Alemannia Aachenen enttäuscht in Wattenscheid

Alemannia verliert trotz Überzahl: Ein völlig enttäuschender Nachmittag in Wattenscheid

Am Ende stand die bislang größte Enttäuschung der Saison. Alemannia verlor an einem ziemlich trüben Samstagnachmittag bei Wattenscheid 09 mit 0:1. Trotz halbstündiger Überzahl.

Aachen leistete sich die beiden schwächsten Spiele der Saison gegen den gleichen Gegner. Das hat eine gewisse Tradition. Wattenscheids Trainer Toku Farat hat acht Mal gegen Aachen gespielt, heraus gekommen sind acht Siege. „Sie liegen uns einfach", sagt der 38-Jährige. „Von mir aus können alle 17 Gegner in der Regionalliga Alemannia Aachen heißen."

Sein Kollege gratulierte erkennbar angefressen zum „verdienten Sieg, weil Wattenscheid mehr investiert hat". Fuat Kilic haderte mit der Einstellung seiner Mannschaft, die noch am letzten Spieltag gegen Viktoria Köln das beste Spiel seit vielen Monaten gezeigt hatte. Davon war die Mannschaft im Lohrheidestadion entfernt, über weite Streckung war der Vortrag enttäuschend.

Dazu passte auch das Gegentor zwei Minuten vor dem Feierabend. Die Aachener verloren im Vorwärtsgang den Ball, und der eingewechselte Sebastian van Santen hatte eine tollkühne Idee: Aus dem Mittelkreis heraus drosch er den Ball ins Aachener Tor. Keeper Daniel Zeaiter leistete dabei Komparsenhilfe, weil er sich weit vor dem Strafraumvon dem Fernschuss überraschen ließ. „Ich bin ein bisschen schockiert", fasste Kapitän David Pütz den Tag später zusammen.

Wattenscheid war energischer unterwegs auf dem tiefen Boden. Die schwierigen Wochen ohne Gehaltszahlungen machten das Team noch entschlossener. Corboz scharfe Hereingabe fand keinen Abnehmer (7\.), aber schon früh deuteten die Gastgeber an, dass sie bevorzugt auf ihrer linken Seite eine Schneise in die Abwehr schlagen wollten. Auch der nächste erwähnenswerte Angriff fand hier statt. Emre Yesilova, Stürmer mit Aachener Vergangenheit, traf den Außenpfosten, nachdem er Rechtsverteidiger Marco Müller entwischt war (16\.).

Trainer Kilic hatte aufgrund der Sperre von Peter Hackenberg notgedrungen die Viererkette neu sortieren müssen. Müller verteidigte auf der rechten Seite, Matti Fiedler rückte ins Zentrum. Der gelernte Innenverteidiger hatte zunächst Aachens beste Gelegenheit. Hauchdünn verpasste er einen Freistoß, den Manuel Glowacz getreten hatte (21\.). Fiedler wurde auch bei seiner Kernkompetenz gefragt. Aachens Torwart Daniel Zeaiter hatte den Ball abprallen lassen. Sein Verteidiger kratzte denn Schuss von Berkant Canbulut von der Linie (24\.).

Das Spiel auf dem tiefen Geläuf war zerfahren, die Zweikampfdichte hoch. Meistens war der Ball zwischen den Strafräumen unterwegs, Gelegenheiten ergaben sich nur selten. Alemannia kam noch einmal einem Treffer sehr nahe. Der Fernschuss von Blendi Idrizi klatschte an den Latte (39\.).

Nach dem Wechsel musste Zeaiter musste gleich wieder gegen Yesilova klären, der vor ihm auftauchte (50\.). Schiedsrichter Alexander Schuh, der kurzfristig Dominik Jolk ersetzte, war bis hierher erkennbar ein großer Fan der „ganz langen Leine". Jetzt aber schickte er Cellou Diallo mit zwei Gelben Karten vom Feld (57\.), mehr als eine halbe Stunde lang konnte sich Alemannia den Gegner in Unterzahl zurecht legen.

Imbongo köpfte eine Glowacz-Flanke übers Tor (63.), dann konnte Aachens Chefstürmer eine Hereingabe von Idrizi drei Meter vor dem Tor nicht verwerten (71.). Der 28-Jährige hat nach wochenlanger Tordiät seine Sicherheit verloren. Die nächste Großchance bekam Alexander Heinze, der nach einer Ecke nur die Latte mit seinem Kopfball traf (76.).

„Wir brauchen einfach zu viele Chancen, um einen Treffer zu machen", ärgerte sich Manuel Glowacz an alter Wirkungsstätte. Wattenscheid berappelte sich. „Wir sind die Mannschaft, die niemals ihre Moral verliert", diktierte Farat Toku später. Aachens Torwart Zeaiter musste noch zweimal die Türe zumachen, als Nico Buckmaier und Matthias Dietz versuchten, ihn zu überlisten (84\./86\.). Vielleicht wäre ein Remis an diesem Nachmittag ein angemessener Ertrag gewesen, es kam aber anders, die Aachener kassierten das kurioseste Gegentor der Saison.

Verspäteter Anpfiff wegen Ausschreitungen

Der Nachmittag hatte aus Aachener Sicht bereits unerfreulich begonnen. Die Partie begann auf Bitten der Polizei mit 15-minütiger Verspätung. Laut Einsatzleiter Peter Stephan hatte ein Ordner beobachtet, wie Aachener Fans eine große Fahne ins Stadion an einer unbelebten Stelle des Stadions schmuggeln wollten.

Aus Polizeisicht werden solche Fahnen häufig als Sichtschutz missbraucht, um darunter Pyrofackeln zu zünden. Der nachfragende Ordner sei von einer größeren Gruppe Fans attackiert worden, hätte eine Flasche auf den Kopf bekommen und musste ins Krankenhaus, so Stephan zunächst.

Später relativierte er die Aussage, nachdem ihm eine Zeugin berichtet hatte, dass der Ordner gegen den Zaun gedrückt worden sei. Das ändert aus Polizeisicht aber nichts am Vorwurf der Körperverletzung. Aachener Fans stürmten ein Kassenhäuschen, um ins Stadion zu gelangen. Die Polizei ließ anschließend den Aachener Block räumen und verfügte eine neue Kontrolle, um sicherzustellen, dass nur berechtigte Personen ohne Pyromaterial Einlass bekommen.

Laut Polizeihauptkommissar Stephan mussten seinen Kollegen auch Schlagstöcke und Pfefferspray einsetzen, um einige renitente Aachen-Anhänger zu bändigen. Ein Alemannia-Fansprecher dagegen sprach von einem überzogenen Einsatz der Beamten.

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