Alemannia Aachen schlägt Straelen 4:0

Seit elf Spielen ungeschlagen : Alemannia Aachen lässt Aufsteiger keine Chance

Fünf Minuten vor dem Schlusspfiff legte Robin Garnier die letzten Meter Richtung Seitenlinie in dosiertem Tempo zurück, dann war der Arbeitstag beendet.

Dass Aachens Trainer Fuat Kilic seinen unermüdlich rennenden Schützling auswechselte, war allerdings nicht der kräftezehrenden Spielweise des 24-Jährigen geschuldet; der Rotschopf sollte sich lediglich seinen verdienten Applaus abholen. Garnier hatte mit zwei Treffern und einer Vorlage maßgeblich zum souveränen 4:0-Sieg der Alemannia gegen den erschreckend schwachen Aufsteiger SV Straelen beigetragen. „Wir haben heute super Fußball gespielt“, gab der Matchwinner das Kompliment in der Mixed-Zone an die gesamte Mannschaft weiter. „Es hat Spaß gemacht zu spielen, aber bestimmt auch zuzuschauen.“

Das dürfte nicht auf die in zwei Bussen angereisten Gäste-Fans zutreffen, sicherlich aber auf einen Großteil der 4900 Zuschauer, die sich an diesem sonnigen Samstagnachmittag im Tivoli eingefunden hatten. Von der ersten Minute an sahen sie einen dominanten Auftritt der Gastgeber; das einzige, was in der Anfangsphase fehlte, war ein früher Aachener Treffer: Kai Bösing (5.) und Stipe Batarilo (7.) ließen gute Schusschancen ungenutzt.

Die Partie blieb einseitig, da der verunsicherte Aufsteiger zu sehr damit beschäftigt war, für Ordnung in der Defensive zu sorgen, um offensiv Akzente setzen zu können. Lediglich einen Schuss des Ex-Aacheners Meguru Odagaki (16.) musste Alemannias nahezu beschäftigungsloser Keeper Niklas Jakusch in der ersten Halbzeit entschärfen. Seine Vorderleute präsentierten sich dagegen angriffslustig und versuchten, schon in der gegnerischen Hälfte den Ball zu erobern. Das gelang Bösing (19.) sogar im SV-Sechzehner; Alexander Lenders, der das Leder vertändelt hatte, wusste sich nur noch mit einer Grätsche zu helfen.

Manuel Glowacz trat zur Ausführung des fälligen Strafstoßes an, den schwachen Schuss in die rechte Ecke konnte Straelens Torhüter Martin Kompalla aber entschärfen. „Früher hätte uns so ein verschossener Elfmeter vielleicht aus der Bahn geworfen“, analysierte Kilic. „Heute ist die Mannschaft aber viel gefestigter und stabiler.“ Die Aachener drängten weiter auf den Führungstreffer, und die Geduld sollte sich innerhalb von 74 Sekunden gleich doppelt auszahlen: Zuerst versenkte Garnier mit dem Kopf eine scharfe Glowacz-Hereingabe im Gäste-Tor (29.), unmittelbar nach Wiederanpfiff wurde Bösing mit zu viel Platz ausgestattet, der aus 20 Metern unbedrängt auf 2:0 erhöhen durfte.

Alemannia schlägt Straelen 4:0

Die Powerminuten gingen weiter, keine 60 Sekunden später hätte der dritte Treffer fallen können, wenn der wiedergenesene Dimitry Imbongo mit seinem Schlenzer nicht knapp am Gehäuse vorbeigeschossen hätte. Bis zum Pausenpfiff verdiente Kompalla sich eine Schwerarbeiterzulage, sowohl Bösing aus der Distanz (41.), als auch Imbongo (42.) mit der Hacke scheiterten am SV-Keeper. 8:2 – die drückende Überlegenheit spiegelte sich auch in der Torschussstatistik wider. Der neunte Torschuss sorgte schließlich dafür, dass die Aachener mit einer beruhigenden Führung in die Kabine gingen: Garnier steckte das Leder für Batarilo durch, der aus zehn Metern traf – 3:0 (43.).

„Der dritte Treffer war wichtig, weil der Gegner bei einem 0:2 noch zu viele Optionen hat“, urteilte Kilic. Straelens Coach Marcus John reagierte in Halbzeit zwei mit einem Doppelwechsel, der Rhythmus der Partie änderte sich dadurch aber nicht. Erneut scheiterte Imbongo, der den besser postierten Glowacz übersah, an Kompalla (50.). Der Schlussmann der Gäste stand erneut im Mittelpunkt, als er nach einem langen Ball vor dem Sechzehner in höchster Not klären musste. Die Gefahr war jedoch nicht gebannt, aus 25 Metern (!!!) köpfte Garnier ins verwaiste SV-Tor – 4:0 (62.). Es war sein fünfter Treffer in dieser Saison, mit dem sich der Mittelfeldspieler in der mannschaftsinternen Torschützenliste auf Platz eins schob. „In 122 Spielen in der Regionalliga Südwest habe ich nur sechs Treffer erzielt. Aber in dieser Saison läuft es einfach“, freute sich Garnier über die neu entdeckten Torjägerqualitäten.

Auch John gab nach dem Abpfiff zu, dass „der Sieg war auch in der Höhe verdient war“. Und es hätte sogar der höchste Sieg der Saison werden können, wenn der Kopfball von Alexander Heinze den Weg ins Tor gefunden hätte und nicht gegen die Latte geprallt wäre (75.). Nach 79 Minuten erhielt Jakusch zum ersten Mal die Gelegenheit sich auszuzeichnen, das 1:1-Duell gegen den Ex-Alemannen Jannik Stevens entschied der Keeper für sich. Die Gäste resignierten und warteten nur noch auf den Schlusspfiff von Schiedsrichter Christopher Schütter, der pünktlich ertönte.

„Die Mannschaft ist jetzt da, wo wir sie hinführen wollten. Aber es ist noch Luft nach oben“, erklärte Kilic, der gleichzeitig daran erinnerte, dass „wir im Blick halten müssen, wie es mit dieser Mannschaft über die Saison hinaus weitergeht. Die Leistung meiner Spieler in den vergangenen Wochen dürfte mit Sicherheit auch einigen Scouts nicht entgangen sein.“ Mit dem fünften Sieg aus den vergangenen sechs Spielen haben sich die Aachener auf Platz vier gespielt. Und nicht nur Garnier dürfte am Samstagnachmittag Werbung in eigener Sache betrieben haben.

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