanden gekommen, er holte den Zirkel heraus und schlenzte das Spielgerät präzise in den linken Winkel zum 2:1 (67\.). Und dann setzte der Mittelfeldspieler einen Vorsatz um, der in den letzten Monaten entstanden war. Er sprintete zum Spielfeldrand und umarmte Co-Trainer Reiner Plaßhenrich. „Er hat immer den Kontakt auch während meiner langen Verletzung zu mir aufrecht erhalten. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.“

Auf dem Spielfeld ging es weiter vogelwild zu. Löhe rettete noch einmal gekonnt gegen den freien Bednarski (82\.). Für die finale Pointe sorgte ein anderer Einwechselspieler. Krasniqi schob einen Rückpass vom klugen Neppe ins verwaiste Tor zum 3:1 ein (92\.). Auch diese Gelegenheit nutzten die enorm effektiven Aachener. So stehen am Ende der Englischen Woche Sieg, Niederlage, Remis — und einiger Gesprächsstoff.

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